Dreyer fordert „Stufensystem“ für Öffnung der Gastronomie

Berlin.  Niedersachsen will Restaurants öffnen, NRW die Pflegeheime. Die Bundesländer liefern sich einen Wettlauf bei den Corona-Lockerungen.

Strikte Kontaktsperren wegen Corona-Pandemie bröckeln

Die wegen der Corona-Pandemie bislang in Deutschland geltenden strikten Kontaktsperren bröckeln. Entgegen den Vereinbarungen von Bund und Ländern vom Donnerstag dürfen sich in Sachsen-Anhalt ab Montag wieder fünf Menschen außerhalb des eigenen Hausstands treffen. Auch das Saarland weicht teilweise von der Bundeslinie ab.

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Kurz vor den neuerlichen Beratungen zwischen Bund und Ländern über weitere Rücknahmen der Pandemie-Auflagen wächst die Zahl der Bundesländer, die im Alleingang weitreichende Lockerungen vornehmen.

Niedersachsen legte am Montag einen Stufenplan vor. Demnach darf etwa der Gastronomiebetrieb ab nächster Woche (11. Mai) unter Einschränkungen wieder anlaufen. Der Notbetrieb in den Kitas soll auf 40 Prozent ausgeweitet werden.

Nordrhein-Westfalen will Besuche in Pflegeheimen unter strengen Auflagen wieder zulassen und droht zugleich mit einem Alleingang bei der Kita-Öffnung, sollte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch mit den Ministerpräsidenten der Länder keinen einheitlichen Kurs finden.

Zuvor hatte Sachsen-Anhalt erklärt, die Kontaktbeschränkungen zu lockern. Dort dürfen sich Bürger wieder in Gruppen von fünf Personen treffen, die nicht in einem Haushalt leben.

Corona-Lockerungen: Gemeinsames Vorgehen, aber „regionale Nuancen“

Ungeachtet der Alleingänge der Länder strebt die Bundesregierung weiterhin ein gemeinsames Vorgehen in der Corona-Politik an. Bei der Lockerung der Auflagen könne es „natürlich regionale und lokale Nuancen“ geben, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Das Wichtige sei, dass Bund und Länder eine „gemeinsame Strategie“ verfolgten.

Bei den gemeinsamen Beratungen gehe es um Beschlüsse für Schule, Kitas und Sport. Der Gastronomie solle eine Perspektive aufgezeigt werden, sagte Seibert.

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), sagte unserer Redaktion, ihr sei wichtig, „dass wir den Gastronomen klar sagen, womit sie rechnen können, wenn das Infektionsgeschehen weiterhin niedrig bleibt“. Notwendig sei ein Stufensystem mit nachvollziehbaren „Wenn-Dann-Regeln“: Wenn die Fallzahlen klein blieben, dann sei bei Einhaltung des Hygienekonzepts eine schnelle Wiedereröffnung von Gaststätten möglich. Zudem sei es notwendig, „zu einem Schul- und Kitakonzept mit klarem Zeitplan zu kommen“, betonte Dreyer.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kritisierte derweil das Vorpreschen einzelner Bundesländer. Er sei ein „bisschen unglücklich“ darüber, dass manche jetzt schon über das hinausgingen, was Bund und Länder vergangene Woche vereinbart hätten.

Biergärten, Hotels, Einzelhandel: Niedersachsen plant die Wiedereröffnung

Niedersachsen plant, dass Restaurants, Gaststätten, Cafés und Biergärten ab kommendem Montag mit einer maximalen Auslastung von 50 Prozent sowohl im Innen- als auch im Außenbereich öffnen können. Bars, Kneipen und Diskotheken sollen bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

Ebenfalls vom 11. Mai an sollen Ferienhäuser und -wohnungen mit einer maximalen Auslastung von 50 Prozent vermietet werden können. Hotels, Pensionen und Jugendherbergen dürfen mit einer maximalen Auslastung von 50 Prozent und weiteren Auflagen am 25. Mai wieder öffnen.

Auch die Schulen sollen ab dann für weitere Klassen öffnen. Die soll bereits vom kommenden Montag an auf eine Quote von 40 Prozent ausgeweitet werden. Tageseltern, also die Kindertagespflege, sollen von dann an in den regulären Betrieb zurückkehren.

Zudem darf der Einzelhandel ab Anfang nächster Woche ohne Beschränkung der Verkaufsflächen wieder öffnen. Maskenpflicht und Abstandsauflagen gelten jedoch weiterhin.

Pandemie: Deutsche Wissenschaftler werden am häufigsten zitiert

In der Pandemie zeigt eine Studie, dass die Arbeit deutscher Wissenschaftler zum Thema Coronavirus große internationale Aufmerksamkeit erfährt. Die Veröffentlichungen hiesiger Institute und Universitäten werden laut einer Erhebung weltweit am meisten zitiert. Das ergibt eine Untersuchung des deutschen Instituts für Wirtschaft (IW), die unserer Redaktion vorliegt.

Danach haben US-Forscher zwar am meisten zum Thema Coronavirus veröffentlicht, jedoch fänden Veröffentlichungen deutscher Forschungseinrichtungen am häufigsten Erwähnung. Die Studie untersuchte mithilfe von bibliometrischen Daten von Europe PubMed Central die Entwicklungen zum Thema „Coronavirus“, „Covid-19“ und „Sars-CoV-2“ in den Wissenschaften im Zeitraum vom 1. Dezember 2019 bis 25. April 2020. Neben der Anzahl an Publikationen wurde auch deren Qualität gewichtet. (ape/gau/mün/dpa)

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