Ministerfrage

Minister-Verteilung der Ampel: Alle Posten im Überblick

| Lesedauer: 5 Minuten
Scholz kündigt Ampel-Koalition "auf Augenhöhe" an

Scholz kündigt Ampel-Koalition auf Augenhöhe an

Der voraussichtlich künftige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat nach Abschluss der Verhandlungen mit Grünen und FDP eine "Koalition auf Augenhöhe" angekündigt. Es gehe um "eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts", um "das Land besser zu machen", sagte er in Berlin.

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Der Koalitionsvertrag steht, doch die Ministerfrage ist noch nicht ganz geklärt. Was über die möglichen Posten bereits bekannt ist.

  • Wer bekommt welches Ministerium in der neuen Ampel-Regierung?
  • Welche Posten werden neu geschaffen?
  • Hier finden Sie einen Überblick über alle möglichen neuen Ministerinnen und Minister

Zwei Monate nach der Bundestagswahl haben SPD, Grüne und FDP ihre Koalitionsverhandlungen abgeschlossen und damit den Grundstein für die erste Ampel-Bundesregierung gelegt.

„Die Ampel steht“, sagte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz am Mittwoch in Berlin. Was über das neue Kabinett bereits bekannt ist:

Ampel-Posten in der Übersicht: SPD stellt neuen Gesundheitsminister

Die SPD wurde stärkste Kraft bei der Bundestagswahl. Das spiegelt sich auch im geplanten Ampel-Kabinett wider. Unter einem SPD-Kanzler Olaf Scholz erhält die Partei gemäß der Einigung mit Grünen und FDP sechs Ministerien sowie den Posten des Kanzleramtschefs und damit die meisten Posten unter den Ampel-Partnern.

Demnach erhält die SPD in einer Ampel die Ressorts

  • Arbeit und Soziales,
  • Gesundheit,
  • Inneres,
  • Verteidigung,
  • Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie die
  • Leitung des Kanzleramts mit einer Ministerin oder einem Minister für besondere Aufgaben.
  • Zudem soll es ein neues, SPD-geführtes Bau- und Wohnministerium geben.

Zuletzt lag der Bereich Bauen in der Zuständigkeit des Innenministeriums.

Beim Personal will sich die SPD erst Anfang Dezember zum geplanten Sonderparteitag am 4. Dezember festlegen. Dort soll der Koalitionsvertrag beschlossen werden. Scholz hatte angekündigt, sein Kabinett je zur Hälfte mit Frauen und Männern zu besetzen.

Einige Personalien stehen aber offenbar schon fest. So dürfte Hubertus Heil sein bisheriges Amt als Bundesarbeitsminister in einer Ampel-Regierung fortführen. Als Innenministerin gilt Christine Lambrecht als gesetzt. Sie ist bislang Bundesjustizministerin.

Chef des Kanzleramts wird wohl der langjährige Scholz-Vertraute Wolfgang Schmidt, zuletzt Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

Besonders spannend dürfte gerade in Corona-Zeiten die Besetzung des Gesundheitsministeriums werden. Jemand mit großer Fachkenntnis wäre hier Karl Lauterbach. Es gibt jedoch auch Spekulationen, dass jemand anders zum Zuge kommt, etwa Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping.

Grüne Ministerien: Habeck bekommt Super-Ministerium

Die Grünen werden fünf Ministerien führen. Die Parteispitzen Annalena Baerbock und Robert Habeck sollen wie erwartet beide Teil des neuen Kabinetts sein – Annalena Baerbock als Außenministerin, Robert Habeck als Vizekanzler und Chef des Ministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Eigentlich hatte Habeck auf den Posten des Finanzministers gehofft, doch den mussten die Verhandler und Verhandlerinnen Christian Lindner und seiner FDP überlassen.

Doch auch mit dem Wirtschafts- und Klimaressort, das die Energie- und Industriepolitik steuert, sitzt Habeck an einer entscheidenden Schnittstelle für das zentrale Projekt der Grünen: Deutschland bis 2045 klimaneutral machen.

Mit dem Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft und dem Umweltministerium hat sich die Partei auch zwei weitere Ressorts gesichert, die dafür wichtig sind. Wermutstropfen: Das Verkehrsministerium – wo es in den kommenden Jahren dicke klimapolitische Bretter zu bohren gibt – ist in der Verantwortung der FDP. Eigentlich war Grünen-Politiker Anton Hofreiter als möglicher Verkehrsminister gehandelt worden, jetzt könnte er stattdessen Nachfolger von Julia Klöckner im Landwirtschaftsressort werden.

Als Umweltministerin käme Steffi Lemke infrage. Die finale Liste der grünen Ministerinnen und Minister soll aber erst am Donnerstag veröffentlicht werden, wenn die Partei ihre Online-Urabstimmung über den Vertrag beginnt.

Und auch das Familienministerium wird in Zukunft in grüner Hand sein – als Kandidatin für die Leitung gilt die grüne Sozialpolitikerin Katrin Göring-Eckardt. Sie hatte schon in den Sondierungsgesprächen Druck gemacht für eine Kindergrundsicherung.

Ampel-Minister der FDP im Überblick: Lindner wird Finanzminister

Vier Ministerien bekommt die FDP in der neuen Regierung:

  • Finanzen,
  • Justiz,
  • Bildung und ein neu geschaffenes Ministerium für
  • Verkehr und Digitales.

Die Freien Demokraten können damit ihre Kernthemen aus dem Wahlkampf besetzen – die liberale Steuerpolitik, die digitale Modernisierung des Landes, die Durchsetzung von Bürgerrechten und mehr bundesstaatliches Engagement in der Bildungspolitik. Anders als SPD und Grüne legten sich die Liberalen bereits am Mittwoch auch schon bei den Namen fest.

Lindner: Scholz wird ein "starker Bundeskanzler" sein
Lindner: Scholz wird ein "starker Bundeskanzler" sein

Parteichef Christian Lindner wird Finanzminister, es ist sein Traumjob und zudem das zweitmächtigste Amt in der neuen Regierung. Lindner hat sich damit gegen die Grünen durchgesetzt, die ebenfalls lange Zeit auf den Posten des Chefhaushälters spekuliert hatten.

Marco Buschmann zukünftiger Justizminister

Generalsekretär Volker Wissing wird neuer Minister für Verkehr und Digitales. Wissing genießt als Chefunterhändler des Koalitionsvertrags nicht nur Lindners uneingeschränktes Vertrauen – der Rechtsanwalt aus Rheinland-Pfalz hat bereits Regierungserfahrung als Landesminister und gilt als politischer Brückenbauer.

Dass Marco Buschmann, Lindners langjähriger Wegbegleiter und enger Vertrauter, ein Spitzenamt bekommen würde, stand lange fest. Nun wird es das Lieblingsressort des Gelsenkircheners: Der Jurist, bislang Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion, soll Justizminister werden.

Das Bildungsressort dagegen geht an eine Frau: Die hessische FDP-Landeschefin Bettina Stark-Watzinger ist bislang nicht als ausgewiesene Bildungsexpertin aufgefallen – das war allerdings auch bei ihrer Vorgängerin nicht so.

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