Eine Schülerin hinterfragt Wikipedia

Braunschweig  Sonja Braband aus Braunschweig belegt bei „Jugend forscht“ in der Kategorie Arbeitswelt den ersten Platz im Regionalwettbewerb.

Monatelang hat sich Sonja Braband mit Wikipedia auseinandergesetzt und die Glaubwürdigkeit erforscht. Sie sagt: „Wikipedia ist keine glaubwürdige Quelle“.Foto: Alina Brückner

Monatelang hat sich Sonja Braband mit Wikipedia auseinandergesetzt und die Glaubwürdigkeit erforscht. Sie sagt: „Wikipedia ist keine glaubwürdige Quelle“.Foto: Alina Brückner

Was sie später einmal machen möchte, das weiß Sonja Braband noch nicht so genau. „Es ist reizvoll, neue Dinge herauszufinden und Sachen zu entdecken. Vielleicht studiere ich etwas Naturwissenschaftliches“, überlegt die 17-Jährige. „Nur nichts, wo man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt“, sagt die Schülerin schmunzelnd.

Und das, obwohl ihre Forschungsarbeit zum Thema „Experimentelle Untersuchungen zur Glaubwürdigkeit des Arbeitsmittels Wikipedia“ genau dort entstanden ist – am Schreibtisch und am Computer. Statistiken, tabellarische Auswertungen, Artikel-Auswertungen, Diagramme, all das hat sie größtenteils zu Hause in ihrer Freizeit erarbeitet, um mit der Arbeit an dem Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ teilzunehmen.

Ein monatelanger Prozess, wie Sonja verrät: „Ich glaube, ich hab letztes Jahr im Mai angefangen. Meine letzte Untersuchung habe ich dann im Dezember durchgeführt.“ Schließlich rückte da auch der Abgabetermin für die Arbeit immer näher. Am 15. Januar musste ihr Experiment eingereicht werden. Für die Schülerin des Gymnasiums Neue Oberschule in Braunschweig ist die termingerechte Abgabe mittlerweile schon fast zur Routine geworden. „Es ist jetzt bereits das sechste Mal, dass ich bei dem Wettbewerb dabei bin“, erzählt die junge Forscherin.

Jugend forscht: Sonja Braband gewinnt in der Kategorie "Arbeitswelt"

Die 17-jährige Sonja Braband aus Braunschweig hat beim Regionalwettbewerb von "Jugend forscht" den 1. Platz in der Kategorie "Arbeitswelt" belegt. Im Video erklärt sie ihre Untersuchung zu Wikipedia. Video: Alina Brückner
Jugend forscht: Sonja Braband gewinnt in der Kategorie "Arbeitswelt"

Doch in diesem Jahr sind gleich zwei Dinge anders: Während sie sonst immer mit mindestens einem ihrer beiden Brüder angetreten ist, hat sie sich dieses Mal alleine an ein Experiment gewagt. Und sie hat zum ersten Mal im Bereich Arbeitswelt geforscht. „Sonst haben wir immer etwas mit Mathe oder Physik gemacht“, erinnert sich Sonja.

Wie kommt es, dass sie das Fachgebiet gewechselt hat? „Ich hab früher viel auf Wikipedia nachgelesen und es bei Mitschülern in Referaten oft als Quelle gesehen. Da hab ich mich gefragt, wie glaubwürdig und vertrauensvoll es ist, schließlich kann dort jeder etwas verändern und veröffentlichen“, erklärt die 17-Jährige.

Für ihre Untersuchung hat sie sich drei Forschungsfragen gestellt: Inwiefern hält Wikipedia eigene Relevanzkriterien ein – zum Beispiel, ob das Thema zeitüberdauernd von Bedeutung ist? Wie gut sind die Artikel belegt? Wie gut werden sie überprüft?

Um zu einem Ergebnis zu kommen, hat Sonja zwei Ansätze gewählt. Zum einen hat sie insgesamt 13 Artikel selbst verfasst beziehungsweise bearbeitet und dort Fehler eingebaut. „Ich wollte sehen, ob jemand den Fehler bemerkt und wie schnell“, erklärt sie. Ihr Ergebnis: Von insgesamt 25 Fehlern wurden zwei im Zeitraum des Experiments entdeckt, einer danach. „Das hat mich wirklich erstaunt“, sagt die Schülerin nachdenklich und zieht ein erstes Fazit: „Wikipedia ist keine glaubwürdige Quelle.“

Zum anderen hat sie 100 willkürlich ausgewählte Artikel anhand der Relevanzkriterien von Wikipedia untersucht und Vergleiche zum Brockhaus angestellt. „Für Wikipedia sind viel mehr Themen relevant“, erklärt die Schülerin. „Zum Beispiel Schulen. Im Brockhaus steht keine davon.“ All ihre ausgewerteten Daten hat sie in Tabellen und Statistiken dokumentiert. Es hat sich also auch ein bisschen Mathematik in dieses Fachgebiet eingeschlichen. Sonja lacht: „Ja, der wissenschaftliche Ansatz hat sich gut dafür geeignet.“

Manchmal allerdings braucht auch Sonja eine Pause von der Wissenschaft. Dann zieht es sie in die Kletterhalle. „Sport und Bewegung sind einfach ein toller Ausgleich“, findet die 17-Jährige. Mindestens einmal die Woche ist sie dort an der Kletterwand. Ein weiterer Rückzugsort für sie ist die Musik. Sie spielt Klavier, nimmt klassischen Gesangsunterricht und singt im Chor. Wie bekommt sie das alles unter einen Hut? „Wenn es Spaß macht, dann macht man es gern und dann ist es auch nicht so stressig“, sagt sie.

Ob sie auch im kommenden Jahr wieder an „Jugend forscht“ teilnehmen wird, weiß sie noch nicht. Schließlich steht dann auch das Abitur an – und bis dahin hat sie noch einiges zu tun: Denn Sonja hat den ersten Preis im Fachgebiet Arbeitswelt belegt und ist ab Montag in Clausthal beim Landeswettbewerb dabei. „Ich hab das nicht erwartet und war überrascht. Aber jetzt freue ich mich, weil die Atmosphäre einfach so toll ist und man viele Leute wieder trifft.“