Geplante Kosten für A39-Ausbau haben sich mehr als verdreifacht

Braunschweig.  Vor knapp 20 Jahren sollte der Lückenschluss zwischen Wolfsburg und Lüneburg 437 Millionen kosten, laut neuer Schätzung sind es 1,47 Milliarden.

Die A39 endet bisher bei Wolfsburg. Der Lückenschluss nach Lüneburg ist 105 Kilometer lang.

Die A39 endet bisher bei Wolfsburg. Der Lückenschluss nach Lüneburg ist 105 Kilometer lang.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Der erste Spatenstich wird voraussichtlich im nächsten Jahr erfolgen, doch die veranschlagten Kosten für den Ausbau der Autobahn 39 steigen bereits jetzt immer mehr. Laut Bundesverkehrsministerium soll der 105 Kilometer lange Ausbau zwischen Wolfsburg und Lüneburg nun 1,47 Milliarden Euro kosten.

Das geht aus einer Kostenschätzung des Ministeriums hervor, die der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler erfragt hat. Sie liegt unserer Zeitung vor. Das Ministerium argumentierte mit den allgemein steigenden Baupreisen. Zuerst hatte der „Weser-Kurier“ berichtet.

Auch die A20 und die A33 werden teurer als gedacht

Noch im Mai 2019 kalkulierte das Bundesverkehrsministerium mit einer Summe von 1,33 Milliarden Euro. Das teilte das Ministerium damals unserer Zeitung mit. Alleine in diesen anderthalb Jahren verteuerten sich die geplanten Kosten also um 135 Millionen Euro. Aus alten Bundestagsdokumenten geht hervor, dass das Ministerium den Ausbau im Jahr 2003 noch mit 437 Millionen veranschlagt hatte. Obwohl noch gar nicht gebaut wird, haben sich die geplanten Kosten also mehr als verdreifacht.

Der Grüne Kindler sprach von „explodieren Kosten für Straßenbauprojekte in Niedersachsen“. Denn auch die A20 von Westerstede bis zur Elbe bei Drochtersen könnte sich um 357,5 Millionen Euro verteuern. Und die A33 zwischen Osnabrück und Belm wird laut aktueller Schätzung des Ministeriums um 25,8 Millionen Euro teurer werden als geplant.

Kindler: Projekte werden brutal schöngerechnet

Insgesamt werden die drei wichtigsten Autobahnprojekte in Niedersachsen also um mehr als eine halbe Milliarde Euro teurer als zuvor vom Ministerium eingeschätzt. Kindler dazu: „Die Projekte wurden von Anfang an brutal schöngerechnet.“ Der Grüne ist Niedersachse und haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Kindler nannte es auf Anfrage eine „verkehrspolitische Geisterfahrt“ von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Die Kosten würden zu niedrig, der Nutzen dagegen künstlich zu hoch angesetzt: „Nur so schafften es diese sinnlosen Prestigeprojekte überhaupt in den Bundesverkehrswegeplan.“ Die A20, die A33 und die A39 seien weder wirtschaftlich noch für den Verkehr notwendig.

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann wies die Kritik zurück. Die Autobahnprojekte trügen dazu bei, den Logistik- und Wirtschaftsstandort Niedersachsen leistungsfähiger und attraktiver zu machen, betonte der CDU-Politiker im „Weser-Kurier“. Die Kostensteigerungen wegen höherer Baupreise hätten keinen Einfluss auf den Fortgang der Projekte.

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