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Urlaub: Warum man auf Kreuzfahrten nicht telefonieren sollte

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Wo und wieso die Urlaubs-Preise 2022 steigen

Wo und wieso die Urlaubs-Preise 2022 steigen

Nicht nur im Supermarkt explodieren die Preise. Auch die Urlaubsreise wird 2022 teurer.

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Berlin  Telefonieren auf Kreuzfahrtschiffen kann enorm teuer werden. Doch das sind nicht die einzigen versteckten Handykosten auf hoher See.

Für die meisten Menschen sind Kreuzfahrten der einfachste Weg, um viel Zeit weit abseits von der Küste auf dem Meer zu verbringen. Wenn Sie bei ihrem Urlaub auf hoher See allerdings trotzdem der Wille überkommt, ein Telefonat aufs Festland zu führen, sollten Sie aufpassen: Telefonieren auf Kreuzfahrtschiffen kann mit enormen Kosten verbunden sein.

Das liegt daran, dass auf hoher See weder die EU-Roaming-Verordnung noch die Netze der Mobilfunkanbietenden greifen. Die Netze sind terrestrisch. Das bedeutet, dass ihre Reichweite durch Sendemasten und Antennen auf dem Land gestützt sind. Die Meeresgebiete decken sie nicht ab.

Wer auf Kreuzfahrtschiffen telefoniert, SMS schreibt oder mobile Daten nutzt, nimmt dafür ein satellitengestütztes Mobilfunknetz in Anspruch. Wie die Verbraucherzentrale erklärt, sind die Schiffe mit GSM-Basisstationen ausgestattet. Über die Satelliten sind diese mit den Basisstationen der Mobilfunkanbietenden an Land verbunden.

Die Netzbetreibenden schließen für das Schiffsnetz Roaming-Abkommen mit den Betreibenden der Satellitennetze ab. Die Preise hängen also sowohl von den Betreibenden der Satellitennetze als auch von jenen der Mobilfunknetze ab und können sehr unterschiedlich ausfallen. Allerdings: Günstig wird es in keinem Fall.

Telefonieren auf Kreuzfahrtschiffen: Bis zu sieben Euro pro Minute

Wie die Verbraucherzentrale weiter erklärt, reichen die Preise je nach Anbieter für ein Telefonat nach Deutschland von drei Euro pro Gesprächsminute bis zu sieben Euro für eine Minute. Manchmal fällt sogar eine zusätzliche Einmalgebühr an. Auch eingehende Anrufe kosten zwischen 1,50 Euro und sieben Euro pro Gesprächsminute.

Wer denkt, er oder sie könne die Kostenfalle mit SMS oder Whatsapp-Nachrichten umgehen, irrt: Während eine SMS zwischen 40 Cent und 1,50 Euro kostet, kann für ein Megabyte mobile Daten bis zu 30 Euro berechnet werden. Auch Anrufe über Whatsapp sind demnach keine Lösung: Ein Whatsapp-Anruf verbraucht pro Minute zwischen 0,9 und 1,5 Megabyte.

Spezielle Reisepakete der Anbietenden greifen beim schiffsbasierten Mobilfunknetz übrigens nicht und zählen in der Regel nur an Land. Lesen Sie auch: Nach jahrelangem Streit: Venedig verbannt Kreuzfahrtschiffe

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Kreuzfahrt: Schützt die Roaming-Verordnung der EU vor Kosten?

Die Roaming-Verordnung der EU schützt Verbraucher und Verbraucherinnen. Seit Juli 2010 müssen die Anbietenden ihrer Kundschaft einen sogenannten "Kosten-Airbag" als Option zur Verfügung stellen. Dieser unterbricht beim Höchsbetrag von 50 Euro (mit Mehrwertsteuer 59,50 Euro) automatisch die mobile Datenverbindung – vorausgesetzt, Sie befinden sich an Land.

Auf See gilt dieser Kosten-Airbag nicht. Zwar haben einige Provider auch im See- und Luftraum – im Flugzeug droht die Kostenfalle auch – eine Sperre für mobile Daten eingerichtet. Für Telefonie und SMS gelten diese Deckelungen aber nicht.

Die Anbietenden sind juristisch einzig dazu verpflichtet, mit einer Hinweis-SMS über die drohenden Kosten aufzuklären, sobald sich das Telefon mit einem neuen Mobilfunknetz verbindet.

Kreuzfahrt: Habe ich im Hafen Mobilfunknetz?

In Hafen- und Küstennähe funktionieren die Telefone in der Regel bis zu einer bestimmen Distanz weiterhin über das landbasierte Mobilfunknetz. Vor EU-Küsten befinden sich die Nutzer und Nutzerinnen sogar meist weiterhin im EU-Roamingnetz.

Wie die Verbraucherzentrale erklärt, dürfen die Schiffe ihre eigenen Mobilfunksysteme in einer Entfernung von weniger als zwei, beziehungsweise vier Seemeilen vor der Basislinie der Küste nicht benutzen. Die Verbrauchenden sollen so vor zusätzlichen Kosten geschützt werden. Allerdings ist nicht immer überprüfbar, ob sich die Schiffe an diese Regelung halten.

Die Basislinie definiert die Seegrenze und legt das seewärtige Staatsgebiet eines Küstenstaates fest. Ob die Inseln vor der Küste bei der Definition der Basislinie auch mit einbezogen werden, kann in jedem Staat unterschiedlich sein. Garantierte Sicherheit bietet diese Regelung also auch nicht.

Telefonie- und Roamingkosten auf Kreuzfahrt: So schützen Sie sich

Wirklich sicher ist demnach nur, wer auf Kreuzfahrtschiffen nicht telefoniert und keine SMS verschickt. Für die mobilen Daten müssen Smartphone-Nutzer und Nutzerinnen aber zusätzlich dazu Änderungen an ihren Einstellungen vornehmen.

In den Betriebseinstellungen der Smartphones lassen sich sowohl automatische Updates als auch die mobilen Daten im Roaming ausschalten. Ohne diese Vorkehrungen drohen unerwartete Kosten, etwa wenn sich das Smartphone etwa für automatische Updates oder die E-Mail-Abfrage im Hintergrund mit einem neuen Netz verbindet.

Auch eine Preisabfrage beim Provider und bei der Reiseveranstaltung kann unangenehme Überraschungen zumindest im Voraus kalkulierbar machen: Reisende können sich schon vor dem Urlaub über die Preise im Ausland informieren und entsprechend selbst entscheiden, ob sie die Kosten auf sich nehmen wollen.

Wie kann ich auf Kreuzfahrt telefonieren?

Was aber, wenn das wichtige Telefonat nicht bis nach der Kreuzfahrt warten kann? Auch während der Kreuzfahrt können Sie telefonieren, wenn auch unter Einschränkungen. So bieten die meisten Kreuzfahrtschiffe ein eigenes WLAN-Netz an, in das sich Reisende einloggen können.

Bei guter Verbindung lassen sich darüber sogar internetbasierte Telefonate führen, etwa über Whatsapp, Facetime, Messenger oder Skype.

WhatsApp: kein Support mehr für ältere Handys
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Auch bei den Landgängen ist die Smartphone-Nutzung wieder einfacher: Zum Einen können sich Verbrauchende in lokalen WLAN-Netzen, etwa im Café oder Restaurant, einwählen. Zum Anderen greifen dort wieder die landbasierten Mobilfunknetze und -tarife.

Wirklich von der Welt abgeschottet sein müssen also auch Reisende auf Kreuzfahrtschiffen nicht. Und manchmal hat es ja auch etwas Gutes, nicht jedes Telefonat sofort führen zu müssen. (reba)

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Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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