Pandemie

Corona – war da was? Auch Wien und Paris heben Isolation auf

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EU empfiehlt Booster-Impfung für über 60-Jährige

EU empfiehlt Booster-Impfung für über 60-Jährige

Die EU empfiehlt Menschen über 60 Jahren eine zweite Corona-Auffrischungsimpfung. Angesichts der steigenden Infektionszahlen und Krankenhauseinweisungen sei "keine Zeit zu verlieren", heißt es aus Brüssel.

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Berlin.  Nach Norwegen, Dänemark, Spanien und der Schweiz schaffen auch Frankreich und Österreich die Quarantäne ab. Ist die Pandemie vorbei?

Immer mehr Länder in Europa beenden die Isolationspflicht für Corona-Infizierte. England schaffte die Quarantäne schon im Februar ab. Auch in Norwegen, in Dänemark, in der Schweiz und in Spanien dürfen positiv Getestete schon länger wieder unter Menschen.

Während Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an der Isolationspflicht in Deutschland festhält, öffnen ab Montag auch Österreich und Frankreich für Infizierte wieder alle Türen. Was sich ändert, was nicht und welche Erfahrung Spanien mit der Abschaffung der Isolationspflicht gemacht hat – eine Übersicht:

Corona in Österreich: Ende der Isolation, Beginn der Verkehrsbeschränkungen

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei um die 800, die Zahlen sinken langsam wieder – oder auch nicht. So genau lässt sich das nicht sagen, es wird kaum noch getestet.

Zwei Jahre hatte die österreichische Regierung mit vielen Regelungen und Vorschriften alles versucht, um das Coronavirus einzudämmen, sogar die Impfpflicht wurde eingeführt. Und jetzt?

Maskenpflicht gilt nur noch in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen sowie in Wien im öffentlichen Verkehr; auch die Impfpflicht wurde abgeschafft ohne, dass sie je umgesetzt worden war. Und jetzt wird zum 1. August auch die Quarantäne-Pflicht für Infizierte aufgehoben. Positiv getestet ins Büro? Kein Problem.

Infiziertes Klinik-Personal muss Maske tragen

Doch Österreich wäre nicht Österreich, wenn nun alles einfach und durchschaubar wäre. Denn ab dem 1. August gelten „Verkehrsbeschränkungen“. Danach darf eine Infizierte Person zwar in ein Wirtshaus – darf dort aber nicht konsumieren und muss einen Mund-Nase-Schutztragen.

Infiziert darf man auch ins Schwimmbad – dort aber kein Eis schlecken. Das Betreten von Krankenhäusern ist untersagt. Außer man arbeitet dort. Infiziertes Klinik-Personal muss bei der Arbeit eine FFP2-Maske tragen.

Wer positiv getestet ist, wird ab August nur noch dann krankgeschrieben, wenn er Symptome hat. Wer keine Symptome hat, muss arbeiten gehen, am Arbeitsort aber eine Maske tragen. So also auch beispielsweise ein Kellner, der dann gesunde Gäste bedient. Bleibt nur eine letzte Barriere: Die wissentliche Gefährdung anderer durch eine übertragbare Krankheit bleibt ein Strafdelikt.

Corona in Frankreich: Einfach ignorieren

Die französische Nationalversammlung hat ein Gesetz verabschiedet, das ab dem 1. August das Ende aller der Corona-Pandemie geschuldeten Einschränkungen abschafft. Allein die Möglichkeit, im Bedarfsfall wieder obligatorische Corona-Tests an den Landesgrenzen zu verfügen, bleibt bestehen.

Tatsache ist, dass in Frankreich die meisten Einschränkungen längst einkassiert wurden. Das gilt selbst für die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln, auch wenn die Regierung den Bürgern das Masketragen empfiehlt. Übrig geblieben war allein die Isolationspflicht im Infektionsfall, die nun ebenfalls außer Kraft gesetzt wird.

Links des Rheins scheint man entschlossen, Corona einfach zu ignorieren, obwohl der Virus weiter zirkuliert und die Inzidenz bei knapp unter 600 liegt.

Die junge Generation will nicht mehr

Auch dass täglich immer noch rund 100 Menschen mit oder an Corona sterben und die Gesamtbilanz mit über 151.000 Toten erschreckend hoch ist, ändert wenig an dieser Haltung. Das hat viel mit der der hohen Impfquote zu tun, die bei 80 Prozent liegt und damit, dass die Krankenhäuser nicht überlastet sind.

Dass selbst die Virologen Zuversicht verbreiten und von einer entspannten Lage an der Virus-Front sprechen, ohne freilich eine weitere Welle im Herbst auszuschließen, ist nicht der Hauptgrund für die Lockerheit der Regierung. Ebenso wenig spielen wirtschaftliche Überlegungen eine entscheidende Rolle.

Vielmehr trugen die Abgeordneten dem Umstand Rechnung, dass die Geduld der Franzosen erschöpft ist und die Bereitschaft, noch Einschränkungen zu akzeptieren, bei den jüngeren Generationen zu Null tendiert.

Corona in Spanien: Große Ansteckungswelle blieb bisher aus

Schon Anfang April hat Spanien die Quarantänepflicht für Corona-Infizierte aufgehoben. Die von Virologen befürchtete große Ansteckungswelle blieb zunächst aus.

Die Pandemie im spanischen Königreich wird vom Gesundheitsministerium nur noch als eine Art Erkältung oder Grippe angesehen. Mit der Folge, dass nicht nur die Quarantäne, sondern auch die Massentests und die statistische Erfassung der Infektionen abgeschafft wurden.

Damit hatte der sozialdemokratische Regierungschef Pedro Sánchez vor allem auf den wachsenden öffentlichen Druck reagiert. Aus der Bevölkerung waren die Rufe nach einer Rückkehr zu einem normalen Leben immer lauter geworden. Auch die Arbeitgeber wollten ein Ende der Quarantäne, weil die vielen Krankschreibungen den Betrieb störten.

Epidemiologen sehen diesen Kurswechsel mit gemischten Gefühlen

Viele Epidemiologen sehen diesen Kurswechsel mit gemischten Gefühlen. Sie sprechen von einer „Banalisierung“ der Pandemie. Doch Spaniens Regierung vertraut darauf, dass 86 Prozent der Bevölkerung den doppelten Impfschutz erhalten haben – mehr als in den meisten anderen EU-Ländern.

Allerdings hat Spaniens sehr entspannter Corona-Kurs die Lust auf eine Auffrischungsimpfung gebremst: Bei der dritten Impfung machten bisher nur 54 Prozent der Spanier mit. Auch die Maske ist weitgehend aus dem Alltag verschwunden ist.

Doch die Belegung der Krankenhäuser deutet darauf hin, dass die Pandemie noch nicht überwunden ist: Derzeit sind acht Prozent der Betten mit Covid-19-Patienten belegt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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