Verkeimung des Trinkwassers nach Corona-Shutdown möglich

Osterode.  Der Sommer kann beim Thema Trinkwasser zur Herausforderung werden. Verbraucher sollten achtsam mit dem Wasser umgehen.

Symbolbild: Im Falle eines trockenen Sommers wird der Trinkwasserverbrauch steigen.

Symbolbild: Im Falle eines trockenen Sommers wird der Trinkwasserverbrauch steigen.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Was die Wasserversorgung angeht, haben die Harzwasserwerke eine gute Nachricht für den Verbraucher. Die Talsperren sind aktuell zu 71 Prozent gefüllt und beinhalten kurz vor dem Sommer einen großen Gesamtvorrat von 129 Millionen Kubikmeter Wasser. Aber: Bei großer Trockenheit im Sommer und vermehrtem Verbrauch kann die Versorgung wieder zur Herausforderung werden.

„Die Trinkwasserversorgung ist auch im Falle eines trockenen Sommers zunächst für weitere Monate sichergestellt“, so die Harzwasserwerke. Nach einem insgesamt sehr trockenen Winter sorgten einige regenreiche Wochen im Februar und März für einen Anstieg der Talsperrenfüllstände und brachten alle sechs Westharz-Talsperren auf ein gutes Niveau. „Wenn die Menschen aufgrund des Coronavirus im Sommer nicht in den Urlaub fliegen können, wird auch der Wasserverbrauch steigen. Darauf bereiten wir uns vor. Unser vernetztes Verbundsystem kann eine höhere Belastung durch mehr Trinkwasserbedarf und anhaltender Trockenheit in der Ferienzeit kompensieren“, erklärt Dr. Christoph Donner, Technischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke.

Im Sommer steigt der Verbrauch

Im Sommer steigt die Trinkwasserabgabe aufgrund der höheren Temperaturen generell an und führt an den Talsperren zu sinkenden Füllständen. In diesem Jahr könnte sich dieser Mehrverbrauch durch die Coronavirus-Pandemie und einer erneuten Trockenheit also noch stärker ausprägen. Donner: „Nach den Jahren 2018 und 2019 könnte die Trockenheit auch in diesem Jahr wieder zur Herausforderung werden.“

Ob sich die Coronavirus-Pandemie auf die Talsperrenfüllstände nachhaltig auswirken wird, kann laut Harzwasserwerke vor Beginn der Urlaubszeit noch nicht bewertet werden. Der von der Bundesregierung im März verordnete Shutdown führte im Versorgungsgebiet zunächst zu einer geringeren Wasserabnahme in Industrie-Standorten, da die Produktionen der Firmen einige Wochen ruhten. Ausgeglichen wurde dieses Defizit dann von der Bevölkerung, welche die Osterferien zu Hause verbrachte und daher mehr Wasser bezog.

Die aktuellen Füllstände bilden also ein gutes Fundament für den Sommer. Trotzdem bitten die Harzwasserwerke jeden Mitmenschen um einen achtsamen Umgang mit der Ressource Wasser.

Keime im Wasser nach Shutdown

Es waren Wochen des Stillstandes, Einrichtungen waren wegen der Coronapakrise geschlossen, die Mitarbeiter statt in den Büros zu Haus im Homeoffice.

Der lokale Versorger Harz Energie hat jetzt eine Empfehlung zum Umgang mit Trinkwasser gegeben, denn Aufgrund der angeordneten Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 wurden in den geschlossenen Gebäuden auch die Trinkwasserinstallationen nicht gefordert.

„Wird ein Gebäude längere Zeit nicht oder nur eingeschränkt genutzt, hat dies zur Folge, dass das Wasser in der Trinkwasserinstallation des Gebäudes nicht regelmäßig ausgetauscht wird. Die Stagnation des Wassers kann zu einer Verkeimung, also zu einem Aufwachsen von Bakterien mit Bildung von Biofilmen in den Trinkwasserleitungen, führen“, macht der Versorger deutlich.

Viele Keime in den Wasserleitungen sind absolut ungefährlich für den Menschen, und so kommt es auf die Art der Keime in den Leitungssystemen an.

Gefahr durch Legionellen

Neben den harmlosen Formen finden sich aber auch Erreger, die dem menschlichen Organismus durchaus zusetzen können. Legionellen und Darmbakterien zählen hier zu den häufigsten gefährlichen Erregern, die das Thema Keime in den Wasserleitungen zu einem Problem machen können. Wird ein Gebäude dann nach längeren Zeiten mit Stagnation wieder in Betrieb genommen, sei die einwandfreie Beschaffenheit des Trinkwassers gemäß Trinkwasserverordnung nicht mehr sicher gewährleistet, was mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko der Verbraucherinnen und Verbraucher, beispielsweise durch Legionellen, einhergeht, warnt die Harz Energie und empfiehlt daher folgende Vorgehensweisen: „Lassen Sie das Trinkwasser vor der Benutzung ablaufen, bis sich die Temperatur nicht mehr verändert. Kaltwasser sollte fühlbar kalt, Warmwasser fühlbar heiß sein (Fingertest). Diese Maßnahme gilt insbesondere, wenn das Trinkwasser länger als vier Stunden in der Trinkwasserleitung stand. Bei Anlagen zur Warmwassererzeugung sind Vorkehrungen zum Schutz vor einem Legionellenbefall angeraten.“

Bei Fragen und Unsicherheiten stehen die Harz Energie Netz GmbH, die zuständige Behörde und auch die jeweiligen Wasserinstallateure mit fachlichem Rat zur Verfügung.

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