Obdachlosigkeit in Vechelde – nur sehr wenige sind betroffen

Vechelde.  In den allermeisten Fällen besorgen sich Menschen, die ihre Wohnung verlassen müssen, selbst ein Zuhause – dann muss die Gemeinde nicht helfen.

Bevor jemand wie hier in Berlin „auf der Straße“ leben muss, sind Kommunen verpflichtet, den bei ihnen gemeldeten Obdachlosen eine Bleibe zu bieten.

Bevor jemand wie hier in Berlin „auf der Straße“ leben muss, sind Kommunen verpflichtet, den bei ihnen gemeldeten Obdachlosen eine Bleibe zu bieten.

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Verlust des Arbeitsplatzes – er ist nach wie vor der häufigste Grund, warum Menschen obdachlos werden. Denkbar ist aber auch, dass Menschen nach einer Scheidung/Trennung ohne eigenes Dach über den Kopf dastehen. Anders als anderswo in Deutschland scheinen die allermeisten Bewohner in der Gemeinde Vechelde allerdings in solchen Situationen selbst ein neues Zuhause zu finden – denn die Anzahl der offiziell im Rathaus registrierten Obdachlosen ist gering. „Verschwindend gering“, setzt der Vechelder Bürgermeister Ralf Werner hinzu.

Damit scheint der Verwaltungschef Recht zu haben, wie ein Blick in seine Unterlagen zeigt: Momentan gibt die Kommune zwei Familien Obdach in gemeindeeigenen Wohnungen – einer Familie mit Eltern und drei Kindern in Vechelde und einer mit Eltern und einem Kind in Bettmar; darüber hinaus wohnen zwei bis dato obdachlose Männer in jeweils einem Zimmer in einem gemeindeeigenen Haus in Wierthe. „Wir haben noch genügend Wohnungen und einzelne Zimmer im Gemeindebesitz in der Hinterhand, um weitere Obdachlose aufzunehmen“, betont Werner, ohne dabei zu sehr ins Detail gehen zu wollen. Klar ist: Wer in der Gemeinde Vechelde gemeldet ist und obdachlos wird, dem muss die Verwaltung eine Bleibe anbieten.

Wobei eine Obdachlosigkeit in der Regel nicht von heute auf morgen auf jemanden hereinbricht: Wer beispielsweise seine Miete nicht zahlt, wird verwarnt, ehe es irgendwann zur gerichtlich angesetzten Zwangsräumung kommt. Auch Eigenbedarf des Vermieters kann dazu führen, dass ein Mieter seine angestammte Wohnung aufgeben muss. „In den allermeisten Fällen, wenn ein Mieter ausziehen muss, kommt es aber bei uns nicht zur Obdachlosigkeit – dann werden wir als Gemeinde also erst gar nicht beteiligt“, stellt Werner fest. Denn in den Fällen finden die Wohnungssuchenden selbst eine Bleibe. „In der Ortschaft Vechelde ist es zwar schwierig, eine Wohnung zu bekommen“, weiß Werner. In anderen Orten der Gemeinde oder anderswo im Umkreis gebe es aber offenbar genügend Wohnmöglichkeiten.

Allerdings gibt es auch eine unvermittelte unverhoffte Obdachlosigkeit – wenn eine Wohnung oder gar ein ganzes Wohnhaus durch einen Brand unbewohnbar geworden ist: „In vielen Fällen kommen die Betroffenen dann aber vorübergehend bei Familienangehörigen oder Freunden unter“, sagt Ralf Werner. Sollte das nicht funktionieren, „weiß die Feuerwehr, dass sie die Brandopfer für einen Übergang notfalls auch in ein Hotel schicken kann“, ergänzt er. Und dann kämen die Wohnungen und Zimmer zum Zuge, die die Gemeinde noch in der Reserve hat.

Nebenbei: Der im Februar durch den selbst gelegten Brand in Bettmar obdachlos gewordene Asylbewerber befindet sich in einer psychiatrischen Einrichtung.

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