Terroranschlag

Tote in Oslo: Polizei vermutet "islamistischen Terrorismus“

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Vor dem London Pub im Zentrum von Oslo sind zwei Menschen erschossen worden.

Vor dem London Pub im Zentrum von Oslo sind zwei Menschen erschossen worden.

Foto: Javad M. Parsa/NTB/dpa

Oslo/Berlin  Kurz vor der Pride-Parade hat in Oslo ein Mann zwei Menschen vor einem Nachtclub für Schwule erschossen. Die Polizei spricht von Terror.

Die queere Szene wollte in Oslo die erste große Pride-Parade seit Beginn der Corona-Pandemie feiern. Doch dann fielen in der Nacht auf Samstag mehrere tödliche Schüsse vor einer beliebten Bar für Schwule. Zwei Menschen wurden getötet.

Die Polizei sprach zudem 21 weiteren Verletzten, zehn von ihnen sollen schwerverletzt sein. Sie geht von einem Hassverbrechen aus. "Die Polizei behandelt den Fall als Terrorakt", teilten die Behörden am Samstag mit. Ein Tatverdächtiger war festgenommen worden, es soll sich um einen Norweger mit iranischen Wurzeln handeln.

Terroranschlag in Oslo: Tatverdächtiger war bereits vorbestraft

Das Hauptziel der Angriffe war der Nachtclub "London Pub" – er gilt als beliebter Treffpunkt für Schwule, Lesben und andere Angehörige der queeren Szene. Die Bar war allerdings nicht der einzige Ort, an dem Schüsse fielen. Dem norwegischen Sender NRK zufolge gab es mindestens drei Tatorte.

Die Ermittler gehen dem Verdacht auf „islamistischen Terrorismus“ nach. Der festgenommene Verdächtige habe eine „lange Geschichte von Gewalt und Drohungen“ aufzuweisen, sagte der Chef des norwegischen Inlandsgeheimdienstes, Roger Berg, am Samstag.

Der Geheimdienst habe ihn seit 2015 auf dem Schirm, zum einen wegen seiner möglichen Radikalisierung, zum anderen wegen seiner Zugehörigkeit zu einem Islamisten-Netzwerk. Im vergangenen Monat sei er vernommen worden, doch seien die Ermittler dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass er keine „gewaltsamen Absichten“ hege.

Nach Angaben der Polizei von Oslo handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 42-jährigen Norweger mit iranischen Wurzeln. Geheimdienstchef Berg sagte, es lägen auch Informationen vor, dass seine psychische Gesundheit beeinträchtigt sein könnte.

Der Anwalt des Verdächtigen, John Christian Elden, sagte der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, sein Mandant müsse sich voraussichtlich einer psychologischen Untersuchung unterziehen, wie es in solchen Fällen üblich sei. Bisher hat sich der Verdächtige geweigert, Fragen der Ermittler zu beantworten.

Pride-Parade in Oslo abgesagt

Die Organisatoren von Oslos "Pride Parade", die eigentlich am Samstag ihre 40. Parade feiern wollten, sagten auf Anraten der Polizei die gesamte Veranstaltung ab. "Wir werden bald wieder stolz und sichtbar sein", sagte "Pride"-Chefin Kristin Haugsevje. Nun wolle man aber innehalten und den Angehörigen der Opfer Liebe und gute Wünsche senden.

Tat löste in Norwegen Entsetzen aus

Oslos Bürgermeisterin Marianne Borgen hatte erst am Freitagabend davon berichtet, wie sehr sich die Stadt nach Jahren der Pandemie auf die Parade freue. Regenbohnen-Fahnen säumten auch am Samstag noch ganz Oslo – nicht nur Restaurants und Bars, sondern auch Botschaften und offizielle Gebäude.

In Norwegen löste die Tat Entsetzen aus. König Harald V. (85) rief seine Landsleute auf, zusammenzustehen. Es gelte, gemeinsame Werte wie Freiheit, Diversität und Respekt füreinander hochzuhalten, damit alle sich sicher fühlen könnten. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl nach einem "grausamen und zutiefst schockierenden Angriff" aus. Der queeren Gemeinschaft versicherte der Sozialdemokrat: "Wir stehen an eurer Seite."

Dieser Text erschien zuerst auf www.morgenpost.de

(pcl/dpa/AFP)

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