Im Urania in Peine steht die Zeit still

Peine.  Seit 2008 ist in dem Kino alles geblieben, wie es gewesen ist. Eine Wiedereröffnung wäre zu teuer.

Frank Rossi in seinem Kino Urania in Peine. Der alte Schriftzug von der Fassade lagert dort seit einem Sturm. 

Frank Rossi in seinem Kino Urania in Peine. Der alte Schriftzug von der Fassade lagert dort seit einem Sturm. 

Foto: Stadtarchiv

Mit Kung Fu Panda endete in Peine ein Stück Kino-Geschichte: Der Streifen, der im Juli 2008 lief, war der letzte Film, den das Urania Kino an der Peiner Luisenstraße zeigte. Danach verdunkelte sich die Leinwand für immer. Wer heute einen seltenen Blick in das Kino wirft, wird um ein Jahrzehnt zurück geworfen.

In dem im Stil der 1980er-Jahre getäfelten Foyer hängen noch Filmplakate aus den letzten Tagen des Urania. Sogar ein Programm ist dort noch zu finden: Es ist eine Vorschau auf die Kino-Woche, die es an der Luisenstraße nie gegeben hat. Mit einem Schmunzeln betrachtet Kino-Chef Frank Rossi das Programm.

„Im Freibad-Kino haben wir damals eine echte Mückenplage erlebt“, sagte er in Erinnerungen schwelgend. Denn auch darauf findet sich ein Hinweis. „Ratatuoille“ lief dort seinerzeit auf der Wiese der Badeanstalt. Während Rossi wegen der Mücken dick eingepackt war, flüchteten damals sogar ein paar wenige Zuschauer. Das Urania rentierte sich damals einfach nicht mehr. „In jenen Wochen kamen zu wenige Filme heraus“, erklärte Rossi, und ein Ende der Flaute war auch nicht absehbar. Eigentlich habe Peine das Potenzial für drei Leinwände – aber an einem Standort. Bei getrennten Standorten sind die Kosten für das Personal und im Winter für die Heizung zu groß.

Der Saal im Urania mit seinen roten plüschigen Sesseln lädt allerdings noch verführerisch zum Kino-Vergnügen ein. Rund 340 Plätze sind von den ursprünglich 510 Plätzen in den Anfangsjahren noch vorhanden. Kino-Idyll entsteht jedoch nur auf den ersten Blick. Wer genau hinschaut, dem fällt zum Beispiel die alten Leuchtreklame auf, die dort zwischen den Reihen steht. Bei einem heftigen Sturm hatte sich das mächtige Schild mit dem Urania-Schriftzug gelockert. Rossi hatte es kurzerhand abgebaut, bevor noch ein Unglück passierte und es im Saal gelagert.

Auch die Technik im Kino ist überholt. Es gibt noch den riesigen Projektor mit den überdimensionalen Rädern für die mächtigen Filmrollen. Eigentlich hätte die Peiner Kino-Geschichte an der Luisenstraße weiter gehen sollen. 1951 hatte sie begonnen. 2006 startete dort die Sanierung. Die neuen sanitären Einrichtungen waren fast fertig, als das Kino schloss. Es gab auch die Überlegungen, in den benachbarten Luisenhof zu erweitern. Direkt neben dem Foyer befindet sich dort noch ein kleinerer Saal.

Der Luisenhof hat eine ganz eigene Geschichte. Bereits um 1710 standen dort Gebäude. 1832 wird der Schankwirt Carl Bartels als Eigentümer aufgeführt. Ende des 19. Jahrhunderts ließ der Magistrat die Luisenstraße bauen. An die Wirtschaft angebaut entstand ein Saal, in den ein Kino Einzug hielt. Damals gab es dort 867 Stehplätze und 254 Plätze auf der Galerie. Das Kino fasste später 510 Menschen.

Der Luisenhof war ein Treffpunkt für die Arbeiter. Anfang der 1920er Jahre zog dort das Gewerkschaftskartell ein, das aus 20 Berufsorganen mit 6000 Mitgliedern bestand. Eigentümer der Immobilie war der Brauerei-Chef Heinrich Härke. Im Zweiten Weltkrieg diente der spätere Kinosaal im Luisenhof als Heimstatt für Kriegsgefangene aus Belgien und Frankreich. Nach dem Krieg trafen sich dort die Demokraten, um in der Stadt den Neuanfang zu planen.

Der Kino-Betrieb in Peine konzentrierte sich nach der Schließung des Urania auf das Astoria und das Alpha am Hagenmarkt – ganz einfach, weil dort zwei Leinwände zur Verfügung standen. Der Idee, dem Urania neues Leben einzuhauchen, steht Rossi sehr skeptisch gegenüber. Denn die Investition in die zeitgemäße Technik wie eine 3D-Leinwand und moderne Projektoren wäre viel zu hoch und würde sich kaum rechnen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder