„Das Spiel gegen Braunschweig durfte so nicht passieren“

Wolfsburg  Seit einem Jahr ist Dieter Hecking Trainer des VfL Wolfsburg. Trotz der Pleite gegen Eintracht fällt sein Rückblick positiv aus.

Dieter Hecking hat den VfL zurück auf den Erfolgsweg geführt.

Dieter Hecking hat den VfL zurück auf den Erfolgsweg geführt.

Foto: Weber/rs24

Hinter Dieter Hecking liegt ein ereignisreiches Jahr. Im Januar übernahm der 49-Jährige den Trainerposten beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Mit Ruhe und Sachlichkeit führte er den VfL zurück in die Europapokalränge. Vor dem letzten Spiel des Jahres bei Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 15.30 Uhr) blickt der Coach im Interview mit Daniel Mau zurück sowie ein Stück nach vorne.

Herr Hecking, mit VfL-Manager Klaus Allofs haben wir vor ein paar Wochen ebenfalls Bilanz gezogen. Dort hat er uns verraten, dass er in seiner Freizeit die Fahrradwege in Wolfsburg intensiv nutzt. Was haben Sie in diesem Jahr in der Stadt für sich entdecken können?

Eigentlich nur den VfL. Der bindet mich so sehr ein, dass ich für etwas anderes kaum Zeit habe. Aber hin und wieder ziehe ich mir doch mal die Laufschuhe an und gehe am Kanal laufen.

Welche Phase war in den vergangenen zwölf Monaten die intensivste für Sie?

Die Anfangsphase war schon sehr intensiv. Wir mussten in den ersten vier Wochen Entscheidungen treffen, mit welchen Spielern wir weiterarbeiten wollten. Die Hauptarbeit eines Trainers liegt aber auf dem Platz. Dort gibt es immer Dinge, an denen man arbeiten kann.

Was hat Sie im vergangenen Jahr mehr genervt, die Spekulationen um Diego oder die Chancenverwertung Ihrer Mannschaft, die etliche Male besser hätte sein können?

Weder noch. Ich bin kein Mensch, der von irgendetwas genervt ist. Mir macht mein Job riesig Spaß und zu dem gehören eben auch Spekulationen und Negativergebnisse. Mittlerweile bin ich so lange dabei, dass ich fast alles schon einmal erlebt habe und auch mit schwierigen Situationen besser umgehen kann.

Auf die Niederlage gegen Eintracht Braunschweig hätten Sie aber trotzdem wahrscheinlich gerne verzichtet. Haben Sie die Wirkung dieses Spiels vielleicht etwas unterschätzt?

Ich wusste, was auf uns zukommt. Und die Häme, die wir nach diesem Spiel ertragen mussten, wird uns auch weiter begleiten. Das habe ich schon als Nürnberg-Trainer gegen Fürth erlebt. Aber als Trainer darfst du dich auch von so einem Spiel oder der berechtigten Kritik, die darauf folgte, in der Bewertung der Situation nicht beeinflussen lassen. Dieses Spiel hätte so nicht passieren dürfen, aber wir sind gestärkt daraus hervorgegangen.

Seit diesem Spiel ist die Entwicklung sehr positiv. Präsentiert sich die Mannschaft inzwischen so, wie Sie sich das vorstellen?

Inzwischen ist es bei uns so, dass jeder Spieler weiß, dass er gebraucht wird. Das Entscheidende ist, dass wir die Gruppe auf einem guten Niveau verkleinern konnten. Das war das wichtigste Zeichen an die Mannschaft. Jeder hat seine Chance.

Bereuen Sie, dass Sie Maximilian Arnold vielleicht ein paar Spiele zu spät gebracht haben?

Nein, Maxi hatte damals nicht gut trainiert. Was von außen gefordert wird, hat uns Trainer nicht zu interessieren. Wir sehen die Spieler jeden Tag im Training und hatten damals nicht das Gefühl, dass Maxi uns in dieser Phase entscheidend weiterhelfen konnte. Es ist immer ein Glücksspiel den richtigen Moment zu erwischen, einen Spieler reinzuwerfen. Aber ich denke, dieser Moment war nach dem Braunschweig-Spiel gekommen.

Ein Glücksgriff war sicherlich die Entscheidung, Ivica Olic ins Sturmzentrum zu stellen …

Ivi hat mir bereits in einem der ersten Gespräche gesagt, dass er sich im Zentrum besser entfalten kann. Ich versuche jeden Spieler so einzusetzen, dass er seine beste Leistung abrufen kann. Deshalb ist es für mich sinnvoll, ihn in der Sturmspitze aufzustellen. Ich bin froh, dass wir Ivi in eine Verfassung gebracht haben, in der er so wertvoll für unser Team ist.

Der Saisonstart des VfL war von fehlender Konstanz geprägt. Wann hatten Sie das Gefühl, dass die Mannschaft sich stabilisiert hat?

Am Anfang haben wir uns natürlich geärgert, weil wir mehr hätten mitnehmen können. Wir hatten in jedem Spiel die Möglichkeit zu punkten, aber das ist uns nicht gelungen. Es sieht so aus, als würden wir das immer besser in den Griff bekommen. Vor Rückschlägen sind wir aber leider nicht gefeit. Aber die Rückschläge sollten nicht zu heftig werden. Im Moment haben wir uns ein kleines Polster aufgebaut, bei einer Niederlage würden wir nicht gleich auf Platz 12 zurückfallen.

Viele im Umfeld des VfL sprechen ja bereits von der Champions League. Geht Ihnen das zu schnell?

Ja, ich kann Fans und Journalisten verstehen, dass sie ein gewisses Anspruchsdenken haben. Aber daran ist der Verein zuletzt auch immer wieder gescheitert. Öffentliche Aussagen über höhere Ziele würden einen Druck erzeugen, der unserer Entwicklung nicht guttut. Ich denke wir fahren gut mit der Zielsetzung, dass wir eine bessere Saison als die letzte spielen wollen. Das sind wir auf einem guten Weg, aber es wartet auf uns noch eine schwere Rückrunde.

Zum Schluss würden wir von Ihnen gerne einen Tipp hören. Wo spielt Diego am 1. Juli?

Beim VfL Wolfsburg.

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