Feuer in Australien – Sind Wetter oder Klimawandel Schuld?

Berlin.  Buschbrände sind in Australien Normalität. Doch so zerstörerisch waren sie nie. Hat das mit dem Wetter zu tun oder mit dem Klimawandel?

Flammenwand überrollt Feuerwehrauto in Australien

Die Feuerwehr kämpft verzweifelt gegen die heftigen Brände in Australien. Die Behörden haben in Teilen der betroffenen Gebiete den Notstand ausgerufen.

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Australien brennt, und der Sommer auf der anderen Seite der Erdhalbkugel ist nicht einmal zur Hälfte vorbei. Mindestens 25 Menschen sind bislang infolge der Brände ums Leben gekommen, 2000 Häuser sind zerstört, viele Millionen Hektar Land niedergebrannt. Hinzu kommen Schätzungen zufolge mehr als eine Milliarde Tiere, die den Flammen nicht entkommen konnten oder noch an den Folgen der Brände sterben werden, darunter viele Koalas und Kängurus – das Wappentier der Australier.

Zwar hat die Feuersaison ungewöhnlich früh begonnen – im Oktober statt wie sonst üblich im Dezember –, doch Buschbrände sind in Australiens Sommer schreckliche Normalität. Ist das Feuerdrama im Südosten des Landes also eine Folge ungünstiger Wetterbedingungen? Oder ist es der Wandel des Klimas, der sich hier brutal zeigt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Buschbrände sind in Australien normal. Sind sie in diesem Jahr besonders verheerend?

Australien hatte in der Vergangenheit bereits mit vielen großen Buschbränden zu kämpfen, wie das Australian Institute for Disaster Resilience online aufführt – etwa 2009 mit den „Black Saturday“-Feuern: 173 Menschen starben, mehr als 2000 Häuser wurden zerstört. 1983 kamen bei den „Ash Wednesday“-Feuern 75 Menschen ums Leben, 2000 Häuser fielen den Flammen zum Opfer, und 1967 gab es bei den „Black Tuesday“-Buschfeuern 62 Tote. Bei den „Black Friday“-Feuern 1939 traf es 71 Menschen. Die Liste ließe sich fortführen.

Doch in diesem australischen Sommer 2019/2020 kommen zwei Dinge zusammen: eine große Trockenheit durch fehlenden Niederschlag, die bereits im Frühjahr begonnen hat, und extrem hohe Temperaturen von bis zu 49,9 Grad Celsius. „Die Bedingungen sind für Brände günstig, weil es in den vergangenen Monaten viel zu trocken war“, bestätigt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Laut der australischen Meteorologiebehörde war der Frühling 2019 der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Und ein weiteres Phänomen beeinflusst das australische Klima: der Indischer-Ozean-Dipol. Ist dieser wie in diesem Jahr positiv, wird warmes Wasser von Australien weg in den westlichen Teil des Indischen Ozeans getrieben. So kann zwischen Indonesien und der Nordwestküste Australiens kaltes Wasser aus der Tiefe des Meeres emporsteigen. In der Folge bilden sich weniger Wolken. Besonders im Zentrum und Südosten Australiens fehlen daraufhin im Winter und Frühling Niederschläge – was dazu führt, dass Brände im Sommer schlimmer ausfallen können.

Können die Brände wiederum das Wetter beeinflussen?

Ja. Die anhaltenden Buschfeuer haben nach Angaben von Wissenschaftlern eine seltene Naturerscheinung hervorgebracht: Pyrocumolonimbus-Wolken, auch Feuerwolken genannt. Dieser Wolkentyp wurde bereits an mehreren Orten der Erde beobachtet, etwa nach Vulkanausbrüchen. Das Phänomen selbst aber ist kaum erforscht. Die Schwaden können Rauch bis zu 48 Kilometer über der Erdoberfläche in die Stratosphäre schießen, berichten Forscher der Yale-Universität in Connecticut.

In Australien gebiert die extreme Hitze der Brandherde immer neue Feuerwolken, die ihr eigenes Wetter erzeugen: Gewitter ohne Regen, so beschreibt es das Australian Bureau of Meteorology. Durch die Feuer entsteht ein Aufwind, auf dem Weg nach oben sammelt die aufsteigende Luft wie ein Staubsauger Ruß- und Aschepartikel ein. Der Rauch kühlt sich in der Höhe ab und kondensiert, es bilden sich Wolken. Aus ihnen kann es regnen, sie können aber auch Blitze erzeugen und starke Windströmungen auslösen. In Australien wurden so neue Brände ausgelöst und angefacht.

Sind die Feuer nun Ergebnis einer ungünstigen Wetterlage oder sind sie Folge des Klimawandels?

Das lässt sich so genau nicht sagen. Es ist eine Mischung aus beidem, sagen Experten. „Ich wäre vorsichtig damit, die Feuer allein auf ein sich änderndes Klima zu schieben, weil man bei solchen Bewertungen die Entwicklungen über Zeiträume von etwa 30 Jahren betrachten muss“, sagt Meteorologe Friedrich vom DWD. Auch Ulrich Cimolino, Leiter des Arbeitskreises Waldbrand beim Deutschen Feuerwehrverband, sagt: „Das Klima ändert sich global, ohne Frage. Aber es hat schon immer Brände in Australien gegeben.“ Tatsächlich gehören Feuer zur Geschichte Australiens. Sie prägten die Landschaft und die Vegetation.

Das bestätigt Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): „Australien ist als Feuerkontinent bekannt. Feuer gehört zu den Ökosystemen dazu, manche Pflanzen dort können nur mit Feuer existieren. Aber was aktuell passiert, sprengt alle Rekorde.“ Die vergangenen Jahre seien außergewöhnlich trocken gewesen. „Seit 2000 sehen wir viel mehr Extreme, insbesondere weniger Niederschlag und heißere Temperaturen. Selbst die Extreme nehmen an Extremität zu“, sagt die Waldbrand-Expertin.

Nach der letzten großen Dürre im Jahr 2017 errechneten Forscher des australischen Büros für Meteorologie, dass die globale Erwärmung um ein Grad Celsius extreme Dürren viel wahrscheinlicher macht: Statt einmal in 500 Jahren treten sie nun einmal in 50 Jahren auf.

„Zwar müssen wir noch ein paar Wochen warten, bis die aktuelle Situation eingeordnet werden kann“, sagt Thonicke, „aber es ist zu erwarten, dass sie sich einreiht in die Reihe der Extremereignisse aus den vergangenen Jahren, die auf die globale Erwärmung zurückzuführen sind.“ Denn: „Es war in Australien noch nie so heiß, noch nie so trocken wie jetzt.“

Man kann also sagen, einerseits sind die Buschbrände in Australien Normalität, andererseits sind ihr früher Beginn, die extreme Trockenheit und Hitze außergewöhnlich. In der Klimawissenschaft gilt es als wahrscheinlich, dass der Klimawandel zu mehr Wetterextremen führt. Forscher beobachten auch eine Häufung. Doch nicht jedes Ex­trem könne mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden.

Ist in Deutschland ein ähnliches Szenario möglich wie in Australien?

„Wir haben auch unsere Probleme“, sagt Feuerwehrmann Cimolino. Die Sommer 2018 und 2019 seien außergewöhnlich trocken gewesen, es habe Waldbrände gegeben, besonders im Osten Deutschlands. „Wir müssen uns auch in Deutschland auf mehr Waldbrände einrichten“, sagt Cimolino, und die Feuerwehr müsse sich mit der Thematik eingehend befassen, aber: „Diese Temperaturen, wie sie in Australien gemessen werden, und diese Winde wird es hier auch in Zukunft nicht geben.“

Blicke man auf die Welt, sagt Thonicke, sei 2019 ein Jahr mit extremen Feuern gewesen: Sibirien, Alaska, Brasilien, Griechenland, nun auch Australien. „Das ist eine neue alarmierende Dimension, die auch auf eine globale Erwärmung um ein Grad zurückzuführen ist.“

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Mehr als eine Milliarde Tiere sterben durch die Flammen

1,25 Milliarden Tiere sollen den Bränden in Australien bisher zum Opfer gefallen sein oder werden noch an den Folgen des Feuers sterben – zum Beispiel, weil ihre Nahrungsgrundlage verbrannt ist.

Tiere in Australien kämpfen ums Überleben
Tiere in Australien kämpfen ums Überleben

Die Zahl ist eine Schätzung des WWF Australien und basiert auf einer Methodik, mit deren Hilfe der Wissenschaftler Chris Dickmann von der University of Sydney ursprünglich untersucht hatte, wie sich die Rodung von Landflächen auf die australische Tierwelt auswirkt. Diese Studie erschien bereits im Jahr 2007.

Dickmann sagte jetzt gegenüber der BBC, allein bei den Bränden im Bundesstaat New South Wales seien Schätzungen zufolge bislang 480 Millionen Säugetiere, Vögel und Reptilien von den Feuern betroffen.

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