Diese Woche

Wer sich nicht bewegt, der kommt nicht weiter

Beide Seiten haben ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert. Das ist gut, das reicht aber nicht. Es muss auch miteinander gesprochen werden.

Alles im Leben hat ein Für und ein Wider. Verharren die Gegensätze auf ihren Positionen, bewegt sich nichts. Erst wenn sich beide Seiten bewegen, dann kommen auch beide voran.

Das gilt für das Klinikum Peine. Im laufenden Verkaufsverfahren für das Haus im finanziell angeschlagenen Klinikverbund der AKH-Gruppe Celle haben die kommunale Bietergemeinschaft Landkreis Peine und Städtisches Klinikum Braunschweig auf der einen Seite und die Celler AKH-Gruppe auf der anderen ihre Positionen einbetoniert. Die Peiner streben die Übernahme an, erwarten dafür aber Zahlungen in erheblicher Millionen-Höhe für bestehende Defizite und Investitionen. Die Celler wiederum wollen im Interesse der Unternehmenssanierung einen Kaufpreis erzielen, der sich rechnet. Beide Positionen liegen, grob geschätzt, um mehr als 60 Millionen Euro auseinander. Und beide Seiten warten nun auf bessere Angebote. Eine Haltung, die jegliche Bewegung ausschließt. In dieser finalen Phase des Verkaufsverfahrens ist ein Entgegenkommen, zumindest ein Aufeinanderzugehen mehr denn je gefragt. Beide Seiten haben ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert. Das ist gut, das reicht aber nicht. Es muss auch miteinander gesprochen werden.

Das gilt auch für die Kaufmannsgilde zu Peine. Beim traditionellen Jahresauftakt, der „Morgensprache“, hat der Gastreferent Dirk Groenen die Gesellschaft der Peiner Einzelhändler mit seinem fulminanten Exkurs in die rasante Entwicklung des digitalen Zeitalters aufzurütteln versucht: Wer sich heute nicht innovativ um die Belange seiner Kundschaft kümmert, kann morgen nur zusehen, wie das andere tun. Ein Patentrezept mit Überlebensgarantie für den stationären Einzelhandel hatte Groenen zwar nicht parat – wie die Bummelmeilen der Mittelstädte wie Peine in zehn Jahren tatsächlich aussehen, kann aus heutiger Sicht kaum prognostiziert werden –, aber wertvolle Denkanstöße hat er gegeben. Dazu gehört auch die Mahnung von Gilde-Vorstand Stefan Honrath: Der globale Digitalisierungsprozess ist in der Tat eine ungeheure Herausforderung, aber Veränderung ist schon seit jeher unabdingbar für Entwicklungsprozesse. Das betrifft alle Branchen wie alle Lebensbereiche.

Und das gilt für Lengede. Der Kreis Peine steht im Ruf einer Logistik-Hochburg des Nordens mit international großen Namen. Nun kommt noch ein Großer hinzu, in Lengede-Broistedt: „Amazon“ baut dort ein Verteilzentrum. Der wirtschaftspolitische Coup der Gemeinde ruft sogleich Kritiker auf den Plan – die Gewerkschaft Verdi, betroffene Anlieger. Der Vortrag der Bedenken ist gewiss berechtigt. Auch das Thema Wegwerfen statt Wiederverwertung unverkaufter Ware bekommt so einen prominenten Bezug zum Peiner Land. Aber zumindest die lokalen Problematiken sollten sich auch lokal lösen lassen – nicht durch Verharren, sondern durch Bewegung, vonseiten aller Beteiligten.

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