Maskenpflicht: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Berlin.  Die Maskenpflicht gilt in allen Bundesländern. Aber was bedeutet die Corona-Regel genau? Und was gilt im Urlaub? Das müssen Sie wissen.

Das müssen Sie zur Maskenpflicht wissen

Wo muss ich Mundschutz tragen? Sind Kinder dazu auch verpflichtet? Und gibt es Strafen, wenn ich keine Gesichtsmaske trage? Antworten dazu gibt es im Video.

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  • In ganz Deutschland gilt seit Ende April die Maskenpflicht im Nahverkehr und im Handel
  • Bei Verstößen können Bußgelder fällig werden
  • Lesen Sie hier, welche Strafen es bei Verstößen gegen die Maskenpflicht gibt – und wie hoch sie sind
  • Die sogenannten Alltagsmasken dienen laut Gesundheitsministerium dazu, andere vor einer Infektion zu schützen
  • Studien zufolge können Masken das Risiko einer Ansteckung anderer mit dem Coronavirus minimieren
  • Müssen Polizisten Masken tragen? Wo gilt die Maskenpflicht? Wir beantworten alle wichtigen Fragen

In Deutschland gilt eine bundesweite Maskenpflicht zur Eindämmung des Coronavirus. Ein Mund- Nase-Schutz muss sowohl im Handel als auch in Bussen und Zügen getragen werden – ein wichtiges Instrument, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern.

Viele Menschen fragen sich, was Maskenpflicht genau bedeutet, wie man den Schutz korrekt trägt und ob man ihn auch im Urlaub im EU-Ausland tragen muss. Kann man ein ärztliches Attest bekommen, wenn man keinen Mundschutz tragen möchte? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Maskenpflicht.

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Seit wann gilt die Maskenpflicht und wo besteht sie?

In ganz Deutschland gilt seit dem 29. April die Maskenpflicht in Bus und Bahn sowie beim Einkaufen. Das bedeutet, dass beim Aufenthalt in Geschäften oder beim Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln eine Bedeckung über Mund und Nase getragen werden muss.

Ab welchem Alter gilt die Maskenpflicht für Kinder?

Die Maskenpflicht gilt in den meisten Bundesländern für Kinder ab sechs Jahren. Ausnahmen: In Berlin gibt es kein Mindestalter, auch Sachsen-Anhalt gibt keine explizite Altersgrenze an, empfiehlt allerdings, Kleinkindern unter zwei Jahren keinen Mund-Nasen-Schutz zu geben. In Sachsen können die Eltern darüber entscheiden.

Alle Kinder können einen Mundschutz aus Stoff tragen, „das ist gar kein Problem“, sagt der Berliner Mediziner und Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Jakob Maske. „CO2 ist ein Gas und bleibt im Stoff nicht hängen.“ Dieser sei ja kein luftundurchlässiges Plastik. Ein Kettenbrief auf WhatsApp hatte Eltern zuletzt wegen eines Masken-Risikos bei Kindern getäuscht.

Von komplett geschlossenen Abdeckungen – wie etwa Staubschutzmasken aus dem Baumarkt – rät der Kinderarzt allerdings ab. Erwachsene atmeten mehr Luft ein und aus als Kinder. Das geringere Lungenvolumen bei Kindern sei jedoch nicht so klein, als dass die Atemluft Platz zwischen Gesicht und Mundschutz hätte, so Maske. „Da besteht auch für kleinste Kinder keinerlei Gefahr.“ Maskenpflicht bei Kindern? Wo welche Regelungen gelten.

Wird die Maskenpflicht abgeschafft?

Zuletzt gab es immer wieder Diskussionen über die Mundschutzpflicht. So hatte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen in einem Interview die Abschaffung in seinem Bundesland gefordert.

Die 16 Gesundheitsminister der Länder erteilten dem aber eine klare Absage und beschlossen, die Maskenpflicht beizubehalten. Es dürfe nicht der falsche Eindruck entstehen, die Pandemie sei vorbei, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Wie lange die Maskenpflicht also noch gelten wird, ist unklar. „Man sollte sich darauf einrichten, dass es eine Weile geht“, sagte etwa Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) glaubt, dass die Maßnahme wahrscheinlich mehrere Monate als Teil des Hygiene-Pakets gegen das Coronavirus Bestand haben wird. Lesen Sie hier: Die Heinsberg-Studie geht von einer hohen Corona-Dunkelziffer in Deutschland aus.

Maskenpflicht gegen Coronavirus: Was gilt eigentlich als Schutzmaske?

Um die Mundschutz-Pflicht zu erfüllen, reichen neben Schutzmasken auch Tücher oder Schals, die sowohl Mund als auch Nase abdecken. Auch wer einen selbst gebastelten oder genähten Mundschutz trägt, hält sich an die Mundschutzpflicht. Wie man einen Mundschutz in Zeiten des Coronavirus einfach selbst macht.

Was ist erlaubt bei der Maskenpflicht?

Es gibt keine weiteren Regeln, außer dass jeder beim Betreten eines Geschäftes oder beim Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs eine Maske vor Mund und Nase haben muss – dabei sind aber auch ein Schal, ein Tuch oder eine selbstgenähte Maske ausreichend.

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Wie ziehe ich die Maske richtig an und aus?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät, sich vor dem Anziehen die Hände gründlich mit Seife zu waschen. Erreger, die man eventuell an den Händen trägt, können so nicht die Innenseite der Maske kontaminieren.

Auch nach dem Ausziehen der Maske ist es ratsam, sich die Hände zu waschen. Das Deutsche Rote Kreuz fordert dazu auf, die Masken nicht am Stoff zu berühren, sondern nur seitlich an den Fixierbändern.

Wie trage ich einen Mundschutz richtig?

Die Maske sollte Mund und Nase abdecken und eng an den Wangen anliegen, damit möglichst wenig Luft an den Seiten eindringen kann. Die Experten empfehlen, die Maske abzusetzen oder auszutauschen, wenn der Stoff durchfeuchtet ist.

Anschließend sollten sie durch waschen oder erhitzen regelmäßig gereinigt werden. Während die Maske im Gesicht sitzt, sollte man sie möglichst nicht berühren. Falls dies passiert, Hände waschen oder desinfizieren, da sich an der Maske möglicherweise Erreger sammeln.

Bekomme ich ein Attest gegen die Maskenpflicht?

Nach Recherchen von „Report Mainz“ stellen einige Ärzte Atteste gegen die Maskenpflicht aus – ohne Patienten vorher medizinisch untersucht zu haben. Vor allem die Initiative „Ärzte für Aufklärung“ spricht sich laut Bericht dafür aus, „großzügig“ Atteste gegen die Maskenpflicht auszustellen – nicht aus medizinischen Gründen, sondern wegen der persönlichen Abneigung.

Das sei allerdings unzulässig und möglicherweise auch strafbar. So könne „das unrichtige Zeugnis über den Gesundheitszustand eines Menschen“ strafrechtlich relevant werden, erklärt der Fachanwalt für Medizinrecht, Martin Stellpflug, dem Magazin.

Gleichwohl können Ärzte und Psychotherapeuten entsprechende Atteste ausstellen, etwa wenn es dadurch zu Einschränkungen in der Kommunikation oder der Sinnenwahrnehmung kommen kann, wenn es besipielsweise Asthmatikern gesundheitlich nicht vertretbar ist oder wenn der Atemschutz zu psychischen Belastungen wie etwa Beklemmungen führt.

In welchen Ländern gilt die Maskenpflicht?

Um die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 einzudämmen, haben verschiedene Länder weltweit eine Maskenpflicht eingeführt.

  • In Belgien muss im öffentlichen Nahverkehr ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden
  • In den Niederlanden müssen ebenfalls Reisende im öffentlichen Nahverkehr eine Maske tragen
  • In Frankreich gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht. Läden und andere Einrichtungen entscheiden selbst, ob eine Maske getragen werden muss
  • In Griechenland gilt eine Maskenpflicht in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und Krankenhäusern
  • In Italien müssen in Geschäften, in Zügen oder in anderen geschlossenen Räumen Mund und Nase bedeckt werden
  • In Österreich gibt es regionale Unterschiede: In einigen Orten Kärntens gilt abends eine Maskenpflicht. In Oberösterreich muss man generell einen Mundschutz im öffentlichen Raum tragen
  • In der Schweiz ist ein Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln und Seilbahnen vorgeschrieben
  • Auf der Insel Zypern gilt eine Maskenpflicht für alle öffentlichen Verkehrsmittel und Krankenhäuser
  • In Luxemburg ist das Tragen einer Maske im öffentlichen Nahverkehr, in Supermärkten oder Museen vorgeschrieben
  • In Rumänien besteht beim Betreten geschlossener öffentlicher Räume – zum Beispiel von Geschäften und Museen – Maskenpflicht
  • In der Slowakei ist es ebenso geregelt: In geschlossenen Räumen gilt die Maskenpflicht
  • In Ungarn gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis und Geschäften eine Maskenpflicht

Welche Strafen drohen bei einem Verstoß gegen die Maskenpflicht?

Viele Länder haben angekündigt, vorerst auf eine Strafe zu verzichten, wenn Bürger keinen Mundschutz trotz der Anordnung tragen. Einige Länderchefs signalisieren jedoch, das ändern zu wollen – sollten sich die Menschen nicht an die Regeln halten. Wer sich in Mecklenburg-Vorpommern weigert, im öffentlichen Personennahverkehr oder in einem Geschäft eine Maske zu tragen, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 25 Euro rechnen.

In Bayern können Verstöße bis zu 5000 Euro kosten. Das geht aus dem aktualisierten Bußgeldkatalog hervor. Demnach werden bei fehlendem Mund-Nase-Schutz in Bussen, Bahnen und Geschäften 150 Euro fällig. Besonders teuer wird es für Ladenbesitzer, die nicht sicherstellen, dass ihr Personal eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt: Hierfür sieht der Bußgeldkatalog eine Zahlung von 5000 Euro vor.

In Baden-Württemberg sollen Bürger, die keine Masken tragen, ein Bußgeld von bis zu 30 Euro zahlen müssen. Anfangsverstöße sollten mit 15 Euro geahndet werden, bei Folgeverstößen könnten die Behörden bis zu 30 Euro erheben.

In Rheinland-Pfalz kann Verwarnungsgeld von zehn Euro kann fällig werden. In der ersten Woche soll es dem Ministerium zufolge aber bei einer Ermahnung bleiben, ab der zweiten Woche kann dann das Verwarnungsgeld eingefordert werden.

Auch Nordrhein-Westfalen behält sich vor, bei Bedarf ein Bußgeld bei Verstößen gegen die Maskenpflicht einzufordern. Das Land hat beim Bußgeld bewusst keine feste Summe festgelegt, sondern überlässt die Höhe der Strafe den Ordnungsämtern der Kommunen. Das Bußgeld soll auch nicht sofort angeordnet werden. Sondern erst, wenn sich Betroffene nach einem entsprechenden Hinweis weigern, Masken aufzusetzen.

In Hessen können wiederholte Verstöße gegen die Maskenpflicht mit einem Bußgeld von 50 Euro bestraft werden.

In Berliner Bussen und der U-Bahn müssen „Maskenmuffel“ zahlen. Wenn der BVG-Sicherheitsdienst Fahrgäste ohne Mund-Nasen-Schutz antrifft, wird eine Vertragsstrafe von 50 Euro fällig. Ebenfalls hat der Senat ein Ordnungs- beziehungsweise Bußgeld beschlossen: Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht können seit 27. Juni 50 bis 500 Euro fällig werden.

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Die Bundesregierung hatte bereits einen Bedarf an Milliarden von Schutzmasken festgestellt – Nachschub vor allem an hochwertigen Masken ist allerdings wegen einer weltweiten Nachfrage schwer zu besorgen. Für Deutschland bestehe über alle Varianten von einfachen Alltagsmasken bis zu Spezialmasken für medizinisches Personal ein Bedarf von mehreren Milliarden Stück innerhalb von Monaten, hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kürzlich gesagt.

Bis Ende Juni 2021 sollen Produzenten in Deutschland bis zu sieben Milliarden Masken jährlich in zertifizierter Qualität zusätzlich herstellen können. Dazu zählen FFP2, FFP3 und medizinische Gesichtsmasken.

So trage ich den Mundschutz richtig
So trage ich den Mundschutz richtig

Warum müssen Polizisten keine Masken tragen?

Polizisten sind in bestimmten Situationen dazu verpflichtet, einen Mundschutz zu tragen. Die Pflicht gilt dann, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann – etwa bei Kontakt mit Bürgern oder bei Versammlungen. Auch in Örtlichkeiten, in denen generell eine Maskenpflicht herrscht, müssen die Beamten den Schutz tragen.

Allerdings gibt es auch Situationen, in denen Polizisten keinen Mundschutz tragen müssen – beispielsweise, wenn sie im Innendienst tätig sind oder in Situationen, in denen es generell keine Mundschutzpflicht gibt.

Wie schätzt die Weltgesundheitsorganisation eine Mundschutzpflicht ein?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stand einer Mundschutzpflicht zunächst skeptisch gegenüber. Sie änderte jedoch ihre Einschätzung. „Das Tragen einer medizinischen Maske kann die Ausbreitung bestimmter Viruserkrankungen der Atemwege, einschließlich Covid-19, begrenzen“, heißt es nun auf der Website der WHO.

Eine Maske zu verwenden reiche jedoch nicht aus, um ausreichend geschützt zu sein. Wichtig sei es, Abstand zu halten und die Hände zu waschen.

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Nicht-medizinische Masken – also beispielsweise selbst genähte Masken oder ein Tuch über Nase und Mund – stellen laut WHO für den Träger nur einen sehr begrenzten Schutz da, könnten aber andere Menschen in der Umgebung vor der Verbreitung von Erregern schützen, heißt es weiter auf der Internetseite der WHO. Lesen Sie hier: So sinnvoll sind Masken und Mundschutz

Was sagt das Robert Koch-Institut zu einer Mundschutzpflicht?

Laut des Robert Koch-Instituts (RKI) könnte das Tragen von Masken zu einer weiteren Verlangsamung der Ausbreitung beitragen. Der Stoff kann Schutz vor größeren Tröpfchen bieten und Schleimhautkontakt mit kontaminierten Händen verhindern.

Für die selbst gemachten Masken gibt es keine Normen, entsprechend gibt es keine nachgewiesene Schutzwirkung. Laut RKI filtern die selbst gemachten Masken in der Regel aber vermutlich weniger Tröpfchen als etwa der mehrlagige medizinische Mund-Nasen-Schutz.


(FMG mit dpa/AFP)

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