Artenreiche Fischwelt entzückt im Salzgittersee

Lebenstedt.  Der Salzgittersee entstand in den 1960er Jahren durch Kiesabbau - heute ist er ein artenreicher Lebensraum für viele Fische.

Gerhard Auer und Marcus Kiefer vor dem Poster mit den Fischarten, die im Salzgittersee leben.

Gerhard Auer und Marcus Kiefer vor dem Poster mit den Fischarten, die im Salzgittersee leben.

Foto: Andrea Leifeld

Da die Sommer-Serie unserer Zeitung „Leben am Salzgittersee“ heißt, geht der heutige Part in die nasskalte Tiefe, denn der See hält unterhalb seiner Wasseroberfläche ein vielfältiges Leben, mindestens so Artenreich wie an der Oberfläche, parat. „Sie müssen bedenken, der See ist zwei Kilometer lang, 800 Meter breit und misst 17 Meter an der tiefsten Stelle“, erklärte Markus Kiefer als 1.Vorsitzender des ASV Fuhsetal, der das Fischereirecht von der Stadt Salzgitter gepachtet hat.

See ist kein natürliches Gewässer

Der Salzgittersee kein natürliches Gewässer. Er entstand in den Jahren zwischen 1960 und 1975 durch Kiesabbau und ist heute ein sehr artenreiches Refugium für zahllose Wassertiere.

Gänse mittlerweile eine Plage

Wo das Augenmerk der Angler vornehmlich auf dem Fischbesatz liegt, lässt Gewässerwart Gerhard Auer – ebenso wie jeder Angler als naturverbundener Mensch – seine Augen gerne über den Himmel und das Wasser gleiten. Und nicht alles, was er dann sieht, macht ihn so glücklich wie der Anblick des ebenso seltenen wie scheuen Eisvogels, der ab und an gesichtet wird.

„Vor 15 Jahren haben wir uns über die ersten Graugänse gefreut. Heute würde ich sie als Plage bezeichnen.“ Auch die ersten Nilgänse siedelten sich im vergangenen Jahr an. Auer betrachtet auch diese tierischen Einwanderer argwöhnisch.

Kormoran fügt viel Schaden zu

Seine Sorge aber gilt dem Kormoran, der ebenfalls vor einigen Jahren am Salzgittersee heimisch wurde und dem Angelverein richtigen Schaden zufügt.

„Ein Kormoran frisst 400 Gramm Fisch an Tag. Wir haben von Oktober bis März/April rund 60 Vögel am See, die hier überwintern. Das bedeutet etliche Tonnen Fischverlust im Jahr für uns. Jungen Fisch, den wir

neu einsetzen und der von Vereinsbeiträgen bezahlt wird. Das Kilo für 4 Euro.“

Da sollten auch Außenstehende den Ärger der Angelfreunde über den Kormoran verstehen. „Das Problem dahinter ist, das der Kormoran frisst, was ihn in den Schnabel kommt“, fügte der Vorsitzende an. Für die Angler gäbe es Fangauflagen, wie die Größe des Fisches, die Menge und Schonzeiten für einzelne Arten.

Kormoran hat keine Fangauflagen

Danach richte sich der gefiederte Fressfeind aber nicht. Sollte das imaginäre Leser-Auge nun aber in den See hinabtauchen, würde es bis zu einer Tiefe von drei Metern eine artenreiche Fischwelt vorfinden. Tiefere Zonen würden nur noch von wenigen Fischen genutzt. Dort sei das Wasser zu kalt und durch das fehlende Sonnenlicht gäbe es kaum noch Pflanzenwuchs.

Hecht ist „Fisch Nummer Eins“

Der „Fisch Nummer Eins“ ist im Salzgitter See der imposante Hecht. „Er liebt das klare Wasser und eine krautige Umgebung. Hechte sind Raubfische, die eine beachtliche Grüße und ein beachtliches Alter

erreichen können. Der präparierte, im Vereinsheim hängende Hecht-Kopf (gefangen 1983 von Walter Lewandowski) dokumentiert den stattlichen Fang von 15,2 Kilogramm und 1,27 Metern Länge. Sein Maul verschlingst auch ein niedliches Entenküken, keine Frage.

Wels wiegt bis zu 80 Kilogramm

Wo der Hecht ein Gewicht zwischen 20 und 35 Kilogramm erreichten kann, gibt es nur einen Fisch im Salzgittersee, der größer wird: Der Wels, mit einem möglichen Gewicht von bis zu 80 Kilogramm bei zwei Metern Länge und mit riesigem Maul. Ein gruseliger Gedanke.

Wels ist nur in abgelegenen Bereichen

Wo sind eigentlich die Kinder…? „Ein Wels hat keine Zähne wie ein Hecht. Die Wels-Zähne ähneln mehr Schmirgelpapier. Er hält sich auch nicht am Badestrand auf, sondern nur in abgelegene Bereichen“, beruhigt Auer.

Vorsicht gilt im Brutgebiet

„Aber ein Wels betreibt ab 18°C Brutpflege in der Uferzone - und sollte ein unbedarfter Badegast ihm dabei zu nah kommen, könnte er sehr unfreundlich werden.“ Zwischenfälle gab es in jüngerer Zeit aber keine, versicherte Kiefer. Die vielen anderen Fischarten in See sind weithin bekannt, weniger Imposant und gute Speisefische: Allen voran der Zander, der auch zur Familie der Raubfische gehört oder der Karpfen, als Klassiker unter den Speisefischen.

Zwei Karpfenarten

Im Salzgittersee kommen gleich zwei Arten vor: Der Spiegelkarpfen als Zuchtform und der Schuppenkarpfen. Nicht zu vergessen die Schleie.

Hecht-Schleie-See unter Profis

Der freundliche Friedfisch wird meist erst in der Dämmerung aktiv und gehört einfach in dieses Gewässer, das fachlich unter Anglern auch als Hecht-Schleie-See bezeichnet wird. Die Schleie wird bis 60 Zentimeter lang und 4 Kilogramm schwer.

Sie bevorzugt ruhige Gewässer und lebt im fischfreundlichen Bereich am Grund. Wo der Hecht auch ander Fische, Frösche, Flusskrebse, Vögel und sogar kleine Säugetiere frisst, bevorzugt die Schleie Insektenlarven, Schnecken und Muscheln.

Aale bevölkern Salzgittersee

Auch Aale kommen im Salzgittersee vor. Das sind jene schlangenförmigen, sehr fettigen Fische, die viele Menschen nur in der goldgelb-geräucherten Variante kennen. „Das alles dürften die häufigsten Fische hier im See sein“, so Gewässerwart Auer.

Es gäbe noch den Barsch und auch das Rotauge und die Rotfeder als Weißfische. „Die Artenvielfalt ist hier im See wirklich sehr groß und jeder Angler hat irgendwo seinen Lieblingsfisch.“ Weiß er. Der Salzgittersee wird durch Grundwasser gespeist und hat nur einen Überlauf in die Fuhse. Neuansiedlungen durch nicht heimische Tierarten (Neozoen) kann es da kaum geben, oder? „Das will ich nicht sagen“, so Auer.

„Wir haben seit einigen Jahren Schmuck-Schildkröten im See. Wir vermuten, sie wurden ausgesetzt. Sie vermehren sich offenbar auch problemlos und wir freuen uns immer, wenn wir sie sehen.“

„Ich hoffe, das bleibt auch so…“, schmunzelte der Gewässerwart beim Blick auf die zahllosen Graugänse, jene schnatternde graue Vogelwolke, die am idyllischen See inzwischen zur ungeliebten Plage wurde.

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