Ich wurde wochenlang gemobbt – womit hatte ich das verdient?

Berlin.  Cybermobbing kommt unter Schülern immer häufiger vor. Wie schlimm es wirklich ist, gemobbt zu werden, hat unsere Autorin selbst erlebt.

Cybermobbing: Opferzahlen steigen an

Cybermobbing ist für viele junge Menschen schon Alltag geworden. Die Zahlen der Opfer werden immer höher. Die Corona-Pandemie könnte dabei auch ein großer Verstärkungsfaktor sein.

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Die Strafe hieß Anti-Diana-Fanclub. Was hatte ich dafür getan? Ich hatte mit 16 Jahren einen Nachmittag mit einem Jungen verbracht und wir hatten uns auch geküsst. Es bedeutete nicht viel. Es war nur schön, leicht, unbedacht. Der Junge war der Schwarm meiner Freundin. Das wusste ich nicht. Ihre Rache dauerte nicht einen Nachmittag. Sie dauerte Wochen.

Sie gründete besagten Club, sechs Mädchen traten ein, sie fragten sogar in anderen Klassen, ob nicht noch mehr Schülerinnen und Schüler mitmachen wollten. Sie druckten Visitenkarten für meinen persönlichen Anti-Fanclub und verteilten sie. Das Kichern auf dem Schulhof hinter meinem Rücken hallt bis heute nach. Sogar mein späterer Freund kannte die Visitenkarte.

Cybermobbing ist eine Form des Mobbings, die immer häufiger passiert

Mit einem der Mädchen bin ich bis heute befreundet. Immer noch frage ich mich manchmal, was das eigentlich war, damals. Und bis heute werde ich die Frage nicht los: Hatte ich all das verdient?

Heute erlebt jedes dritte Kind in Deutschland Mobbing . Eine besondere Form des Mobbings ist das Cybermobbing . Immer mehr Schüler bekommen die Erniedrigung, den Ärger, die Verletzung online zu spüren. Schon jeder Sechste ist davon betroffen.

Gemischte Gefühle löst daher der größte Wunsch meiner neunjährigen Tochter zu Weihnachten aus. Und damit unterscheidet sie sich nicht sehr von anderen Kindern in ihrem Alter. Die Rede ist vom Smartphone .

Cybermobbing ist permanente psychische Gewalt

Ist das Handy mit Internetzugang erst einmal in das bisher analoge Kinderzimmer eingezogen, ist kaum zu kontrollieren, was das Kind im Netz tut. Vielleicht sogar, ob es Böses damit anstellt. Was es auf WhatsApp , TikTok und Instagram schreibt. Und dass die lieben Kinder viel Böses mit dem Smartphone oder dem Computer tun, das zeigt auf sehr erschreckende Weise die neue Cybermobbing-Studie der Techniker Krankenkasse und des Bündnisses gegen Cybermobbing . Lesen Sie auch: Cybermobbing unter Schülern: Mehr psychische Gewalt wegen Corona

Darin enthalten sind viele beunruhigende Fakten. Kinder schicken peinliche Fotos von anderen Kindern herum, Jugendliche versenden Nacktbilder, in Chats wird beleidigt, bloßgestellt, bedroht und ausgeschlossen. Denn nicht dabei sein zu dürfen, ist für Schüler inzwischen fast genauso schlimm wie dabei zu sein und verletzt zu werden. Gerade während der Corona-Pandemie, wo sich fast alle Aktivitäten und Kontakte ins Netz verlagert haben. Cybermobbing ist permanente psychische Gewalt.

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Die Mobbingopfer werden immer jünger

Während man früher, in der Zeit ohne Internet, noch die Haustür schließen konnte und dort sicher war vor seinen gleichaltrigen Peinigern, gilt das heute nicht mehr. Der Zugang zum Internet kann Leiden ohne Ende bedeuten. Jeden Tag, ganze 24 Stunden lang.

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Da die Kinder mit eigenem Smartphone immer jünger werden, gehören schon Grundschüler zu Opfern und Tätern. Also sollten sich alle Eltern, die vorhaben, das erste Smartphone zum Fest zu verschenken, noch einmal überlegen, ob das Kind schon so weit ist. Denn das eigene Kind kann nicht nur Täter werden und vielleicht ungeschoren davonkommen – es kann auch Opfer werden und dann ein Leben lang an den Folgen leiden.

Schlimme Folgen des Mobbings: Alkohol, Tabletten, Selbstmord

Weitere Fakten der Studie: Wegen Cybermobbing greifen immer mehr Schüler zu Alkohol und Tabletten, einige denken sogar darüber nach, sich das Leben zu nehmen.

Mit einem Smartphone erhalten Kinder und Jugendliche Verantwortung und Macht zugleich. Die Erziehungsberechtigten müssen aufklären und sich als Gesprächspartner anbieten. Die vielen Cybermobbingfälle müssen aber auch für die Politik ein zwingender Anlass sein, ein modernes Anti-Mobbing-Gesetz zu erlassen. Cybermobbing ist keine Bagatelle, kein harmloser Streit unter Kindern. Cybermobbing ist todernst.

Cybermobbing: Hilfe für betroffene Kinder und Jugendliche

Auf der Internetseite www.juuuport.de können Kinder und Jugendliche Unterstützung und Rat finden, wenn sie Cybermobbing, Datenklau, Online-Abzocke, Sexting, Ärger in sozialen Medien und Whats­app-Stress erleben. Die Online-Beratung wird von jungen Leuten für junge Menschen betrieben, man kann ihnen direkt auf der Seite oder auf Whatsapp schreiben.

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