An britischer Grenze droht Wartezeit von bis zu zwei Tagen

London/Kent.  Schlangen von bis zu 6500 Lkw, erhebliche Verzögerungen im Flugverkehr: Großbritannien droht nach dem Brexit Chaos an den Grenzen.

Scholz fordert von London Einhaltung des Brexit-Abkommens

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat Großbritannien aufgefordert, von den geplanten Änderungen an dem mit der EU geschlossenen Brexit-Abkommen abzusehen. "Verträge müssen befolgt werden", sagte er in Berlin.

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Die britischen Behörden rechnen einem Regierungsdokument zufolge offenbar mit erheblichen Störungen des Grenzverkehrs nach dem Vollzug des Brexit. Wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht, über das der „Guardian“ berichtet, erwarte die Regierung nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase im Januar Schlangen von bis zu 6500 Lastwagen in der Grenzregion Kent – und bereits im Februar Wartezeiten zum Überqueren der Grenze von bis zu zwei Tagen.

„Die Behinderungen könnten in den ersten Januartagen schwächer ausfallen, aber wir erwarten, dass sie sich in den ersten zwei Wochen verschlimmern, wenn der Bedarf höher wird“, zitiert der „Guardian“. Die nach den Weihnachtsfeiertagen zu ihren Jobs zurückkehrenden Menschen würden den Druck auf die Grenzen noch erhöhen.

Das Papier skizziert ein „Worst-Case-Szenario“. Die Autoren betonen auch, dass die Staus und Verzögerungen selbst dann entstehen könnten, wenn Großbritannien es noch schafft, einen Handelspakt mit der EU auszuhandeln.

Brexit - Londons Scheidungsvertrag mit der EU
Brexit - Londons Scheidungsvertrag mit der EU

Großbritannien: No-Deal-Brexit würde Zug-und Flugverkehr erheblich stören

Derzeit stocken die Verhandlungen. Gibt es keine Einigung, droht zum Jahreswechsel der harte Bruch mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Doch selbst wenn noch ein Vertrag zustande käme, wäre Großbritannien ab 2021 nicht mehr Teil des europäischen Binnenmarktes, so dass einige Kontrollen in jedem Fall notwendig würden.

Um das befürchtete Chaos zu minimieren, schlagen die Experten dem Papier zufolge vor, Service-Stationen an Autobahnen innerhalb des Landes zu errichten. Dort soll Lkw-Fahrern dabei geholfen werden, rechtzeitig vor der Grenze die notwendigen Dokumente vorzubereiten. Ziel soll es darüber hinaus sein, ein Software-basiertes System aufzubauen, mit dem ein flüssiger Warenverkehr gewährleistet werden soll.

Allerdings steht dafür noch viel Arbeit an, wie aus dem Papier hervorgeht: 26 Regierungsbehörden mit 100 IT-Systemen sollen beteiligt sein. Ein wichtiges Online-Ampelsystem soll zudem erst ab Ende November getestet werden.

Auch Passagiere der Eurostar-Züge durch den Eurotunnel und an Flughäfen könnten laut des Papiers „erhebliche Behinderungen“ erdulden müssen. Bei einem No-Deal-Brexit wäre es britischen Staatsangehörigen nicht erlaubt, die zeitsparenden elektronischen Passkontrollen zu nutzen. Das würde die Schlangen der Reisenden erheblich verlängern.

(mbr/dpa)

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