DEL-Coronaklausel: Bis zu 25 Prozent Gehaltsverzicht geplant

Wolfsburg.  Weil die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga weiter starke Einnahmeverluste erwarten, sollen auch die Profis der Grizzlys Wolfsburg verzichten.

Ratlose und besorgte Gesichter: Der drohende Gehaltsverzicht bereitet nicht nur Chet Pickard (links) und Jeff Likens Kummer.

Ratlose und besorgte Gesichter: Der drohende Gehaltsverzicht bereitet nicht nur Chet Pickard (links) und Jeff Likens Kummer.

Foto: imago/Jan Huebner

Das also war ein großes Thema während der Videokonferenz der Grizzlys am Montag: Die DEL-Profis sollen aufgrund der Corona-Krise in der nächsten Saison auf bis zu 25 Prozent ihres Gehalts verzichten, berichtet das Fachblatt Eishockey News am Freitagnachmittag in seiner Online-Ausgabe. Davon betroffen wären auch die Spieler des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten.

Dass „Corona-Klauseln“ in neue, aber auch in bestehende Spielerverträge eingebaut werden sollen, um die Klubs im Falle eines späteren Beginns oder eines kompletten Ausfalls der Spielzeit 2020/21 vor einem Bankrott zu schützen, war bekannt. Welche tiefgreifenden Einschnitte das zur Folge haben könnte, kam nun heraus.

Der Plan ist laut Eishockey News folgender: 25 Prozent des Jahresgehalts der Spieler werden eingefroren. „Und das – so ist das Ziel von Liga und Klubs – schon bis zum 24. Mai, wenn Abgabeschluss für die Lizenzunterlagen ist“, heißt es in dem Bericht. Demnach würden nur drei Viertel des Gehalts ausgezahlt. „Die Auszahlung des offenen Viertels soll in der Saison 2020/21 abhängig von den Einnahmen des jeweiligen Klubs erfolgen, bei dem der Spieler unter Vertrag steht. Bewegen sich diese auf dem Niveau des Vorjahres, erhalten die Profis am Saisonende die einbehaltenen 25 Prozent ausbezahlt. Konnte der Club zum Beispiel nur 90 Prozent erlösen, werden noch 15 der fehlenden 25 Prozent überwiesen. Liegt der Umsatz nur bei 75 Prozent oder darunter, gibt es keine weitere Auszahlung“, schreibt das Blatt weiter.

Für viele Vereine dürfte letzteres Szenario das Wahrscheinlichste sein angesichts der drohenden Einnahmeausfälle. „Wir wollen keinen über den Tisch ziehen. Das Geld ist derzeit einfach nicht da. Das müssen die Spieler realisieren. Es gibt keine Gesellschafter oder Aktionäre, die sich an dem Entgegenkommen der Spieler bereichern würden“, sagt Gernot Tripcke im Gespräch mit den Eishockey News. Stimmt ein Spieler der Regelung nicht zu, droht ihm schlimmstenfalls, dass sein Klub nicht einmal die Lizenzunterlagen einreicht und vom Spielbetrieb zurücktritt. „Und ob das im Sinne des Spielers wäre, wage ich doch sehr zu bezweifeln“, wird Tripcke weiter zitiert.

Grizzlys-Manager Charly Fliegauf gibt sich in der Frage zurzeit ungewöhnlich wortkarg. „Die Klubs haben in den vergangenen Wochen gemeinsam Parameter erarbeitet, die sie jetzt bei sich umsetzen wollen, damit alle die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die kommende Spielzeit erfüllen können“, sagt er. Das letzte Wort ist aber längst noch nicht gesprochen.

Drei Fragen an...

Gerrit Fauser, Vize-Kapitän der Grizzlys Wolfsburg, zum Thema Corona-Gehaltsverzicht.

Herr Fauser, was sagen Sie zu den DEL-Plänen, in der Corona-Krise bis zu 25 Prozent Gehaltsverzicht von den Profis zu verlangen?

Wir sind natürlich alle ein bisschen geschockt. Aber ich denke, dass wir einen Weg für uns in Wolfsburg finden werden.

Überrascht Sie die Forderung der Liga?

Nein, in der aktuellen Lage herrschen doch überall Probleme. Sportarten wie das Eishockey, die von Sponsoren und Zuschauereinnahmen leben, müssen zusehen, dass sie durchkommen. Es wäre fatal, wenn wir als DEL Vereine verlieren würden. Es kommt nicht nur darauf an, dass wir die Krise überstehen. Sollten andere Standorte wegbrechen, können auch wir nicht spielen. Deshalb sind gemeinsame Lösungen wichtig.

Wären Sie zum Gehaltsverzicht bereit?

Wenn es grundsätzlich darum geht, ob wir eine Saison überhaupt spielen können oder nicht, wäre ich bereit. Wie vielen anderen in unserem Team liegt mir zudem sehr viel an unserem Klub. Mehr kann ich zum jetzigen Stand nicht sagen. Es laufen viele Gespräche mit Beratern und Vereinen zu dem Thema.

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