Superreiche setzen sich wegen Corona nach Neuseeland ab

Sydney.  Viele Superreiche nutzen ihr Domizil in dem Pazifikstaat, um die Corona-Krise auszusitzen. Aufwendige Bunker sollen ihnen dabei helfen.

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Grüne Hügel, blaues Meer und saubere Luft: Neuseeland gilt seit Jahren unter Reichen als einer der Zufluchtsorte im Fall einer „Apokalypse“ – sei es der Dritte Weltkrieg, ein Cyber-Angriff oder eine Pandemie. Während der Corona-Krise haben nun etliche Superreiche ihr Domizil in dem pazifischen Inselstaat tatsächlich bezogen, wie das US-Wirtschaftsmedium Bloomberg berichtet.

Einige der Exile haben einen Bunker – oft komplett ausgestattet mit luxuriösen Badezimmern, Spielzimmern, Schießständen, Fitnessstudios, Fernsehräumen und OP-Betten. Kosten allein für die Bunker: drei bis acht Millionen Euro.

Corona-Pandemie: Hab und Gut in San Francisco zurückgelassen

Gary Lynch, Chef des texanischen Bunkerherstellers Rising S, erzählt von einem reichen Manager aus New York, der im März einreiste, um die Pandemie in seinem unterirdischen Bunker in Neuseeland auszusitzen. „Er stellte Fragen zur Stromversorgung und zum Warmwasserbereiter und ob er zusätzliche Wasser- oder Luftfilter benötigen würde“, so Lynch. „Und soweit ich weiß, ist er immer noch da.“

Der Trend, sich im fernen Neuseeland für den Ernstfall zu wappnen, startete bereits vor einigen Jahren. 2017 kaufte sich beispielsweise Paypal-Gründer und Tech-Milliardär Peter Thiel ein.

Ein hoher Lebensstandard bei abgeschiedener Lage macht das Fünf-Millionen-Einwohner-Land zu einem perfekten Zufluchtsort. Die Superreichen kauften Bauernhöfe und Land, vor allem im idyllischen Queenstown auf der Südinsel.

Allein in den ersten zehn Monaten 2016 seien in Neuseeland viermal so viel Land und Immobilien von Ausländern aufgekauft worden als noch im Jahr zuvor, berichteten lokale Medien. Dies ging so weit, dass das Land sich im August 2018 gezwungen sah, den Kauf von Immobilien für alle Nationalitäten außer für Käufer aus Singapur und Australien einzuschränken, nachdem der Immobilienmarkt für Einheimische immer unerschwinglicher geworden war.

Premierministerin riegelte Land in Corona-Krise ab

Wer nun seinen Zweitwohnsitz beziehen wollte, musste sich allerdings schnell entscheiden: Am 19. März, als die Zahl der Corona-Infizierten auf 28 kletterte, riegelte Premierministerin Jacinda Ardern Neuseeland komplett ab. Einer, der die Chance nutzte, war der Silicon-Valley-Unternehmer Mihai Dinulescu. „Jetzt oder nie“, hätten seine Frau und er sich gedacht.

Sie ließen ihr gesamtes Hab und Gut bei Freunden in San Francisco. Der Flug nach Neuseeland sei voll besetzt gewesen, während der Rest des Flughafens relativ leer war. Er selbst stehe seit seiner Ankunft mit etwa zehn weiteren Pandemie-Flüchtlingen im Land in Kontakt. Das Paar hat sich in einer Villa auf der auch bei reichen Neuseeländern beliebten Waiheke Island nahe Auckland eingemietet. Die beiden wollen erst zurückkehren, wenn die Virusgefahr gebannt ist.

Reibungslos läuft der Start in die Übersee-Quarantäne nicht immer. Robert Vicino, Gründer des Bunkerbauers Vivos, berichtet, dass ihn aufgeregte Kunden angerufen hätten: Sie wussten nicht mehr, wie sie in ihren „Panic Room“ hineinkommen können.

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