Das sagt Grizzlys-„Sünder“ Möchel über sein Strafenfestival

Wolfsburg.  Dreimal in der „Kühlbox“, dreimal schlägt der Gegner zu – in München erlebt der Stürmer des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten Unfassbares.

Ungläubiger Blick: Grizzlys-Mittelstürmer Marius Möchel war fassungslos, dass er in München gleich dreimal auf die Strafbank musste und immer ein Gegentor daraus entstand.

Ungläubiger Blick: Grizzlys-Mittelstürmer Marius Möchel war fassungslos, dass er in München gleich dreimal auf die Strafbank musste und immer ein Gegentor daraus entstand.

Foto: imago/Eibner

Marius Möchel war wohl der einzige Grizzlys-Spieler, der nach dem 5:4-Sieg nach Penaltyschießen am Sonntag bei Spitzenreiter München „fassungslos“ war. Während seine Teamkollegen die zwei gewonnenen Punkte ausgelassen auf dem Eis feierten, musste der Center des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten das Match erst einmal sacken lassen. Drei Strafen hatte der als sehr fair bekannte Profi bekommen, und immer hatte RB in der folgenden Überzahl getroffen – und trotzdem wurde „Möchi“ nicht zum Buhmann.

„Zuerst habe ich mich nach Spielende mal erleichtert gefühlt, aber die Fassungslosigkeit wich nicht so schnell“, berichtet er nach der Rückkehr nach Wolfsburg. „Ich hatte zuvor in der ganzen Saison nur eine Strafzeit erhalten – und in München dann gleich drei.“

Aber viel unglaublicher fand er es, dass die Münchner alle bestraften. Die erste aus der 22. Minute war schon fast abgelaufen, als Trevor Parkes doch noch das 1:0 erzielte. Nach der zweiten (27.) dauerte es nur 14 Sekunden, bis Chris Bourgue auf 2:0 erhöhte. Und nur zwei Sekunden nach dem 3:3-Ausgleich der Grizzlys (55.) musste Möchel zum dritten Mal in die „Kühlbox“ und sah, wie Jason Jaffray 40 Sekunden später München wieder mit 4:3 in Führung brachte. „Das“, so vermutet der 28-Jährige und schüttelt ungläubig den Kopf, „hatte es zuvor wohl noch nie in der DEL-Geschichte gegeben. Es war extrem bitter für mich. Auch, weil die Münchner zuvor die schlechteste Heim-Powerplayquote der Liga hatten.“

Möchel („Ich bin sehr selbstkritisch“) ging nicht einfach zur Tagesordnung über, sondern beschäftigte sich damit. Nicht mit allen Entscheidungen der Schiedsrichter war er einverstanden. Zweimal hatten sie ihn wegen hohen Stocks und einmal wegen Beinstellens hinausgestellt. „Es war nie Absicht, sondern immer unglücklich und Pech. Es gab schlimmere Fouls, die nicht geahndet wurden.“

Doch die in München wie entfesselt auftretenden Grizzlys ersparten ihrem Teamkollegen das Gefühl, der Sündenbock zu sein. „Die Jungs hatten das alles viel schneller abgehakt als ich und mich gleich wieder versucht, aufzumuntern“, berichtet Möchel. Was insgesamt bleibt, ist, dass die Wolfsburger beim Tabellenführer Wiedergutmachung für das zuvor am Freitag nach schwachem Auftritt äußerst glückliche 1:0 n. V. gegen Augsburg betrieben haben.

Wie der Sieg in München zustande kam, könnte sogar psychologisch eine wichtige Erfahrung gewesen sein für den weiteren Saisonverlauf. „Wir haben gezeigt, dass wir Nackenschläge wegstecken können und an einem guten Tag jeden schlagen können, wenn wir für- und miteinander spielen“, sagt Möchel.

Der seit der November-Pause anhaltende Aufwärtstrend hat die Grizzlys selbstbewusster als vorher gemacht. Auch der Unglücksrabe von München empfindet die Drucksituation mittlerweile als „angenehmer“ als zu Saisonbeginn. Vor den Wochenend-Spielen des Tabellenneunten gegen Ingolstadt (Freitag, 19.30 Uhr, Eis-Arena) und in Mannheim (Sonntag, 19 Uhr) sagt er: „Wir müssen jedes Spiel schon wie ein Play-off-Spiel angehen. Wir dürfen in der Tabelle nicht nur nach unten schauen, sondern müssen uns auch nach oben orientieren, um den einen oder anderen Platz noch gutzumachen.“

In den anstehenden Duellen mit den sechstplatzierten Panthern und den drittplatzierten Adlern möchte Möchel den Grizzlys wieder einen wertvollen Dienst statt eines Bärendienstes erweisen. „Das passiert mir nicht noch einmal“, erklärt er mit Blick auf sein unfreiwilliges Strafzeiten-Festival von München und kann nun wieder lächeln.

Grizzlys aktuell:

Um 0.30 Uhr in der Nacht von Montag auf Dienstag waren die Grizzlys von ihrem Auswärtstrip nach München mit anschließendem Ausflug zum Winterfahrtraining von Hauptsponsor Volkswagen in der österreichischen Gemeinde Faistenau nahe Salzburg nach Wolfsburg zurückgekehrt. „Für die meisten unserer Spieler war der Dienstag dann frei“, berichtete Trainer Pat Cortina, der sein Team am Mittwoch wieder aufs Eis bittet.

Das Comeback verletzter Grizzlys-Spieler deutet sich an. Laut Cortina ist neben Armin Wurm (Reha nach Hand-OP) zwar auch Lucas Lessio (Unterkörperverletzung) weiter kein Thema. „Andere sind es aber“, verriet der Coach. Damit dürfte er aufs zuletzt verletzte Angriffstrio Alexander Johansson (Unterkörper), Sebastian Furchner (Oberkörper) und Mathis Olimb (Hand) anspielen. Auch Jan Nijenhuis ist zurück von der U20-WM.

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