Das Taki-Projekt der Braunschweiger Zeitung startet wieder

Braunschweig.  Stefanie Boukricha und Claudia Krebs sprechen im Interview über die Lernbereiche des Taki-Projekts der Braunschweiger Zeitung.

Medienpädagogin Stefanie Boukricha (links) und Taki-Erfinderin Claudia Krebs sprechen über den Umgang mit Zeichen, Schrift und Sprache in der Kita und wie eine Zeitung dabei helfen kann.

Medienpädagogin Stefanie Boukricha (links) und Taki-Erfinderin Claudia Krebs sprechen über den Umgang mit Zeichen, Schrift und Sprache in der Kita und wie eine Zeitung dabei helfen kann.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Für viele Kindertagesstätten in der Region gehört der Löwe „Taki“ bereits zum festen Bestandteil eines Kita-Jahres. Gemeinsam mit ihm entdecken die Kinder die Tageszeitung, lernen erste Buchstaben und Zahlen kennen. Wir haben mit der Medienpädagogin Stefanie Boukricha und der Taki-Erfinderin Claudia Krebs über die Idee hinter dem Projekt gesprochen. Das Interview führte Ida Wittenberg.

Tageszeitungen in der Kita sind ungewöhnlich, schließlich können die Kinder meistens weder lesen noch schreiben. Wie sind Sie auf die Idee für Taki gekommen?

Krebs: Ich bin damals bei der Stadt Wolfsburg als Fachberaterin für Sprachbildung und Sprachförderung angestellt worden und habe mich dort sehr intensiv mit der kindlichen Sprachentwicklung auseinandergesetzt. Ein Themenfeld war dabei auch der Umgang mit Zeichen, Schrift und Sprache. Passenderweise habe ich in der gleichen Zeit von dem Schulprojekt der Zeitung gelesen und dachte, so etwas muss doch auch im Kindergarten möglich sein.

Wie kann man feststellen, ob Kita-Kinder schon ein Gefühl für Sprache und Zeichen haben?

Krebs: Kinder entdecken Sprache, Schrift und Zeichen von ganz alleine – sie sind einfach wissbegierig. Ein auffällig gestalteter Buchstabe ist für Kinder ein markantes Erkennungszeichen. So können sie aus ihrer Erfahrung zuordnen, dass dieser Buchstabe etwa für eine bestimmte Eismarke steht.

Wie lange hat es gedauert, bis das Projekt tatsächlich auf die Beine gestellt wurde?

Krebs: Angefangen hat alles mit einem Arbeitskreis mit mehreren sozialpädagogischen Fachkräften. Gemeinsam haben wir überlegt, was wir mit den Kindern und der Tageszeitung für Möglichkeiten haben. Am Ende hatten wir zwischen 18 und 24 Aktionen und Angebote für Kitas und konnten 2008 ein erstes Pilotprojekt starten.

Wie konnte die Zeitung für das Projekt gewonnen werden?

Krebs: Ich habe damals einfach bei der Zeitung angerufen und das erste Konzept vorgestellt – die Zeitung hatte direkt ein offenes Ohr für meine Idee. Im Pilotprojekt haben sechs Kita-Gruppen mit insgesamt 86 Kindern mitgemacht. Ausschließlich aus Wolfsburg – einfach aus dem Grund, weil unser Fachpersonal, das das Taki-Projekt entwickelt hat, aus Wolfsburg kam.

Boukricha: Ein Pilotprojekt, das uns überzeugte. Schon im darauffolgenden Jahr haben wir Taki auf die gesamte Region ausgeweitet. Seitdem bieten wir es jedes Jahr an – und das wirklich sehr erfolgreich.

Was genau sind die Ziele von Taki?

Boukricha: Wir richten uns bei den Zielen nach dem niedersächsischen Orientierungsplan. Dort gibt es neun verschiedene Themenkreise, die alle in unserem Taki-Material abgebildet sind.

Krebs: Die Erzieher können sich, je nachdem was gerade in der Kita ansteht, die Lernbereiche aussuchen. Zu den Themenkreisen gehören etwa die Bereiche emotionale Entwicklung und soziales Lernen, Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und der Freude am Lernen sowie Körper, Bewegung, Gesundheit und Sprache und Sprechen.

Und dabei beziehen sich alle Übungen auf die Zeitung?

Krebs: Ja genau, es wird nur mit der Zeitung gearbeitet. Das zeichnet das Projekt ja gerade aus.

Boukricha: Das hängt auch damit zusammen, dass wir als ein übergeordnetes Ziel immer die gezielt frühe Förderung von Sprach- und Lesekompetenz definiert hatten. Wir können in Verbindung mit der Zeitung schon in einem sehr frühen Alter das Interesse an Schrift und Sprache bestmöglich wecken.

Wie funktioniert Taki?

Boukricha: Wir starten klassischerweise immer nach den Herbstferien in ein neues Projektjahr. Einfach weil die ersten Wochen im neuen Kita-Jahr meistens für die Eingewöhnung reserviert sind. Wir bieten immer mehrere Zeiträume an – in diesem Jahr zehn. Damit decken wir beinahe das gesamte Kita-Jahr ab. In diesem Jahr haben wir sogar erstmalig einen Zeitraum in den Osterferien – das ist auch für Horte interessant, die Taki in der Schulkindbetreuung einsetzen möchten.

Anmelden kann sich also jede interessierte Kinderbetreuungs-Einrichtung?

Boukricha: Genau, die Einrichtungen können sich das ganze Jahr über anmelden – für den Zeitraum, der ihnen am besten passt. Von uns bekommen sie dann das pädagogische Begleitmaterial zur Verfügung gestellt. Die Fachkräfte erhalten ein Anleitungsbuch mit verschiedenen Übungen und Erklärungen zur Arbeit mit der Zeitung – die Kinder ein eigenes Arbeitsheft. In diesem Heft sind spielerische Aufgaben, etwa zum Ausmalen oder Ausschneiden. Zudem liefern wir drei Wochen lang die Zeitung in die Kita – jedes Kind erhält eine eigene Ausgabe. Das sind die Basisbausteine, die wir zur Verfügung stellen.

Es gibt also noch weitere Bausteine bei Taki?

Boukricha: Richtig. Diese Zusatzbausteine beruhen alle auf freiwilliger Basis. Dazu gehört etwa, dass Redakteure die Kitas besuchen. Sie erzählen entweder etwas aus ihrem Berufsalltag oder lassen sich von den Kindern zeigen, was diese schon alles mit der Zeitung gemacht haben. Die Einrichtungen können sich außerdem mit Steckbriefen in der Zeitung vorstellen und die etwas älteren Kinder können sogar auf eine eigene kleine Recherche gehen. Sie erproben sich damit als Mini-Reporter und nutzen auch den Taki-Reporter-Ausweis – den sie sich selbst aus der Vorlage im Taki-Heft basteln können.

Gibt es Anknüpfungspunkte an die Schul- und Azubi-Projekte der Braunschweiger Zeitung?

Boukricha: Das können wir natürlich gar nicht so genau überprüfen. Aber aus unserer langjährigen Betreuung wissen wir, dass manche Kinder tatsächlich bei mehreren Projekten mitgemacht haben. Ich habe beispielsweise mal einen sehr jungen Azubi in unserem Auszubildenden-Projekt kennengelernt, der zuvor schon bei unserem Schulprojekt mitgemacht hat. Zudem wusste er von seinem Geschwisterkind, dass dieses bei Taki mitgemacht hat. Aber diese Verbindungen können wir natürlich nicht statistisch erfassen.

Krebs: Eines ist klar: Projekterfolge sind immer auf engagierte Erzieher und Lehrer zurückzuführen, die dann auch wirklich Lust haben, mal etwas anderes auszuprobieren und in ihren Alltag einzubauen.

Was genau können die Kinder mit der Zeitung machen?

Boukricha: Das hängt tatsächlich immer vom Alter ab. Vor zwei Jahren haben wir das gesamte Programm überarbeitet und es in Altersgruppen unterteilt. Es gibt spezielle Übungen für Kinder bis fünf Jahre – darin enthalten sind auch viele Übungsanregungen für die Arbeit mit Krippenkindern – und für die älteren Kinder ab fünf Jahren.

Krebs: Wir haben einfach gemerkt, dass die Spanne von null bis sechs Jahren viel zu groß ist. Die Entwicklungen, die in dieser Zeit bei den Kindern passieren, sind einfach zu groß, um sie alle mit einem Materialband abzudecken.

Haben Sie Beispiele für konkrete Übungen?

Boukricha: Bei den Krippenkindern ist es so, dass sie viel über ihre Sinne wahrnehmen. Die Kinder erfühlen und hören, was eine Zeitung überhaupt ist. Eines der beliebtesten Spiele ist dabei ein Bad in Schnipseln aus Zeitungspapier.

Krebs: Und die älteren Kinder können sich wirklich schon Wissen aneignen. Erzieher etwa lesen den Kindern etwas aus der Zeitung vor. So erfahren sie, was gerade in ihrem Dorf oder ihrer Stadt passiert. Aber auch einfache Zähl-Aufgaben sind ab einem gewissen Alter möglich.

Welche Eindrücke haben sie aus den Besuchen in den Kitas mitgenommen?

Krebs: Für mich war es immer toll zu sehen, wie interessiert die Kinder sein können, wenn sie sich mit der Zeitung auseinandersetzen. Und ich habe die Erzieher und pädagogischen Fachkräfte immer als sehr dankbar empfunden. Durch Taki haben sie ein Projekt an die Hand bekommen, das gut durchdacht ist – es gibt nicht nur das Begleitmaterial, sondern auch Ansprechpartner, die dahinter stehen. Das führt dazu, dass die Erzieher sich bei Taki einfach gut aufgehoben fühlen.

Boukricha: Mir ist immer als erstes aufgefallen, wie aufgeregt die Kinder sind, sobald das Taki-Projekt losgeht. Die Kinder haben einfach unglaublich viel Spaß mit der Zeitung und freuen sich jeden Tag auf eine neue Entdeckungsreise. Der Themenkreis Körper, Bewegung und Gesundheit ist dabei auch ein sehr wichtiger Bereich und wird von den Kindern mit sehr viel Freude angenommen. Spaß steht immer im Vordergrund und das soll es auch – denn Kita ist der Ort, an dem Lernen spielerisch angegangen wird und das kann das Taki-Projekt in jedem Fall optimal unterstützen.

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