Autoflaggen wieder der Renner

16 Tage vor der Europameisterschaft: Fußball-Fans decken sich ein – Neu: Fahne zum Hineinschlüpfen

Versprengter Revolutionär: Che Guevara als Schlüsselanhänger mit schwarz-rot-goldenem Stirnband. 

Versprengter Revolutionär: Che Guevara als Schlüsselanhänger mit schwarz-rot-goldenem Stirnband. 

SALZGITTER. 16 Tage vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft flattern die Flaggen schon wieder im Fahrtwind: Das schwarz-rot-goldene Tuch auf dem Autodach ist einmal mehr der Renner unter den Fanartikeln.

Schauplatz City Lebenstedt: "Autofahne, dicker Stab", steht auf dem Etikett. Ja, etwas aushalten soll sie schon, denn die Fans hoffen, dass die Elf von Trainer Jogi Löw wenigstens ins Endspiel kommt. "Vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft wurden diese Flaggen wie wild gekauft", erinnert sich Derja Cavdar vom Ein-Euro-Shop in der Fußgängerzone. "Es wundert mich schon ein wenig, dass es jetzt schon wieder so gut läuft."

Che Guevara ist dabei

Die Erinnerung an das Sommermärchen von vor zwei Jahren wird in der Grabbelkiste wach gehalten – Buttons mit dem Aufdruck 2006 haben sich unter die neuen Schlüsselanhänger gemogelt. Auch Personen der Zeitgeschichte sind inzwischen in die Mühle der EM-Vermarktung geraten: Che Guevara grüßt mit schwarz-rot-goldenem Stirnband. Welche Botschaft dahinter stecken mag? Ein Kunde wagt einen Erklärungsversuch: "Vielleicht: Wir woll’n euch kämpfen sehen?"

Wie dem auch sei: Kämpfen muss der Fan nicht, denn es ist von allem etwas da und für jeden gesorgt. Hawaii-Ketten gibt es nicht nur in Schwarz-Rot-Gold, sondern auch vielseitig verwendbar koloriert: Rot-Weiß – passend für Polen, Österreicher, Schweizer und Türken. Letztere finden ihre Flaggen in den Auslagen etlicher Geschäfte. Jede Menge Deutschland, reichlich Türkei, etwas Italien: "Wir haben bewusst darauf geachtet, wer sich für die EM qualifiziert", sagt Thomas Bonneik, Inhaber des Geschenkartikel-Geschäfts Wicky. Er präsentiert Neues in Sachen Fan-Garderobe: Die Landesfahne zum Hineinschlüpfen. Kurze Ärmel garantieren freie Hände – zum Grillen, Jubeln oder (wer weiß) – zum Tränen abwischen. Und wie läuft das Geschäft? "Im Moment noch verhalten", sagt Bonneik, "aber es wird anziehen, je näher die EM kommt."

T-Shirts mit Euro-Bezug gehen gerade bei C & A am besten. Wer zu Titelverteidiger Griechenland hält, kann sich mit Mützen in Blau-Weiß eindecken. Neu in punkto Kopfbedeckung: Kroatien ist dabei. Fans, die hoffen, dass Weltmeister Italien wenigstens diesmal baden geht, kann dies durch den Kauf entsprechender Latschen in den Landesfarben der Azurri klar dokumentieren.

Keine Maskottchen

"Panini-Sammelbilder gehen immer": Das war im Elka-Kaufhaus zu hören. Ob Wangenfarben, Brillen oder Perücken in Schwarz-Rot-Gold: Der Fan hat freie Auswahl.

Trix und Flix, die offiziellen Maskottchen der EM mit den Rückennummern 20 und 08, sind in Salzgitter noch nicht gesichtet worden. Auch Detlef Meineke, der Fanartikelshops in Lichtenberg und Grasdorf betreibt, hat darauf verzichtet, die Zwillinge zu ordern. "Die Nachfrage ist nicht da", sagt er – schon Löwe Goleo, das Maskottchen der WM 2006, verfügte nicht über den nötigen Biss. Dafür bietet er schwarz-rot-goldene Bettwäsche an. Darin können die Fans schon einmal träumen – vielleicht vom Finale.

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