Samu Haber: Warum es mit Sunrise Avenue nicht mehr passte

Berlin.  Vor seinem Durchbruch zockte der Sänger und „The Voice“-Coach Touristen in Spanien ab. Warum es mit Sunrise Avenue nicht mehr passte.

The Voice of Germany geht weiter und feiert Jubiläum

Insgesamt sechs Juroren kämpfen in Staffel 10 von TVOG um die besten Talente. Mit Dabei sind Nico Santos, Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß. für das Jubiläum sind einige Überraschungen geplant. Startschuss ist der 6. Oktober.

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Der Schmuserocker aus Helsinki ist nach Berlin gereist. Die Hauptstadt kennt Samu Haber ganz gut, er kommt seit Jahren regelmäßig her. Um in Erinnerungen zu schwelgen, bleibt jedoch keine Zeit. Es ist 10 Uhr morgens – zu früh für den bekennenden Langschläfer – und er hat später noch Termine. In Leipzig, in Köln. Haber ist ein gefragter Mann.

Schließlich ist der 44-Jährige nicht nur Frontmann der so gut wie aufgelösten finnischen Balladenband Sunrise Avenue und Juror bei der ProSieben-Castingsendung „The Voice of Germany“ , sondern seit neuestem auch Autor.

Samu Haber: Lebensbeichte auf Platz eins der Bestsellerliste

Seine Autobiografie mit dem Titel „Forever Yours“ schaffte es an die Spitze der Bestsellerlisten. Er packt in seiner vom Verlag so beworbenen „schonungslos ehrlichen Lebensbeichte“ aus über persönliche Krisen und seine kriminelle Vergangenheit.

„Ich habe in meinem Leben ein paar Sachen gemacht, die ich mir hätte sparen können“, sagt Haber beim Gespräch in Berlin. Zum Beispiel die Sache mit dem Tattoo. Auf seinem rechten Unterarm steht „Forever Yours“ – hat er sich etwa den Titel seines Buchs stechen lassen?

Nein, nein, beteuert Haber: „Das ist der Titel einer Single von Sunrise Avenue aus dem Jahr 2006. Die Worte stehen aber auch für meine Liebe zu meiner damaligen Verlobten. Ich wollte für immer ihr gehören. Es kam dann doch anders, aber nun ja – das Tattoo gibt es noch.“

Samu Haber wurde zu anderthalb Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt

Auch auf seine spanischen Jahre ist er nicht sonderlich stolz. Vor dem musikalischen Durchbruch lebte er in Sevilla und zockte gutgläubige Touristen ab. Er habe sie auf der Straße angesprochen, sie mit seinem Charme um den Finger gewickelt und ihnen im Auftrag einer windigen Immobilienfirma überteuerte Ferienwohnrechte verkauft, erzählt Haber.

Irgendwann wurde die Polizei auf ihn aufmerksam. Haber erinnert sich an harte Vernehmungen auf der Wache. Schließlich zog er seinen Kopf dadurch aus der Schlinge, dass er den Behörden die Hintermänner der Abzockmasche verriet. Haber wurde zu anderthalb Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Ein unrühmliches Kapitel, so sieht er das.

Haber spricht nur ein paar Brocken Deutsch

Der Eishockeyfan mit der tiefen Stimme weiß, wie er Menschen für sich gewinnen kann. Auf viele wirkt er jungenhaft-harmlos. Außer in Finnland ist Samu Haber nirgendwo so populär wie in Deutschland. Songs wie „Hollywood Hills“ und „Fairytale Gone Bad“ wurden hier zu Radiohits.

TV-Zuschauer kennen ihn als coole Socke mit Wuschelkopf und charmantem Akzent. An diesem Image hält Haber fest: Das Gespräch findet auf Englisch statt – er spricht nur ein paar Brocken Deutsch, auch wenn ProSieben einen anderen Eindruck erweckt. Wer ist der Mensch hinter dem TV-Samu?

Von bürgerlicher Existenz träumte er nie

Er erzählt, dass er nie von Kindern und Eigenheim, einer bürgerlichen Existenz geträumt habe. Dass er lieber etwas erleben wolle. Andererseits muss er nicht mehr allabendlich eskalieren. „In den ersten Jahren mit der Band ging es mir viel ums Feiern, um Partys. Es war alles neu, die Konzerte, die Fans.“

Inzwischen sei er richtig langweilig geworden, er trinke nicht mehr so viel und rauche auch nicht mehr, habe sogar einen Personal Trainer. „Wenn ich seit 15 Jahren jeden Tag Party machen würde, hätte ich die vielen Auftritte nicht durchgehalten.“

„Derrick“ als Sprachtraining

Er verhalte sich professionell – und versuche sogar, endlich richtig Deutsch zu lernen, indem er „Derrick“ und „Der Alte“ guckt. Beide Serien kennt er aus dem finnischen Fernsehen. Die Handlung sei so behäbig – „perfekt, um Hochdeutsch zu lernen“.

Haber genießt seinen Erfolg in Deutschland: Seit sieben Jahren sitzt er regelmäßig in der „The Voice“-Jury, ist zum Idol geworden. 9

„The Voice“: Die Kollegen wurden eifersüchtig

Doch Haber deutet an, dass seine Kollegen eifersüchtig auf seine Popularität geworden seien: „Einerseits war ,The Voice‘ ein Glücksfall – nicht nur für mich, sondern für die ganze Band, weil die Sendung uns groß gemacht hat in Deutschland“, erinnert sich Haber.

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„Andererseits bedeutete ,The Voice‘ viel Arbeit und dass ich häufig in Deutschland sein musste. Das hat die Dynamik innerhalb der Band verändert. Irgendwann waren wir in der Wahrnehmung nicht mehr Sunrise Avenue, sondern Samu Avenue.“ Er habe sich dann entschieden, loszulassen: „Es hat sich irgendwann einfach nicht mehr gut angefühlt.“

Den Schlussstrich bereut er nicht. Ist nicht seine Art. So wie die Sache mit dem „Forever Yours“-Schriftzug: Die Ex-Verlobte ist längst weg, Haber ist mit einer finnischen Tänzerin liiert. Aber das Tattoo auf dem Arm „ist ein Teil von mir, ich möchte es nicht wegmachen lassen“.

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