Sächsischer Karnevalsverein wirbt mit Wehrmachtsuniform

Berlin   Ein Verein im sächsischen Erzgebirge feiert den Karneval unter dem Motto „Uniform“. Geworben wird dafür mit einer Wehrmachtsuniform.

Bei einem Ankündigungsplakat zur Karnevalsfeier bediente sich die sächsische Gemeinde Jahnsdorf bei der Sendung „Ein Käfig voller Helden“, hier mit den Darstellern Werner Klemperer (von links), Bob Crane und Larry Hovis.

Bei einem Ankündigungsplakat zur Karnevalsfeier bediente sich die sächsische Gemeinde Jahnsdorf bei der Sendung „Ein Käfig voller Helden“, hier mit den Darstellern Werner Klemperer (von links), Bob Crane und Larry Hovis.

Foto: imago stock&people / imago/United Archives

Karneval kennt vielerorts keine Tabus. Ein Plakat des Karnevalsvereins in der sächsischen Gemeinde Jahnsdorf im Erzgebirge sorgt nun aber dennoch bei vielen für Empörung. Denn die Jahnsdorfer Karnevalisten haben als diesjähriges Mottomotiv die Uniform gewählt.

Bei der Ankündigung bedienten sich die Narren ausgerechnet bei der Serie „Ein Käfig voller Helden“. Bei der Serie geht es um eine inhaftierte Truppe Amerikaner, die in einem Lager der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs ausharren.

Deutlich sichtbar sind auf dem Werbeflyer der Karnevalsgemeinde Soldaten in Wehrmachtsuniform und mit Stachelhelm. Darunter steht der Spruch: „Uns’re Party hat ‘ne Norm, dieses Jahr in Uniform“.

Bild war auch im Amtsblatt der Gemeinde abgedruckt

Zwar gilt beim Karneval eine gewisse Narrenfreiheit, dennoch findet der Verband Sächsischer Carneval die Aktion alles andere als lustig. „Wir distanzieren uns von dieser Art der Präsentation für eine Karnevalsveranstaltung“, sagte Verbandssprecher Michael Rohde am Mittwoch. Es sei ein kritisches Geschichtsthema, mit dem auch Karnevalisten sehr feinfühlig umgehen sollten, sagte Rohde.

Die Werbeaktion landete nicht nur im Vereinsflyer des Jahnsdorfer Carnevalsvereins (JCV), sondern wurde auch von der Gemeinde Jahnsdorf im offiziellen Amtsblatt abgedruckt. „Ich habe es anfangs als erkennbare Satire eingeschätzt und daher zugelassen“, begründete der parteilose Bürgermeister Albrecht Spindler die Veröffentlichung.

Nach Gesprächen mit Bürgern ruderte er nun aber zurück: „Im Nachhinein muss ich sagen: Ich hätte sensibler reagieren und die Veröffentlichung untersagen müssen.“

Karnevalsverein entschuldigt sich

Der Vorsitzende des Jahnsdorfer Karnevalsvereins, Holger Greiner, trat Ende Januar zurück. Der „Freien Presse“ sagte Greiner, dass die Idee entstanden sei, als er sich im Urlaub befunden habe. Er habe sich gegen die Illustration ausgesprochen, konnte sich aber nicht durchsetzen, sagt Greiner.

Auf seiner Facebook-Seite verteidigte der Verein die Intention hinter dem Flyer: Die Figuren der Satiresendung könnten „aus unserer Sicht völlig unverwechselbar als Klamauk bezeichnet werden“, heißt es da.

„Was wir nicht bedacht haben ist, dass es durchaus Menschen geben kann, die diese Serie nicht kennen und somit den für uns klaren komödiantischen Charakter missdeuten könnten“, schreiben die Karnevalisten weiter. „Bei all diesen Menschen möchten wir uns in aller Form entschuldigen.“

Das Motto „Uniform“ hätte man „in seiner Vielfalt (Polizei, Feuerwehr, Krankenschwester usw.)“ darstellen sollen, so der Jahnsdorfer Karnevalsverein. Bei der Veranstaltung im März gehe es um bunte und vielfältige Kostümierung.

Immer wieder kommt es beim Karneval zu Grenzüberschreitungen. Erst am Freitag wurden Rassismusvorwürfe wegen eines Karnevalskostüms bei Deiters und Real erhoben.

(tki/dpa)

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder