Wildparkende Lkw werden zum Sicherheitsrisiko an Autobahnen

Braunschweig.  Die Autobahnpolizei Braunschweig beobachtet die Entwicklung mit Sorge, Spediteure fordern von der Politik den Ausbau der bislang 51.000 Stellplätze.

Das Leserfoto zeigt einen in einer Abfahrt wildparkenden Lkw (vorne) an der A2 im Kreis Helmstedt. Dahinter fährt ein weiteres Fahrzeug von der Autobahn ab.

Das Leserfoto zeigt einen in einer Abfahrt wildparkenden Lkw (vorne) an der A2 im Kreis Helmstedt. Dahinter fährt ein weiteres Fahrzeug von der Autobahn ab.

Foto: Jürgen Kirchmann

Fehlende Parkplätze für Lkw an Autobahnen haben immer öfter schwere Unfälle zur Folge. So nimmt die Zahl der Toten nach Kollisionen mit wildparkenden Transportern offenbar zu. Laut der Vereinigung Deutscher Autohöfe (Veda) war vor 2016 durchschnittlich ein Todesopfer im Jahr zu beklagen. Allein im ersten Halbjahr 2017 ließen nach Angaben von Veda sieben Menschen ihr Leben.

Maßgeblich dafür sei der im letzten Jahrzehnt massiv gestiegene Güterverkehr auf deutschen Autobahnen. Deutschland fehle es als europäisches Transitland an Parkplatzkapazitäten, insbesondere an Transitstrecken wie der A2. Veda beziffert den Mangel bundesweit auf 31.000 Stellplätze. Die Vereinigung fordert von der Bundesregierung den schnellen Ausbau.

Das Bundesverkehrsministerium führt aktuell eine Umfrage unter den Bundesländern durch, die den Bedarf ermitteln soll. Zahlen will das Scheuer-Ministerium in Kürze präsentieren. Bei der letzten Erhebung (Deges-Studie) 2014 fehlten 10.000 Plätze, in Niedersachsen waren es 1000. Derzeit stünden rund 51.000 Parkmöglichkeiten für Lkw entlang der Bundesautobahnen zur Verfügung, heißt es aus Berlin.

Landesverkehrsministerium: Lkw-Stellplätze wurden und werden gebaut

Das Verkehrsministerium in Hannover verweist auf die Aktivitäten der Landesregierungen in den vergangenen zehn Jahren. Seit 2008 seien allein in der Region des alten Regierungsbezirks Braunschweig 500 zusätzliche Parkplätze entstanden, darunter an den A2-Rastanlagen Zweidorfer Holz und Lappwald sowie an den Parkplätzen Essehof und Uhry. Weitere fast 600 Abstellmöglichkeiten seien im Bau beziehungsweise in Planung, erklärte eine Ministeriumssprecherin.

Mit Blick auf sich unterscheidende Bedarfsanalysen von der Politik auf der einen und Vertretern der Speditionsbranche auf der anderen Seite, erklärte Veda-Geschäftsführer Alexander Quabach gegenüber unserer Zeitung: „Es macht schon einen Unterschied, ob man seine Verkehrszählungen auf Parkplätzen am Nachmittag oder am späten Abend, wie wir es gemacht haben, durchführt.“

Polizei: Kritische Situationen nehmen zu

Auch die Polizei sieht die Entwicklung mit Sorge. Polizeisprecher Stefan Weinmeister von der Polizeiinspektion Braunschweig sagt: „Die Kollegen an den Autobahnen erleben immer wieder kritische Situationen. Gefühlt nehmen diese zu.“ Weinmeister verweist auf einen Unfall Ende Juli an der A2 auf Höhe des Rasthofs Lappwald. Dort seien nachts zwei Lkw kollidiert, weil der eine Fahrer den auf der Ausfahrt parkenden Kollegen übersehen hatte. Beide Fahrer blieben laut Weinmeister unverletzt. Weniger Glimpflich endete ein Unfall im Januar 2018 auf der A6 bei Heilbronn. Zwei Menschen starben, weil ein Autofahrer einen fahrlässig abgestellten Sattelschlepper übersehen hatte.

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