Salzgitteraner Krollmann hat Volksbank Kampf angesagt

Salzgitter.  Die Fronten zwischen der Volksbank Brawo und ihrem Ex-Bankdirektor, Steffen Krollmann, sind verhärtet. Vor Gericht ist ein Gütetermin gescheitert.

Steffen Krollmann vor dem „City-Carrée“ in Lebenstedt, desen Verkauf an die Volksbank Brawo er Anfang 2020 als damaliger, Bankdirektor vorstellte.

Steffen Krollmann vor dem „City-Carrée“ in Lebenstedt, desen Verkauf an die Volksbank Brawo er Anfang 2020 als damaliger, Bankdirektor vorstellte.

Foto: Jürgen Stricker

Der umtriebige Ex-Bankdirektor der Volksbank Brawo in Salzgitter, Steffen Krollmann (57), zieht gegen seine früheren Chefs vor Gericht. Weil er die Kündigungsfrist verletzt haben soll, um vorzeitig einen neuen Job bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Hessen anzutreten, besteht das Geldinstitut auf einer Vertragsstrafe von 8000 Euro. Doch Krollmann sieht sich verunglimpft und will nicht zahlen.

Das Arbeitsgericht in Braunschweig bemühte sich am Freitag bei einem Gütetermin vergeblich um einen Vergleich. Am Ende sagte Krollmanns Anwalt der Bank den Kampf an. Nun wird es zu einer öffentlichen Kammerverhandlung kommen, bei der es auch darum gehen dürfte, wie vergiftet am Ende die Chemie gewesen sein soll zwischen Krollmann und Brawo-Vorstandschef Jürgen Brinkmann.

Hausschlüssel im Umschlag

Was der Beklagte Ende Juli tat, war vermutlich eine Vertragsverletzung, aus Sicht des 57-Jährigen aber vor allem Notwehr gegenüber einer Chefetage, die seinen Wünschen gegenüber unnachsichtig blieb. Also trat Krollmann die Flucht nach vorn an, kündigte schriftlich, hinterließ die Hausschlüssel im verschlossenen Kuvert bei seiner Sekretärin und verließ Hals über Kopf ein Haus, dem er als öffentlichkeitswirksame Führungskraft 13 Jahre lang gedient hatte.

Mit dem wohlüberlegten Schritt, zu dem ihm nach eigenen Bekunden sein Anwalt geraten hatte, verstieß er gegen die Kündigungsfrist, die ihn bis Ende 2020 ans Geldinstitut gebunden hätte. Nur zwei Tage später trat er die Stelle als neuer Vorstandsvorsitzender des Kreisverband der Awo in Frankfurt/Main an. Schon zuvor hatte Krollmann in dreimonatiger Interimszeit, für die ihn die Volksbank freigestellt hatte, geholfen, aufzuräumen hinter einem Vorstand, dessen Arbeit von Vorwürfen der Vorteilsnahme überschattet war.

„Vertragliche Unregelmäßigkeiten“

Krollmanns neuer Job wurde am 1. August presseöffentlich gefeiert. Einen Tag später habe die Volksbank ihm mit einer Abmahnung gedroht, sollte er nicht umgehend an seinen Arbeitsplatz zurückkehren, erinnert sich der 57-Jährige. Zwei weitere Tage später ging das Geldinstitut an die Presse, sprach vieldeutig von „vertraglichen Unregelmäßigkeiten“ und kündigte dem Bankdirektor mit sofortiger Wirkung.

Wie emotional verhärtet die Fronten zwischen Chefetage und ehemaliger Führungskraft inzwischen sind, zeigte sich gestern in aufgeheizter Tonlage zwischen Krollmanns Anwalt, der mit seinem Mandat anwesend war, und dem Rechtsbeistand der Bank, der im Beisein des Personalleiters erschien. Zwar hatten beide Seiten Gesprächsbereitschaft vereinbart, doch das Geldinstitut beharrte auf seiner Forderung nach einer Vertragsstrafe für Krollmann in Höhe von 8000 Euro. Das Haus sei Krollmann öfter mit Freistellungen entgegengekommen. „Stattdessen war er fluchtartig weg – der Vorstand war fassungslos“, sagte der Anwalt.

Krollmanns Verteidiger erwiderte, sein Mandat habe um „vernünftige Gespräche“ gebeten, um den Awo-Job annehmen zu können. Stattdessen habe die Brawo versucht, die Reputation des Ex-Bankdirektors „in den Dreck zu ziehen“: „Sie wollte ihn niedermachen“, sagte der Jurist. Krollmann werde sich daher Schadensersatzansprüche vorbehalten, sollte die Bank nicht auf die Vertragsstrafe verzichten. Das ist nicht geschehen. Also wird wohl weiter öffentlich ausgeteilt.

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