Grüne und CDU: Duell ums Rathaus von Hannover

Hannover.  Der SPD-Kandidat ist raus, die Stichwahl zum neuen Oberbürgermeister am 10. November könnte knapp werden.

Im ersten Wahlgang Kopf an Kopf, gehen Belit Onay und Eckhard Scholz nun in die Stichwahl.  

Im ersten Wahlgang Kopf an Kopf, gehen Belit Onay und Eckhard Scholz nun in die Stichwahl.  

Foto: Infografik: Jürgen Runo / Jürgen RuNO

In der „Ständigen Vertretung“ am Aegi schallten bei der CDU am Wahlabend „Ecki“-Sprechchöre durch die rustikale Gaststätte. Bei den Grünen erklärte deren Landesvorsitzende Anne Kura begeistert, das Ergebnis der Wahl verleihe den Grünen Flügel. Und während in den Wahlkampfteams von CDU und Grünen am Montag vor allem über das Mobilisieren für die nun fällige Stichwahl diskutiert wurde, musste die SPD ihre Wunden lecken.

„Meine Enttäuschung ist riesig“, hatte Marc Hansmann, der SPD-Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl, bekannt. Wie in einer Umfrage prognostiziert, lag Hansmann in der traditionsreichen SPD-Stadt im ersten Wahlgang nur auf Platz drei, und das nun sogar mit deutlichem Abstand zu Belit Onay und Eckhard Scholz. Der parteilose frühere VW-Manager Scholz tritt für die CDU an, Onay ist Landtagsabgeordneter und OB-Kandidat der Grünen.

Königslutter gegen Goslar

Beide Parteien hatten eigentlich nach einer Kandidatin gesucht, um bei der Wahl gegen Hansmann und die SPD zu punkten. Als das nicht klappte, holte die CDU den früheren Chef von VW-Nutzfahrzeuge Scholz ins Boot. Scholz stammt aus Königslutter, hatte als VWN-Chef in Hannover aber auch bei Schützenumzug und Karneval seinen Mann gestanden. Um den Kandidaten schnell volkstümlicher zu machen, nutzten die CDU-Strategen Scholz’ Spitznamen bei Arbeitern im VW-Werk: „Ecki“ war wiedergeboren. „Sogar wir sagen Ecki“, stöhnte die Konkurrenz. Die Grünen hoben schließlich den gebürtigen Goslarer Onay auf den Schild, eine der zentralen Figuren in der Grünen-Landtagsfraktion. SPD-Kandidat Hansmann wiederum war Kämmerer und Finanzdezernent der Stadt gewesen. Hansmann hatte das Rathaus dann aber für einen Vorstandsposten bei den Stadtwerken („Enercity“) verlassen. Als sich die Parteien über die Detailergebnisse der Wahl beugten, sahen sie die Innenstadt Hannovers Grün eingefärbt: Onay lag dort im ersten Wahlgang vorn. In den Stadtteilen um die City herum aber dominierte fast überall Scholz. Für die einst so siegesgewohnte SPD mit Hansmann blieben nur wenige Enklaven übrig.

„Ich trage die politische Verantwortung für dieses Ergebnis“, sagte Hannovers SPD-Vorsitzender Alptekin Kirci. Doch auch der SPD-Landesvorsitzende Stephan Weil, selbst früherer Oberbürgermeister von Hannover, hatte den Niedergang in der Landeshauptstadt nicht stoppen können. Die SPD hatte zur Wahl zwar noch einmal Anzeigen mit den früheren SPD-Oberbürgermeistern Herbert Schmalstieg und Weil geschaltet. Doch ein entscheidender SPD-Mann in dieser Reihe fehlte. Stefan Schostok hatte 2013 als neuer Oberbürgermeister Weil abgelöst, der Ministerpräsident von Niedersachsen geworden war. Die Stichwahl hatte Schostok seinerzeit souverän gegen den CDU-Bewerber gewonnen. Doch Schostok, an dessen Führungsqualitäten es ohnehin Zweifel gab, geriet in den Strudel der Rathausaffäre um unzulässige Gehaltszulagen für Mitarbeiter. Als die Staatsanwaltschaft Anklage erhob, gab Schostok auf. Neben dem Bundestrend habe auch die Rathaus-Affäre eine Rolle gespielt, betonten SPD-Ratspolitiker am Sonntag denn auch.

„Wer VW kann, kann auch Rathaus“

Beim Duell Onay gegen Scholz könnte es knapp werden. In Interviews hat Scholz immer wieder seine Führungserfahrung hervorgehoben. Motto: Wer VW kann, kann auch Rathaus. Onay, der nach seiner Zeit in Goslar in Hannover Jura studierte und vier Jahre im Rat der Stadt Hannover saß, ist näher dran an der Stadtpolitik. „Ich hoffe nun auf eine Empfehlung der SPD für mich“, hatte Onay nach dem ersten Wahlgang erklärt. Die Hannover-SPD wollte ursprünglich am Montagabend darüber beraten, vertagte ihre Entscheidung dann aber aber auf kommenden Montag.

Dabei ist das Verhältnis zwischen SPD und Grünen in der Stadt durchaus zwiespältig. Und ob frustrierte SPD-Wähler nochmal in die Wahllokale eilen, um den Grünen in den Sattel zu hieven? Scholz, Hansmann und Onay waren im Wahlkampf moderat aufgetreten. Das Verhältnis von CDU und SPD dagegen gilt als weniger gut.

Wer immer nach der Stichwahl vom 10. November als neuer OB ins Rathaus einzieht, muss mit der Ratspolitik und der Verwaltung klarkommen, insbesondere den gewählten Dezernenten. Schon geistern Spekulationen herum, dem in Führung unerfahrenen Onay könnte als „grünem Schostok“ dasselbe Schicksal blühen wie dem gescheiterten SPD-Mann. Andere sagen, die „rote“ Stadtverwaltung würde einen OB Scholz gnadenlos auflaufen lassen. Am Sonntag lag Onay
49 Stimmen vor Scholz.

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