Gegen den Trend: Hannoveraner Medizinstudent will Landarzt werden

Hannover.  Vincent Lubbe ist einer von 28 angehenden Ärzten, die sich verpflichtet haben, später als Hausarzt auf dem Land zu arbeiten.

Medizinstudent Vincent Lubbe (Mitte) übt im "Skills Lab" der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Kommunikation mit Kollegen und Patienten.

Medizinstudent Vincent Lubbe (Mitte) übt im "Skills Lab" der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Kommunikation mit Kollegen und Patienten.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Schnupfen, Schwindel, Magen-Darm – so klingt für viele Medizinstudenten die Arbeit in einer Hausarztpraxis. Für Vincent Lubbe ist es ein Traumjob. „In der Landarztpraxis kommt man mit allem in Kontakt“, schwärmt der Medizinstudent aus Hannover. Den 24-Jährigen erwarten viele freie Stellen: Bis 2030 gehen rund 2000 Hausärzte in den Ruhestand, schätzt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN). Schon jetzt seien 355 Hausarztsitze unbesetzt – vor allem rund um Bremerhaven, Buchholz in der Nordheide, Leer, Meppen und Nordhorn.

Ein Stipendium soll den Mangel an Hausärzten auf dem Land bekämpfen. Studenten erhalten für maximal vier Jahre 400 Euro pro Monat. Im Gegenzug verpflichten sie sich, ihren Facharzt in Allgemeinmedizin in Niedersachsen zu machen. Nach dem Abschluss arbeiten die Stipendiaten so lang als Hausarzt in einer ländlichen Region, wie sie Geld erhalten haben.

Lubbe ist einer von 28 Teilnehmern. Später möchte er als Hausarzt in der Region Hannover praktizieren. Deshalb bewarb er sich für das 2016 ins Leben gerufene Förderprogramm. Die Landesmittel von 340.000 Euro pro Jahr reichen für 60 Stipendien, wie das zuständige Gesundheitsministerium auf Nachfrage mitteilte.

Gespräch mit Patienten besonders wichtig

Für den späteren Praxisalltag kann Lubbe im sogenannten Skills Lab der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) üben. Seit 2012 betreibt die Hochschule die Trainingsräume. Mit einem weißen Kittel über dem schwarzen Polohemd steht Lubbe an einem Krankenbett, ein Stethoskop um den Hals. Er wirft einen Blick in die Akte in seiner Hand, dann wendet er sich der Patientin zu. Unter der fachlichen Leitung von Internist Philip Bintaro stellen Lubbe und seine Kommilitonen eine Visite nach. Lubbe ist Tutor im Skills Lab. Gerade betreut er ein Kommunikationstraining. Im Praktikum in einer Hausarztpraxis habe er gemerkt, wie wichtig das Gespräch für Patienten sei.

Sechs Jahre bis zum Facharzt für Allgemeinmedizin

Der Student, der sich selbst als kommunikativ beschreibt, möchte, dass sich seine Patienten einmal bei ihm aufgehoben fühlen. Ein Grund mehr für Lubbe, sich auf dem Land niederzulassen: Dort behandele ein Arzt Menschen oft über einen langen Zeitraum. Die richtige Ansprache sei wichtig. Diagnosen zu überbringen gehört daher im Skills Lab genauso zu den Übungen wie das Bedienen eines Ultraschallgeräts, die Blutentnahme oder ein Nahtkurs.

Bis Lubbe sich dem Alltag in einer Hausarztpraxis stellen wird, dauert es noch. Nach dem Abschluss im kommenden Jahr beginnt er – wie es das Stipendium vorsieht – eine fünf- bis sechsjährige Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Lubbe findet, dass Medizinstudenten die Wahl ihrer Fachrichtung nicht von finanziellen Anreizen wie dem Landarzt-Stipendium abhängig machen sollten. Wenn man sich aber sicher sei, als Hausarzt außerhalb der Großstädte arbeiten zu wollen, sei die Förderung eine tolle Unterstützung. dpa

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