Frohnatur Nafi ist zum ernsten Herrn Öztan geworden

Wolfsburg.  Die Corona-Krise beschert dem Eis-Arena-Caterer das zweite schlechte Jahr in Folge. Aber nicht nur finanziell vermisst er Eishockey und Grizzlys.

So wie hier während eines früheren Pokerturniers des Fanclubs kennt man Eis-Arena-Caterer Nafi Öztan (Zweiter von rechts): gut gelaunt und als väterlicher Freund der Grizzlys-Profis (hier von links Fabio Pfohl, Alexander Karachun und Patrick Seifert).

So wie hier während eines früheren Pokerturniers des Fanclubs kennt man Eis-Arena-Caterer Nafi Öztan (Zweiter von rechts): gut gelaunt und als väterlicher Freund der Grizzlys-Profis (hier von links Fabio Pfohl, Alexander Karachun und Patrick Seifert).

Foto: Stephanie Blaschke / Archiv/oh

Teilweiser Gehaltsverzicht ist derzeit ein großes Thema in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Auf bis zu 25 Prozent sollen auch die Profis der Grizzlys Wolfsburg in der nächsten Saison verzichten und nötigenfalls Kurzarbeit zu festgelegten Konditionen akzeptieren, damit die Klubs angesichts der zu erwartenden Umsatzeinbußen in Corona-Zeiten überleben können. Ein Mitglied der Grizzlys-Familie geht schon seit Anfang März fast leer aus: Eis-Arena-Caterer Nafi Öztan.

Letztmals am 6. März zum Heimspiel am 51. Spieltag gegen Nürnberg öffnete der Gastronom den VIP-Raum, die Kioske und vor dem Stadion den Getränkestand und die Bratwurstbude. Seit die Bundesregierung kurze Zeit später wegen der Corona-Pandemie den Lockdown verhängte, die DEL die Play-offs absagte und Restaurants schließen mussten, steht Öztan ohne Einnahmemöglichkeiten da. „Aber das geht ja nicht nur mir so“, sagt er mit Blick auf seine Branche.

Doch trotzdem stellt sich seine Situation – losgelöst betrachtet – besonders schwierig dar. Öztan hatte schon vor Corona immer betont, dass sein Job nur dann einträglich sei, wenn die Grizzlys den Sprung in die Play-offs schafften. Mit dem Umsatz aus den 26 Hauptrunden-Heimspielen schreibe er eine schwarze Null. Je weiter das Team in den Play-offs komme, desto erfreulicher falle seine Bilanz aus. Problem: Schon das zweite Jahr in Folge gab es in Wolfsburg keine Play-offs. 2018/19 hatten die Grizzlys den Sprung in die Top 10 verpasst. 2019/20 hätten sie wenigstens in der ersten Runde gestanden und mindestens ein Play-off-Heimspiel gehabt, doch dann brach Covid-19 aus. „Ich brauche unbedingt die Play-offs. Nun bin ich das zweite Jahr nacheinander schon ohne. Das ist finanziell für mich nicht vorteilhaft“, sagt Öztan mit ernster Miene.

Normalerweise trägt der allseits beliebte und lebenslustige Grizzlys-Gastronom immer ein Lächeln im Gesicht und verbreitet gute Laune. Doch beim Blick auf die neue Saison verfinstert sich seine Miene noch. „Ich hoffe, dass mit Publikum gespielt werden kann. Aber ich fürchte, dass selbst in dem Fall sehr strenge Auflagen für mich als Gastronom herrschen werden, die nicht umsatzfördernd sein werden.“

Verringerung der zulässigen Gästezahl im VIP-Raum, Verbot eines offenen Buffets, stattdessen zwei, drei zusätzliche Köche, die das Essen ausgeben. Das sind Punkte, mit denen Öztan im wahrsten Sinne des Wortes rechnet. Und unterm Strich bedeute das für ihn: „Weniger Umsatz, mehr Personal und dadurch höhere Kosten.“ Der schmale VIP-Raum der Eis-Arena, in dem laut Öztan im Normalfall 200 bis 220 Personen Platz finden, ist baulich ohnehin wenig geeignet, um auf Abstand zu gehen. Selbst die zuletzt erfolgten Lockerungen für die Gastronomie helfen Öztan nach eigener Aussage kaum weiter. „Wenn ich 20 oder 40 Leute bewirten darf, rentiert sich das für mich nicht. Ich brauche höhere Gästezahlen, um rentabel zu arbeiten.“

Ganz abgesehen davon stellte Öztan auch aus persönlichen Gründen die Arbeit ein mit Beginn der Corona-Krise. „Ich zähle zur Risikogruppe“, erklärt der 60-Jährige. Aus Selbstschutz habe er in den vergangenen Wochen selten das Haus verlassen. „Alle zwei bis drei Tage schaue ich in der Eis-Arena nach dem Rechten.“

Während auf der Einnahmeseite derzeit keine Eingänge zu verzeichnen seien, habe er jedoch weiter Ausgaben. Den Löwenanteil mache die an die Stadt zu zahlende Pacht für die Räumlichkeiten in der Eis-Arena aus. „Man hat mir eine Stundung angeboten, sodass ich später zahlen könnte. Aber letztlich ist das gehupft wie gesprungen. Zahlen muss ich eh“, sagt er achselzuckend. Immerhin: Die Corona-Soforthilfe des Landes Niedersachsen mit Unterstützung des Bundes habe er zügig erhalten. „Dafür möchte ich dem deutschen Staat ein großes Kompliment aussprechen. Überhaupt bin ich froh, dass ich in Deutschland lebe. Wie die Regierung hier in der Krise vorgeht, ist vorbildlich.“

Seine festangestellte Mitarbeiterin habe der Gastronom zudem in Kurzarbeit schicken können. Die Dienste der vielen während der Saison eingesetzten Mini-Jobber nehme er derzeit nicht in Anspruch. „Ich rechne damit, dass die Situation für mich bis zum 31. August unverändert bleibt“, sagt Öztan. Doch was kommt danach, und wird es besser? Die Fragen stellt er sich täglich. „Ich hoffe, dass mir die Grizzlys finanziell entgegenkommen können.“

Mit denen gibt es vertragliche Vereinbarungen zum Catering. Zum Beispiel sei er an die Bedingungen gebunden, die der DEL-Klub mit dem Getränkepartner abgeschlossen habe. Im Gespräch mit unserer Zeitung vor einigen Wochen hatte Grizzlys-Manager Charly Fliegauf auf Nachfrage schon einmal angedeutet, dass er zusammen mit Öztan nach Lösungen suchen wolle. „Noch haben wir uns aber nicht zusammengesetzt“, berichtet der Gastronom.

Dem fehlen aber nicht nur die Einnahmen. „Ich vermisse auch den Kontakt zu den Spielern und Verantwortlichen, die sonst immer regelmäßig zu mir zum Essen kommen, und zu den Fans. Mehr als ein Hallo auf Distanz ist im Moment ja nicht möglich“, sagt Öztan traurig. „Dieser verdammte Virus. Ich wünsche mir, dass er einfach wieder verschwindet oder dass wir einen wirkungsvollen Impfstoff finden. Aber ich fürchte, wir werden lernen müssen, mit Corona zu leben.“

Und zu rechnen, in Öztans Fall vor allem auch finanziell. Selbst 25 Prozent weniger Einnahmen wie im Fall der Profis träfen ihn wohl hart. „Ich mache mir wie alle Gastronomen Sorgen um die Existenz.“

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