Merkel in Bayern: Ein königlicher Tag für Markus Söder

Herrenchiemsee.  Kanzlerin Angela Merkel folgt der Einladung des CSU-Chefs nach Herrenchiemsee – ein starkes Signal in der Frage der Kanzlerkandidatur.

Zu Besuch bei Söder: Merkel weicht der K-Frage aus

Mit Schiff- und Kutschfahrt empfängt Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Schloss Herrenchiemsee. Der symbolkräftige Besuch soll laut Merkel kein Hinweis für ihre Präferenz in der Kanzler-Frage andeuten.

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Die Kanzlerin lächelt zu CSU-Chef Markus Söder hinüber, der neben ihr steht. Leicht verschmitzt, möchte man als Beobachter meinen. Gerade hat Angela Merkel am Dienstag auf der Herreninsel im bayerischen Chiemsee die Frage nach der Kanzlerkandidatur der Union beantwortet – ausweichend: Mit der Aussage, dass sie nicht mehr zur nächsten Wahl antreten werde, habe sie sich eine besondere Zurückhaltung bei der Frage auferlegt, wer ihr Nachfolger werde.

„Deshalb werde ich dazu in keiner Weise und in keinem Umfeld etwas kommentieren“, so die CDU-Politikerin. Sie könne nur sagen: „Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten, und der hat mich heute eingeladen. Mehr können Sie da von mir nicht hören.“

Merkel bei Söder: Der K-Frage verweigert sich die Regierungschefin

Zuvor hatte es bereits Lacher gegeben, da sie auf eine Doppelfrage – nach der EU-Digitalstrategie und danach, ob der bayerische Ministerpräsident Söder das Zeug zum Kanzlerkandidaten habe – mit einem deutlichen Ja geantwortet hatte. Um dann schnell nachzuschieben, sie beantworte damit erst Frage eins. Lacher allenthalben, Söder nimmt sich selbst aufs Korn, ein bedauerndes „Ah“ entfährt ihm.

Die Stimmung ist entspannt zwischen den beiden Unionspolitikern, die persönliche, gute Atmosphäre greifbar. Auch die Kanzlerin weiß natürlich nicht, was genau die Zukunft bringt. Aber sollte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Söder im nächsten Jahr für die Union als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf ziehen, dann wird man sich oft an diese Szene erinnern.

Markus Söder Kanzlerkandidat? Er liegt in allen Umfragen vorn

Die K-Frage begleitet Söder seit Längerem. Und er antwortet beständig: Sein Platz sei in Bayern. Für Aufregung sorgt er, wenn er, wie schon geschehen, einmal ein kleines Wörtchen einfügt und sagt: „Mein Platz ist gerade in Bayern.“ Aber was ist im nächsten Jahr?

Fakt ist: Söder liegt in allen Umfragen derzeit vor allen denkbaren CDU-Kandidaten, auch vor dem NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz. Doch Söder weiß: Umfragen sind Momentaufnahmen. Auch all die, die die Union derzeit bei an die 40 Prozent sehen. Das habe man Merkels Corona-Krisenmanagement zu verdanken, ist er überzeugt.

Dennoch: Es war das erste Mal, dass ein amtierender Kanzler das bayerische Kabinett besuchte. Und Söder fuhr alles auf, was er hat: eine Schifffahrt, eine Kutsche und den prunkvollen Saal von Schloss Herrenchiemsee. Nur etwas gemahnte an die herrschende Corona-Krise: Als Gastgeschenke wurden Masken ausgetauscht, Söder bekam eine der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, Merkel ein Masken-Set.

Markus Söder: Einladung Symbol für wiedervereinte Unionsparteien

Der Besuch sei ein Zeichen des „guten Miteinanders“, sagt Söder zu Beginn der gemeinsamen Pressekonferenz. Er habe die Einladung zur Corona-Hochkrise ausgesprochen, als „herzliches Dankeschön“ für das Zusammenwirken mit dem Kanzleramt in der Hauptphase der Corona-Zeit. Merkel habe damals relativ spontan zugesagt. Die Leute schauten „bewundernd“ auf Deutschland, beglückwünscht Söder seinen Gast.

Der CSU-Chef betont, die Einladung an Merkel sei auch ein Symbol für die wiedervereinten Unionsparteien nach den schweren Auseinandersetzungen mit der Kanzlerin etwa in der Flüchtlingskrise. Die Einladung sei „ein Zeichen auch des Wiederzusammenfindens über einige schwierige Jahre“.

Merkel genießt den roten Teppich, den die CSU ihr ausrollt

Denn vor gerade einmal zwei Jahren stand die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU vor dem Bruch, damals ging es um einen sogenannten Masterplan des damaligen CSU-Chefs Horst Seehofer zur Flüchtlingspolitik. Auf die Nachfrage, ob sie ähnliche Veranstaltungen mit dem Kabinett des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet oder den weiteren Kandidaten für den CDU-Vorsitz, Merz oder Norbert Röttgen, plane, betont Merkel, sie habe immer gesagt, sie werde „selbstverständlich auch andere Kabinette in Deutschland besuchen“, wenn sie eingeladen werde. Dies gelte unabhängig davon, ob sich der jeweilige Ministerpräsident für den CDU-Vorsitz bewerbe oder nicht.

Merkel fühlt sich sichtlich wohl, auch sie genießt, dass die CSU ihr den roten Teppich ausrollt. Sie berichtet, dass sie als junges Mädchen bereits auf der Herreninsel gewesen sei. 1961 habe sie mit ihren Eltern und der Großmutter Bayern besucht. Im Schloss auf dem Parkett habe man damals „Hausschuhe“ anziehen müssen. Ihre Eltern hätten dann entschieden, dass die Kinder nicht mit ins Schloss sollten. Die Kinder hätten mit ihrer Großmutter „in der Hitze vor dem Schloss“ sitzen müssen, während die Eltern das Gebäude im Inneren besichtigen konnten. Kurz danach sei die Mauer gebaut worden und sie habe nicht mehr nach Bayern reisen können.

Sie sei jedenfalls wegen der coronabedingten Absage der Bayreuther Opernfestspiele froh, im Pandemie-Sommer an einem Ort zu sein, den Ludwig II. mitgebaut habe. Sie hat dem bayerischen Ministerpräsidenten, derzeit auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, damit einen großen Gefallen getan. Ob gemeinsam auf dem Raddampfer „Ludwig Fessler“ oder in der Pferdekutsche, mit dem bayerischen Kabinett vor dem Schloß oder bei der Pressekonferenz im Grünen: Harmonie und schöne Bilder allenthalben. Man habe „sehr, sehr gut“ zusammengearbeitet, betont Merkel, die für ihre EU-Ratspräsidentschaftsziele in Bayern wirbt.

Ramsauer sieht Söder nach Merkel-Besuch gestärkt

Söder räumt ein, während der Corona-Krise sei es phasenweise schwierig gewesen, in einem europäischen Geist zu denken. „Umgekehrt ist es umso wichtiger, dass wir das jetzt tun“, betont er. Man sollte die Länder in der EU nicht mehr einteilen in Schuldner und Gläubiger, sondern alle mehr als Partner verstehen. Er unterstütze Merkels Kurs in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Europa sei in dieser schwierigen Phase wertvoll.

Hat der Besuch etwas bewirkt? Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Ramsauer jedenfalls sieht Söder nach dem gemeinsamen Auftritt im Rennen um die Kanzlerkandidatur deutlich gestärkt. „Angela Merkel heizt die Kandidatenfrage damit bewusst an“, sagt der frühere Bundesverkehrsminister unserer Redaktion „Egal, wie sie beantwortet wird: Es stärkt Söder, gegen ihn läuft in der deutschen Politik nichts mehr.“ Herrenchiemsee zeige einerseits Merkels „Wertschätzung für Söder in der Kandidatenfrage“, analysiert Ramsauer, andererseits sei der Auftritt „ein Weckruf an die anderen drei Bewerber“ um den CDU-Vorsitz.

Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) warnte die Union dagegen vor einer verfrühten Debatte über die Kanzlerkandidatur. Söder genieße „höchstes Vertrauen, weil er ein Mann der klaren Worte ist und gleichzeitig als Ministerpräsident Verantwortung in schwierigen Zeiten übernimmt“. Und: „Wir müssen in diesem Sommer aber den Fokus nicht auf die personelle, sondern die ökonomische Frage richten.“

Will er nun Kanzlerkandidat werden oder nicht? „Markus Söder Kanzlerkanditat“ steht in nicht ganz korrekter Schreibweise auf einem Plakat im Ort Prien. Der Bitte, darauf zu unterschreiben, folgt der CSU-Chef nicht. „Das gibt nur Ärger“, meint er. Mit der Kanzlerin gibt es den zurzeit sicher nicht.

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