Ermittlungen

Frankreich: Wegen Masken-Streit verprügelt – Busfahrer tot

Bayonne.  Weil er auf die Maskenpflicht hinwies, wurde der Busfahrer Philippe Monguillot brutal attackiert. Er starb an den Folgen. Die Details.

Schock: Busfahrer in Südfrankreich hirntot geprügelt

In Südfrankreich wurde ein Busfahrer hirntot geschlagen, nachdem er Fahrgäste ohne Maske nicht mitnehmen wollte. Kollegen reagieren mit Protest. Fünf Verdächtige wurden festgenommen.

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  • Ein französischer Busfahrer wies eine Gruppe auf die Maskenpflicht hin – und wurde deshalb brutal verprügelt
  • Der 59-jährige Philippe Monguillot wurde kurz nach der Attacke für hirntod erklärt und starb am Freitag
  • Zuvor hatten Angehörige und Unterstützer am Mittwochabend einen Trauermarsch organisiert
  • An der Veranstaltung nahmen rund 6000 in weiß gekleidete Menschen teil
  • Aus der ganzen Welt kamen Mitleidsbekunden und Worte des Entsetzens

Der nach einem brutalen Angriff für hirntot erklärte französische Busfahrer Philippe Monguillot ist tot. „Wir haben beschlossen, ihn gehen zu lassen. Die Ärzte waren dafür und wir auch“, teilte Marie Monguillot, eine der Töchter des Verstorbenen, der Nachrichtenagentur AFP am Freitag mit. Die Ehefrau des 59-Jährigen, Véronique Monguillot, schrieb in sozialen Netzwerken: „Mein Mann ist um 17.30 Uhr gestorben, RIP meine Liebe.“

Aktualisierung vom 22. Juli: Auch in Deutschland sorgt ein Busfahrer-Angriff nach Hinweis auf Maske für Entsetzen.

Der Fall des brutal attackierten Busfahrers hat auf der ganzen Welt große Bestürzung und Trauer ausgelöst. Ehefrau Véronique Monguillot hatte sich in der Zeitung „Le Parisien“ am Donnerstag für die große Anteilnahme für ihre Familie bedankt, auch aus dem Ausland seien viele gute Wünsche gekommen. „In all meinem Unglück bin ich sehr froh über diese Unterstützung“, sagte sie.

Selbst aus den USA und Spanien habe ihre Familie Zuspruch bekommen, sagte Monguillot. „Das erlaubt es mir, nicht ständig zu grübeln. Wenn ich mit meinen Töchtern alleine bin, ist das anders: Wir stellen uns viele Fragen“, sagte sie. „Sein Herz schlägt, aber der Kopf antwortet nicht mehr.“ Am Mittwochabend nahmen in Bayonne, dem Heimatort der Monguillots, rund 6000 in weiß gekleidete Menschen an einem Trauermarsch für den verletzten Busfahrer teil.

Busfahrer hirntot geprügelt: Zwei polizeibekannte Verdächtige in U-Haft

Philippe Monguillot hatte am vergangenen Sonntag eine Gruppe von Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz auf die Corona-Maskenpflicht hingewiesen – und war dafür brutal verprügelt worden. Wie die Polizei von Bayonne im Südwesten Frankreichs am Montag mitteilte, erlitt der Mann schwerste Kopfverletzungen und wurde für hirntot erklärt. Die Polizei hatte auch einen Zeugenaufruf gestartet, um den genauen Tathergang zu ermitteln.

Nichts erkläre die „extreme Gewalt“ betonte die Staatsanwaltschaft. Sie hat die zwei mutmaßlichen Angreifer im Alter von 22 und 23 Jahren wegen Totschlags angeklagt. Sie befinden sich auf richterliche Anordnung hin in Untersuchungshaft. Beide sind der Polizei wegen früherer Vergehen bekannt. Den zwei weiteren Beteiligten wirft die Staatsanwaltschaft Beihilfe und unterlassene Hilfeleistung vor.

Staatsanwaltschaft nennt Details zum Tathergang

Laut Staatsanwaltschaft habe der 59-jährige Monguillot die Fahrkarte eines Zusteigenden kontrollieren wollen und dabei drei weitere Männer im Bus aufgefordert, wie vorgeschrieben ihre Masken aufzusetzen.

Als Reaktion sei es zu Beleidigungen und einem Handgemenge zwischen den Beteiligten gekommen. Dann stießen die Verdächtigten nach den Schilderungen der Staatsanwaltschaft Monguillot aus dem Bus. Zwei der jungen Männer hätten dann auf Oberkörper sowie Kopf des Busfahrers eingetreten und geschlagen.

Im Anschluss seien die vier Männer geflohen. Den bewusstlosen Busfahrer hätten sie auf dem Bürgersteig zurückgelassen.

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Familie des Busfahrers ist erschüttert – Tausende nehmen an Trauermarsch teil

Monguillot ist Vater von drei Töchtern im Alter von 18, 21 und 24 Jahren. Seine 18-jährige Tochter Marie Monguillot sagte der Zeitung „Sud France“ schon Anfang der Woche: „Wir wissen, dass es zu Ende ist. Nicht mein Vater atmet, sondern die Maschinen.“

Sie habe nicht mit so viel Unterstützung gerechnet, sagte Monguillots Frau Véronique gegenüber dem Fernsehsender BFMTV. Sie könne nicht sagen, dass es ihrem Mann besser gehe. Gegenüber Journalisten sagte Véronique Monguillot, dass die Justiz ihr helfen würde, ihren Mann zu rächen.

Berichten zufolge stoppten am Mittwochabend gegen 19.30 Uhr auch Busse in Paris, Straßburg und Bordeaux ihre Fahrt für eine Schweigeminute.

Busfahrer treten aus Protest spontan in Streik

Aus Protest gegen die Gewalt traten bereits am Montag zahlreiche Fahrer in der Stadt im französischen Baskenland spontan in Streik.

Als Reaktion auf den Angriff auf ihren Kollegen machten den Berichten zufolge Busfahrer des Verbunds von ihrem Recht Gebrauch, wegen hoher psychologischer Belastung ihre Arbeit temporär niederzulegen. Der Transport mit Bussen sei deshalb am Montag weitgehend lahmgelegt gewesen, berichtete France Bleu. Für die Busfahrer wurde demnach psychologische Betreuung bereitgestellt.

Der französische Verkehrs-Staatssekretär Jean-Baptiste Djebbari bestätigte, dass die Gewaltbereitschaft nach dem Ende der Ausgangssperre am 11. Mai offenbar zugenommen habe. Bei einem Treffen mit den Busfahrern in Bayonne sprach er von „Unhöflichkeiten bis hin zu Aggressionen“.

In Frankreich gilt in allen öffentlichen Verkehrsmitteln in der Corona-Pandemie eine Maskenpflicht. Vielerorts müssen Fahrgäste ihre Tickets zudem vorab am Automaten kaufen.

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(mbr/afp)

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