Bilanz: Wie Bäder in Salzgitter mit Corona-Krise zurecht kommen

Salzgitter.  Auch Salzgitters Bäderbetreiber haben mit der aktuellen Situation zu kämpfen. Was sie zudem gemein haben: die Ungewissheit, wie es weitergehen kann.

Maximale Beckenkapazitäten gehören derzeit auch in Salzgitter zum Bäderalltag. Was etwa im Stadtbad in Lebenstedt noch wichtig ist, erklärt BSF-Marketingchefin Carola Ueberhorst.

Maximale Beckenkapazitäten gehören derzeit auch in Salzgitter zum Bäderalltag. Was etwa im Stadtbad in Lebenstedt noch wichtig ist, erklärt BSF-Marketingchefin Carola Ueberhorst.

Foto: Marius Klingemann

„Maximale Beckenkapazitäten“: Diese Ansage gilt derzeit nicht nur im Stadtbad in Lebenstedt, sondern auch in allen anderen Schwimmbädern in und um Salzgitter, die über die ungemütlicheren Monate geöffnet bleiben können. Das Corona-Jahr 2020 hat für die Betreiber jedoch noch manch andere Herausforderung mit sich gebracht. Gegenüber unserer Zeitung haben sie nun vorläufig Bilanz gezogen – und blicken in die Zukunft.

Stadtbad: Hier ist die Bäder, Sport und Freizeit (BSF) Salzgitter zuständig. Marketingleiterin Carola Ueberhorst blickt auf die aktuelle Corona-Lage: „Wir haben Hygienekonzepte aufgestellt, die permanent an die Vorgaben der Regierung und Gesundheitsämter angepasst werden können.“ Hierzu gehört etwa eine maximal zulässige Zahl von Badbesuchern, aktuell sind das 220. Die Gäste sollen ihren Aufenthalt auf rund drei Stunden begrenzen, Kinder unter 14 Jahren benötigen eine erwachsene Begleitperson. Für Becken, Duschen und Umkleiden gibt es streng geregelte Kapazitäten, dazu „erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen“, erklärt Ueberhorst.

Wiedereröffnung nach der Corona-Pause war am 15. Juni. Ab Juli, so die BSF-Marketingchefin weiter, sei im Stadtbad trotz der komplizierten Situation eine Steigerung der Gästezahlen zu verzeichnen gewesen – man habe gar über dem geplanten Niveau gelegen. Die Frequenz habe sich auch nach den Sommerferien dann „auf gutem Level“ stabilisiert. Genaue Zahlen möchte beziehungsweise kann Ueberhorst im Gespräch mit unserer Zeitung jedoch nicht nennen.

Lesen Sie mehr: Virtuelle Kreismeisterschaft im Schwimmen

Für 2021 erhoffe man sich im Stadtbad, „dass wir gut durchkommen“ – 2022 sei dann nach jetzigem Stand die Rückkehr zum Normalbetrieb als Ziel ausgerufen.

Zudem seien seitens Stadt und Bund Fördermittel in Höhe von rund zwei Millionen Euro bewilligt worden, die in ein Ganzjahres-Außenbecken investiert werden sollen. „Hier laufen die Planungen“, sagt
Ueberhorst. Innerhalb der nächsten drei Jahre solle das Projekt nach Möglichkeit umgesetzt sein.

Thermalsolbad: Auch in Salzgitter-Bad ist die BSF zuständig. Hier sehen die aktuellen Zahlen jedoch weniger erfreulich aus, muss Ueberhorst einräumen: „Seit der Wiedereröffnung Mitte Juni sind die Besucherzahlen im Vergleich zu 2019 um 50 Prozent zurück gegangen.“ Beinahe alle Bereiche, etwa das Solewellenbecken oder auch das Bistro, seien vor Ort aber in Betrieb – Ausnahme ist die Sauna. Die maximal erlaubte Anzahl an Gästen liege derzeit – inklusive Fitnessstudio und Kurse – bei 232.

Im kommenden Jahr stehen im Thermalsolbad dann die Sanierung der Decke im Solewellenbad und der Umkleiden an, noch in diesem Oktober an der Klappwand des Wellenbeckens. In Salzgitter-Bad, so Ueberhorst abschließend, gelte ebenso die Hoffnung, „2022 wieder in den Normalbetrieb zu gehen“.

Corona in Salzgitter und Umland – Was Sie jetzt wissen müssen

Hallenfreibad Thiede: Betreiber Helmut Fichtner fallen bei der Rückschau auf die Sommersaison wenig gute Worte ein. Von Anfang Juni bis Ende August habe er seinen Außenbereich geöffnet gehabt – und mit insgesamt „etwas über 7000“ Besuchern einen Minusrekord zu verzeichnen gehabt. „In normalen Sommern kommen über 15.000, in guten sogar bis zu 20.000 Leute“, sagt Fichtner.

Für das Freibad musste er ein Limit von 500 Gästen setzen, die gleichzeitig vor Ort sein dürfen – davon maximal 150 im Wasser. „Das sind dramatische Zahlen, normalerweise haben wir im Sommer sehr viel mehr Besucher pro Tag da.“

Lesen Sie mehr: Freibad-Saison Salzgitter- „Für das Wetter recht ordentlich“

Darüber hinaus habe es im Eingangs- wie auch Beckenbereich mehrfach Ärger gegeben, da sich Gäste beziehungsweise solche, die aufgrund der Maximalkapazitäten keinen Zutritt bekamen, nicht benehmen konnten. Fichtner: „Einmal hat eine größere Gruppe gar die Zäune am Eingang niedergedrückt, die Polizei musste rigoros eingreifen.“ Hilfe seitens der Gesetzeshüter, so der Schwimmbad-Chef, sei im Laufe der kurzen Freiluftsaison leider öfters nötig gewesen.

Ins Hallenbad darf Fichtner nun coronabedingt nur 40 Leute lassen. Das Virus, sagt er etwas sarkastisch, solle bloß „schnellstmöglich verschwinden.“

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

Waldschwimmbad Gebhardshagen: Von Mitte Juli bis Anfang September, gerade mal acht Wochen, lief hier die Saison. Die genauen Zahlen lägen noch nicht vor, doch eins stehe bereits fest, berichtet Vorstand Michael Kotzian vom zuständigen Verein Glück Auf Gebhardshagen: „Wirklich gelohnt hat sich das in diesem Jahr nicht.“

Der Badebetrieb konnte nur eingeschränkt und dazu in zwei Schichten mit insgesamt maximal 160 Gästen pro Tag stattfinden. Verschiedene Bereiche wie etwa die Wasserrutsche und das Volleyballfeld mussten zeitweise gesperrt bleiben, zudem war stets eine doppelte Schwimmaufsicht mit entsprechenden Personalkosten vor Ort.

Was die Zukunft bringt, müsse man sehen, so Kotzian: „Mal schauen, was 2021 kommt.“ Mit der Stadt habe man immerhin bereits Pläne zur Sanierung der Herren-Sanitäranlagen entwickelt. „Vielleicht ist auch eine generelle Querfinanzierung drin, um uns wirtschaftlich ein wenig zu helfen“, wagt der Glück-Auf-Vorstand zu hoffen.

Naturfreibad Lengede: Vorstand Harald Fiene spricht hier von einer „sehr durchwachsenen Saison“. Höchstens 300 Gäste durften sich gleichzeitig auf dem Badgelände aufhalten, insgesamt waren bis Ende August knapp 7000 da. Einige Male hätten auch Schwimmfreunde am Eingang abgewiesen werden müssen, da die Maximalkapazitäten bereits erreicht waren.

„Wir blicken optimistisch in die Zukunft“, sagt Fiene nichtsdestotrotz – man hoffe, dass im kommenden Jahr wieder ein „unbeschwerter Badebetrieb möglich ist“. Der Wunsch an die Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung: „Sie sollten bei künftigen Entwicklungen und Maßnahmen stets auch die Auswirkungen auf die Bäder im Blick haben.“

Mineralwasserfreibad Liebenburg: Von Mitte Juni bis Anfang September lief hier die Saison. Zunächst galt dabei – jeweils im Zwei-Schichten-System – ein Besucherlimit von 300, später dann 450, erklärt

Liebenburgs Bürgermeister Alf Hesse gegenüber unserer Zeitung. Insgesamt seien etwa 12.000 Badegäste da gewesen, „in normalen Sommern sind es zwischen 25.000 und 30.000“.

Wirtschaftlich habe sich die Corona-Situation natürlich negativ ausgewirkt, so Hesse weiter: „Der Zuschussbedarf wird sicherlich steigen.“ Ein weiteres Problem: „Eine Fachangestellte hat uns verlassen, hier besteht also dringender Personalbedarf.“ Die Neubesetzung dieser Stelle sei neben einem „möglichst normalen Badebetrieb“ das Liebenburger Nahziel für 2021.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder