Corona-Pandemie und Grippe-Saison: Impfe sich, wer kann

Berlin.  Das Coronavirus ist kombiniert mit einer Grippe gefährlich. Ärzte mahnen zur Impfung. Schon melden sich die Gegner. Wie egoistisch!

Coronavirus und Grippe im Vergleich

Coronavirus und Grippe im Vergleich: So unterscheiden sich die beiden Viruskrankheiten.

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Meine Tochter war im Frühsommer 2013 etwa 14 Monate alt. Ihr Impftermin gegen Masern stand an, wir gingen zum Arzt, mutig hielt sie dem Arzt ihr Beinchen entgegen, der pikste beherzt zu. Sie weinte ein wenig, ich umarmte sie, dann war es schon wieder gut. Dachte ich.

Aber am nächsten Tag bekam sie Fieber, sie war schlapp. Wir stellten sie wieder beim Kinderarzt vor. Ungläubig hörten wir die Diagnose: Sie hatte Masern. Sie musste sich bereits vor der Impfung angesteckt haben. In Deutschland, vor allem in Berlin, war eine Masernwelle ausgebrochen. Rückblickend gab es 2013 1774 Masernerkrankungen in Deutschland, zehnmal so viel wie im Jahr davor.

Zwei Wochen lang war sie krank. In der schlimmsten Nacht kletterte das Fieber auf 41 Grad. Jeder, der schon mal ein ernsthaft krankes Kind in seinen Armen gehalten hat, weiß, dass es nicht viel Schlimmeres gibt. Später stellte sich heraus: Meine Tochter hatte sich bei den Nachbarskindern angesteckt, die hatten ebenfalls Masern, was uns die Eltern, beide Impfgegner, aber nicht mitgeteilt hatten.

Corona-Pandemie und Grippe-Saison auf einmal: Impfen hilft allen

In diesem Jahr wütet die Corona-Pandemie. Dass jetzt die Diskussion darüber entbrennt, ob man seine Kinder gegen Grippeviren impfen soll oder nicht, ist irrsinnig. Ein Impfgegner-Argument ist, dass Masern, Röteln und die Grippe natürliche Krankheiten seien, die das Kind, wenn es sie durchsteht, stärken. Warum sollen Kinder diese schweren Krankheiten heute noch durchstehen müssen, wenn sie auch dagegen immun sein könnten? Zudem kann eine Masernerkrankung tatsächlich schwere Spätfolgen haben. Ein anderes Argument sind Nebenwirkungen und Erkrankungen, die durch Impfungen hervorgerufen würden. Hier klären Kinderärzte gern auf, Studien belegen, dass das Risiko eines Impfschadens extrem gering ist.

Bei dieser Entscheidung „Impfen ja oder nein“ geht es nicht um das Wohl des Einzelnen, es geht um die Gesundheit einer Gesellschaft. Kinder stecken andere Kinder an, die ihre Eltern, Erzieher und Lehrer. Verbreitet sich die Grippe, kann sie für Vorerkrankte und Ältere fatale Folgen haben. Die starke Grippewelle 2017/18 hat nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts 25.100 Menschen das Leben gekostet. So hat sich die Grippewelle in diesem Jahr bisher entwickelt.

Gesundheitsrisiko: Erst die Grippe-Infektion und dann noch das Corona-Virus

2020 ist das Jahr der Corona-Pandemie, bis zum Mittwochnachmittag wurden in Deutschland 9320 Todesfälle gezählt. Erkrankt jemand an der Grippe und steckt sich dann noch mit dem neuen Coronavirus an, potenziert sich das Gesundheitsrisiko. Zudem erschwert das gleichzeitige Auftreten von Grippe- und Coronavirus bei einem Menschen Dia­gnose und Behandlung.

Für Kita- und Schulkinder schreibt das Masernschutzgesetz seit dem 1. März 2020 vor, dass sie ab dem 1. Lebensjahr die Impfungen vorweisen müssen. In diesem Jahr müsste es die Pflicht eigentlich auch für die Influenza-Impfung geben. Gerade Kinder übertragen das Influenzavirus, mahnen Infektionsexperten. Jeder, der sich gegen die Grippe impfen lassen kann, sollte es tun.

Und wenn einen das Gesetz nicht verpflichtet, dann der gesunde Menschenverstand. Denn Ärzte warnen davor, dass ein erhöhter Krankenstand das Gesundheitssystem ins Wanken bringen kann. Mit 25 Millionen Impfdosen hat sich Deutschland zwar besser auf die Grippesaison vorbereitet als in früheren Jahren. Doch Umfragen zeigen, dass jeder zweite Deutsche plant, sich in diesem Jahr impfen zu lassen. Dann gäbe es zu wenig Impfstoff.

Der Herbst naht und damit die Grippe-Saison. Es ist im Moment einfach nicht die Zeit für egoistische Impfgegner-Ideologien. In diesen Zeiten ist Rücksichtnahme die höchste Bürgerpflicht.

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