Listerien-Infektion – Patient aus Lengede ist gestorben

Peine.  Der Landkreis Peine bestätigt den Todesfall. Ein Zusammenhang mit dem Listerien-Skandal um Wilke-Wurstwaren aber ist noch nicht geklärt.

Heruntergelassen sind die Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren musste der Hersteller die Produktion stoppen.

Heruntergelassen sind die Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren musste der Hersteller die Produktion stoppen.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Ein 85 Jahre alter Mann aus Lengede ist in einem Krankenhaus in Salzgitter an der Infektionskrankheit Listeriose gestorben. Das bestätigte am Donnerstag die Kreisverwaltung Peine. Der Mann gehörte zu den drei von dieser Krankheit betroffenen, die in diesem Jahr bisher im Peiner Gesundheitsamt registriert wurden (wir berichteten); die Infektionskrankheit ist meldepflichtig.

Die offizielle Bestätigung der Todesursache lag dem Gesundheitsamt Peine nach Angaben von Kreissprecherin Katja Schröder am Donnerstag allerdings noch nicht schriftlich vor. „Daher können wir derzeit keine Aussagen zur genauen Todesursache treffen.“ Und deshalb könne auch noch keine Aussage dazu getroffen werden, ob dieser Todesfall in einem Zusammenhang mit dem Listerien-Skandal um keimbelastete Waren des nordhessischen Wurstproduzenten Wilke bestehe.

Wie am Donnerstag berichtet, ist auch der Landkreis Peine von der bundesweiten Rückrufaktion von Wurstwaren der Firma Wilke, die möglicherweise mit Listerien kontaminiert sind, betroffen. Demnach sind von einem im Landkreis Peine ansässigen Großhändler 48 kleinere Betriebe – Einzelhändler, Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung, Gastronomiebetriebe – beliefert worden. Nachforschungen hätten ergeben, dass der Großhändler bereits alle belieferten Kunden informiert habe und der Großteil der Ware bereits zurückgenommen worden sei. Allerdings: „Eine noch größere Zahl an Betrieben, Vereinen und auch Personen im Landkreis Peine wurde über bundesweit tätige Großhändler beliefert“, so Schröder. Der Fachdienst Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung der Kreisverwaltung überwache den Rückruf.

Dr. Agnieszka Opiela, Leiterin des Kreis-Gesundheitsamts, hatte erklärt, was Listerien sind, und die Infektionskrankheit Listeriose beschrieben: Listerien sind demnach Bakterien, die überall in der Umwelt vorkommen und weltweit verbreitet sind. Die Anzahl der Listeriose–Fälle ist von Jahr zu Jahr sehr schwankend. So wurden dem Gesundheitsamt Peine im Jahr 2017 ein Fall und im Jahr 2018 kein Erkrankungsfall gemeldet.

Überwiegend betroffen sind nach Darstellung der Landkreis-Ärztin ältere, insbesondere abwehrgeschwächte Personen. Die Infektion erfolgt meist über tierische und pflanzliche Lebensmittel, häufig beispielsweise über Rohmilch- oder Rohfleischerzeugnisse.

Bei gesunden Menschen komme es selten zu einer Erkrankung, die häufig auch harmlos verlaufe. Bei abwehrgeschwächten Personen könne eine Listeriose-Erkrankung mit Fieber, Muskelschmerzen, Erbrechen und Durchfall einhergehen, in seltenen Fällen könne es zu einer Hirnhautentzündung und Beteiligung weiterer Organe kommen.

Gesundheitsamt: Im Zweifel einen Arzt aufsuchen

Wer die in unserer Zeitung geschilderten Symptome aufweise, aber auch, wer annehme, belastete Ware verzehrt zu haben, dem sei ein Arztbesuch empfohlen. Bei Schwangeren könne eine Listerieninfektion – auch ohne, dass die Schwangere selbst sich krank fühle – zu Erkrankungen beim Ungeborenen bis hin zu Fehlgeburten führen. Generell, so das Kreisgesundheitsamt, sollte von Schwangeren, aber auch anderen besonders gefährdeten Personen (Älteren, Immungeschwächten Personen, Neugeborenen) der Verzehr von sogenannten Risikolebensmitteln wie Rohwurstprodukten, Rohmilcherzeugnissen, Produkten am Ende der Mindesthaltbarkeit, ungewaschenem Obst oder Gemüse vermieden werden.

Im Peiner Land wurden Wilke-Wurstwaren nach Kenntnisstand vom Donnerstag weitestgehend an Kantinen und andere Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen sowie Gaststättenbetriebe zum dortigen Verbrauch abgegeben. Über einen Vertrieb über Supermärkte an den Endverbraucher lagen der Kreisverwaltung noch keine Informationen vor. Schröder: „Häufig sind bei großen Handelsketten Warenrückrufe bereits abschließend bearbeitet, bevor der Fachdienst Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung hiervon Kenntnis erhält.“ Es handelt sich demnach überwiegend um Fleischerzeugnisse wie Aufschnitt, Brühwurst, oder auch Streichpasteten, es sind jedoch vereinzelt auch vegetarische oder vegane Produkte sowie oder Gemüsezubereitungen wie Aufstriche oder passierte Pasten betroffen.

Auf Nachfrage erläuterte Schröder den Ablauf der Rückrufüberwachung durch den Landkreis so: „Die belieferten Unternehmen werden zunächst telefonisch befragt, ob der Rückruf bekannt sei und wie mit etwaigen Restbeständen umgegangen wird oder wurde. Im Regelfall sind keine Reste mehr vorhanden oder die Ware wurde bereits an den Vorlieferanten zurückgegeben. Stichprobenweise wird die tatsächliche Durchführung des Rückrufs auch vor Ort überwacht und werden Lieferketten nachvollzogen. Die betroffenen Betriebe geben Restbestände an den Vorlieferanten weg oder entsorgen die Ware. Die Restbestände werden unschädlich beseitigt.“

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei nach Kenntnis des Peiner Gesundheitsamtes nicht davon auszugehen, dass sämtliche von der Firma Wilke in den Verkehr gebrachte Ware auch mit Listerien belastet sei. „Dennoch wurde der Rückruf der gesamten Produktionsmengen von der zuständigen Behörde aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes angeordnet.“

Die Empfehlung für Verbraucher: Es sollte auf die Identitäts- und Genusstauglichkeitskennzeichnung (EU-Kennzeichen) geachtet werden; bei loser Ware könne das Verkaufspersonal befragt werden. In der Regel erhalte der Verbraucher für von Rückrufen betroffene Ware den vollen Verkaufspreis zurückerstattet.

Betroffene Produkte und Marken der Firma Wilke

Auf dem Internetportal www.lebensmittelwarnung.de des Bundesamtes für Verbraucherschutz sind die Wilke-Produktlisten und -Markenlisten veröffentlicht und einsehbar. Die Listen sind auch auf dem Internetportal unserer Zeitung hinterlegt.

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