Karneval 2020: Warum der Startschuss schon am 11.11. fällt

Berlin.  Um 11.11 Uhr beginnt am 11.11. die Karnevalssession. Während die Narren darauf hinfiebern, mahnt die Kölner Polizei, sich zu benehmen.

Verkleidete Närrinnen und Narren feiern in Köln. Am 11.11. startet die Karnevalssaison.

Verkleidete Närrinnen und Narren feiern in Köln. Am 11.11. startet die Karnevalssaison.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Es ist die Zeit der Narren, der Kostümfeiern, der Umzüge und der Kamelle: Am 11.11. beginnt die Karnevalszeit. Während vielerorts eher reserviert auf die bunten Feiern geguckt wird, beginnt vor allem in Städten wie Köln der Ausnahmezustand. Zwischen Prunksitzungen und öffentlicher, schnapsbefeuerter Enthemmung ist die „fünfte Jahreszeit“ für viele ein Höhepunkt im Jahr.

Alle wichtigen Informationen zur närrischen Session.

Karnevalszeit: Warum beginnt sie am 11.11. um 11.11 Uhr?

Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Es gibt nur Vermutungen: Es ist eine Schnapszahl, eine Narrenzahl, wie man im Mittelalter gesagt hätte. Einer mehr als die zehn Finger und einer weniger als die zwölf Apostel. Nichts Halbes und nichts Ganzes eben.

Ursprünglich galt eigentlich der 6. Januar, also Heilige Drei Könige, als Beginn der Karnevalszeit.

Das führt zu Erklärung Nummer eins für den 11.11.: Denn dem 6. Januar ging einst eine weitere Fastenzeit voraus, die am 11.11. begann.

Erklärung Nummer zwei: Der 11.11. war für die Bauern das Ende ihres Wirtschaftsjahres. Einerseits wurde die Pacht fällig, andererseits war die Ernte nun endgültig eingefahren, zum Teil schon weiterverarbeitet. Und der Wein war so weit gereift, dass man ihn trinken konnte.

Erklärung Nummer drei: Die Position der Zahl „11“ zwischen den im christlichen Glauben bedeutsamen Zahlen „10“ (Zahl der Gebote) und „12“ (Zahl der Apostel). Die „11“ steht profan in der Mitte, will sich sozusagen keiner der beiden Normen zuordnen lassen. Passend also für den närrischen Zweck.

Karneval: Einen Tag Tollhaus, dann monatelanges Warten

An diesem Montag hat in den Karnevalshochburgen sehr vieles mit der Elf zutun. Sitzungen beginnen nicht zur vollen Stunde, sondern elf Minuten später, und geleitet werden sie vom Elferrat. Für Karnevals-Unerfahrene ist es überraschend, dass am 11.11. für einen Tag die Hölle losbricht, und die Narren dann erst mal wieder so tun, als wäre nichts gewesen. Erst im neuen Jahr beginnt die Session mit dem Sitzungskarneval so richtig.

In Thüringen wird der Karnevalsstart mit närrischen Schlüsselübernahmen, den ersten kleineren Faschingsumzügen und Karnevalssitzungen gefeiert. In Wasungen, Thüringens Faschingshochburg, wird traditionell zum Saisonauftakt der Narrennachwuchs getauft. In Erfurt beginnt die fünfte Jahreszeit mit einer Ratssitzung der Gemeinschaft Erfurter Carneval, bevor am Abend das Erfurter Prinzenpaar proklamiert wird. Die Karnevalssaison 2019/20 dauert bis zum 26. Februar 2020. In Thüringen gibt es mehr als 30.000 organisierte Narren in mehr als 330 Vereinen.

Polizei fährt in Köln Großaufgebot auf

In Düsseldorf erwacht nach neunmonatigem Tiefschlaf um elf Uhr elf der Obernarr Hoppeditz. In Köln präsentiert sich ein neues Dreigestirn. Dort werden traditionell die meisten Besucher erwartet. In der Vergangenheit kam es dabei nicht selten zu unschönen Szenen wie Trink-Exzessen, Schlägereien, sexuellen Übergriffen und ungebremstem Wildpinklertum.

Dieses Jahr kündigt ein Polizeisprecher an: „Wer nach Köln kommt und meint, er kann hier Karneval mit Aggression feiern, der bekommt von uns die gelbe oder rote Karte.“ Gelb sei Platzverweis, bei rot komme man in Gewahrsam. Die Polizei werde mit 1000 Beamten vor Ort sein. Dass der elfte Elfte diesmal auf einen Montag falle, müsse nicht zwangsläufig bedeuten, dass weniger Besucher kämen, so der Sprecher.

Welche Karneval-Vokabeln muss ich kennen?

Und die wollen vorbereitet sein. Dazu gehört beim Karneval auch das Vokabular, das sich allerdings von Region zu Region unterscheiden kann. Im Rheinland sollte man sich unter anderem auf diese Begriffe gefasst machen:

Bützchen: ein Küsschen mit geschlossenen Lippen

Dreigestirn: besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau, den offiziellen Regenten des Narrenvolks

Hoppeditz: wird in Düsseldorf am 11.11. zum Leben erweckt und hält aus einem Senftopf heraus die Eröffnungsrede zur neuen Session, wird am Aschermittwoch eingeäschert

Kamelle: die Leckereien, die von den Umzugswagen herabregnen

Nubbel: die Kölner Antwort auf den Hoppeditz, wird am Karnevalsdienstag verbrannt, um die Jecken von ihren Sünden zu befreien

Session: So nennt man die Karnevalszeit, abgeleitet vom lateinischen sessio – das bedeutet Sitzung, Sitzungsperiode.

Strüßjer: kleine Blumensträuße, die beim Umzug geworfen werden – im Austausch für ein Bützchen

Zoch: gemeint ist natürlich der Rosenmontagsumzug

Woher kommt eigentlich der Begriff „Karneval“?

Wie sollte es auch anders sein: Sicher weiß man es nicht. Am geläufigsten ist aber die Ableitung vom Lateinischen „carne levare“, was so viel heißt wie „Fleisch wegnehmen“. Eher als Scherz ist die Übersetzung von „carne vale“ anzusehen – „Fleisch, lebe wohl!“.

Bis ins 20. Jahrhundert ging man noch davon aus, dass „Karneval“ auf den lateinischen Ausdruck „carrus navalis“ zurückgehe. Damit wurde ein Schiff auf Rädern bezeichnet – denn bereits die Römer feierten Umzüge durch die Straßen. Diese These gilt inzwischen aber als widerlegt.

(dpa/yah/cho)

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