Bürger packen Weihnachtspäckchen für Gefangene

Celle.  Manche Häftlinge bekommen an Weihnachten weder Besuch noch Geschenke. Die Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz in Celle sammelt deshalb wieder Pakete.

Gepackte Weihnachtstüten liegen im Evangelischen Informationszentrum Kapitel 8. Die Tüten wurden als Spende für Gefangene abgegeben.

Gepackte Weihnachtstüten liegen im Evangelischen Informationszentrum Kapitel 8. Die Tüten wurden als Spende für Gefangene abgegeben.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Kaffee, Tee, Kekse und Schokolade im Wert von ein paar Euro - das ist im Grunde nicht viel. Doch den Menschen, die Weihnachten im Gefängnis verbringen müssen, bedeutet es eine Menge. Die Kirchen in Bremen und die christliche Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz in Celle sammeln in diesem Jahr deshalb wieder Tüten und Päckchen, die Bürger für Häftlinge packen. „Diese Pakete sind kleine Zeichen der Hoffnung“, sagt Schwarzes Kreuz-Geschäftsführer Otfried Junk. Die weihnachtlichen Spenden sollen an bedürftige Gefangene gehen, die sonst leer ausgehen würden.

Kaffee, Süßigkeiten und Tabak

Rund 1100 Menschen haben sich schon beim Schwarzen Kreuz gemeldet, die Kaffee, Süßigkeiten und Tabak im Wert von je etwa 30 Euro ins Gefängnis schicken wollen - ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. „Es ist eine konkrete Aktion im Gegensatz zu Geldspenden. Viele inspiriert das“, erläutert Junk. Für die Häftlinge ist es die einzige Möglichkeit, Lebensmittel von draußen zu bekommen. Seit einer Änderung im Strafgesetzbuch ist das nicht mehr erlaubt. „Ein Päckchen als Überraschung gibt es nicht mehr“, sagt Junk. Nur gemeinnützige Organisationen dürften noch anonymisierte Pakete schicken.

Alles, was Häftlinge neben der Gefängniskost haben wollen, müssen sie im Anstaltsladen kaufen - zu oft hohen Preisen. „Die Gefangenen erleben hier die Situation permanenten Mangels. Sie haben immer zu wenig Geld“, sagt der katholische Gefängnisseelsorger Richard Goritzka aus Bremen. Gerade arme, kranke oder Inhaftierte ohne Arbeit sollen deshalb zu Weihnachten etwas bekommen, was für sie sonst schwer erschwinglich ist.

Rund 200 Menschen haben bei der evangelischen und der katholischen Kirche in Bremen bisher Tüten mit Kaffee, Tee und Schokolade im Wert von je 10 Euro abgegeben. In den vergangenen Jahren waren es meist 350 bis 400. Da die Aktion noch bis zum 14. Dezember läuft, ist Goritzka zuversichtlich, dass wieder ähnlich viele zusammenkommen. Zusammen mit seinem evangelischen Kollegen wird er die Tüten in der Woche vor Weihnachten im Bremer Gefängnis verteilen.

Pakete gehen an 32 Gefängnisse

Im Gegensatz zu Bremen gibt es in den niedersächsischen Gefängnissen keine flächendeckenden Geschenkaktionen zu Weihnachten. Das Schwarze Kreuz lässt die Pakete in 32 Haftanstalten schicken. Außerdem gebe private Initiativen in verschiedenen Gefängnissen, sagt Friedrich Schwenger, Gefängnisseelsorge-Beauftragter der Landeskirche Hannover. Oft kümmerten sich die Gefängnisseelsorger selbst um die Bedürftigen. „Wir versuchen, dass sie zumindest eine Kleinigkeit bekommen wie Tabak oder Kaffee.“

So haben die Gefängnisseelsorger, die für die JVA Meppen und Lingen samt Außenstellen zuständig sind, vor Weihnachten alle Hände voll zu tun. Fast 600 Tüten mit Keksen, Zucker, Milch, Orangen, Nüssen und Kaffee werden sie wieder packen. „Das bekommen Bedürftige, die keinen Kontakt mehr zu Angehörigen haben“, sagt der katholische Seelsorger Heinz-Bernd Wolters. Die Weihnachtstüten finanzieren Spender.

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