Die A39 wird 200 Millionen Euro teurer

Braunschweig.  Bund und Land beziffern die Kosten für das Teilstück zwischen Wolfsburg und Lüneburg nun auf 1,3 Milliarden. Umweltschützer sehen sich bestätigt.

Statt 1,1 Milliarden Euro wird der Ausbau der A39 mindestens 1,3 Milliarden Euro teuer.

Statt 1,1 Milliarden Euro wird der Ausbau der A39 mindestens 1,3 Milliarden Euro teuer.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Der umstrittene Weiterbau der Autobahn 39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg wird deutlich teurer als angenommen. Der Bund und das Land Niedersachsen haben die geschätzten Kosten um 200 Millionen Euro auf aktuell rund 1,3 Milliarden Euro nach oben korrigieren müssen. Das teilten das Bundes- und das Landesverkehrsministerium unserer Zeitung auf Anfrage mit.

Der Umweltverband BUND Niedersachsen sah die Wirtschaftlichkeit des Großprojekts schon aufgrund der alten Kostenschätzung aus dem Jahr 2012 als nicht gegeben an. Der Umweltverband ist einer von elf Klägern vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Genehmigung für den ersten Bauabschnitt zwischen Wolfsburg und Ehra-Lessien im Landkreis Gifhorn. BUND-Geschäftsführerin Susanne Gerstner sagte vor der Verhandlung: „Wir rechnen damit, dass die Kosten sogar noch weiter ansteigen werden.“ Das konnten auch die Ministerien nicht ausschließen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird am 25. und 26. Juni über die Klagen verhandeln.

Der gesamte Lückenschluss zwischen Lüneburg und Wolfsburg ist 105 Kilometer lang. Dass sich die prognostizierten Kosten seit 2012 um 200 Millionen Euro gesteigert haben, begründete Eike Frenzel, Sprecher des Landesverkehrsministeriums, so: „Damals war für den überwiegenden Teil der Bauabschnitte die Detailplanung noch nicht abgeschlossen.“ Inzwischen verfügten die Ministerien über ergänzende Baugrunduntersuchungen und genauere Kartierungen. Hinzu komme die allgemeine Baupreisentwicklung. „Diese hat sich alleine in den zurückliegenden beiden Jahren mit über zehn Prozent im Straßenbau niedergeschlagen“, sagte Frenzel.

Neben dem BUND und acht Privatpersonen klagen auch die Gemeinden Jembke und Tappenbeck aus dem Landkreis Gifhorn. In Jembke soll eine große Tank- und Rastanlage entstehen, in Tappenbeck soll der komplette Sportplatz des SV Tappenbeck samt Vereinsheim der Autobahn weichen. Knappe fünf Millionen Euro kostet der Neubau des Sportplatzes, das Land hat der Gemeinde und dem Sportverein aber bisher nur 1,75 Millionen Euro zugesagt. Tappenbecks Bürgermeister Ronald Mittelstädt sagte: „Bei den ohnehin gewaltigen Kosten für die Autobahn muss doch ein vernünftiges Angebot für Tappenbeck drinsitzen.“

Vom Ergebnis der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hängt ab, ob noch in diesem Jahr mit dem Bauabschnitt zwischen Wolfsburg und Ehra-Lessien begonnen werden kann, hieß es aus dem Landesverkehrsministerium. Gegebenenfalls müsse bei der Planung nur noch leicht nachgebessert werden. Denn das Ministerium ist siegesgewiss, sprach von einer „sehr gründlichen Planung“. Im günstigsten Fall sei die A39 ab 2026 durchgängig befahrbar.

Gifhorns Landrat Andreas Ebel (CDU) will den Weiterbau unbedingt: „Wir brauchen diese Autobahn, stehen im Landkreis mehrheitlich hinter ihr.“ Ebel erhofft sich wirtschaftliche Impulse.

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