Beratungsstellen von mehr als 3300 Wanderarbeitern genutzt

Hannover  Leiharbeit und Werkverträge sind auch in Niedersachsen weit verbreitet. Wanderarbeiter können spezielle Beratungsstellen aufsuchen.

Roza Tanka und Eliza Yankova (rechts) vom Verein Arbeit und Leben sitzen in dem Kleinbus, der als Beratungsstelle genutzt wird.

Roza Tanka und Eliza Yankova (rechts) vom Verein Arbeit und Leben sitzen in dem Kleinbus, der als Beratungsstelle genutzt wird.

Foto: dpa

Mehr als 3300 Menschen haben bislang die Beratungsstellen für Wanderarbeiter in Niedersachsen aufgesucht. Vor allem Arbeitskräfte aus Osteuropa nutzten das Angebot, heißt es beim Wirtschaftsministerium in Hannover. „Ziel der Beratungsstellen ist es, die Rechte von Werkvertragsarbeitern zu schützen und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten“, sagte Minister Olaf Lies (SPD). „Denn nur wer informiert wird und um seine Rechte weiß, wird seltener Opfer von Ausbeutung und betrügerischen Machenschaften.“

Mittlerweile gibt es vier vom Ministerium geförderte Beratungsstellen für mobile Beschäftigte in Niedersachsen. Die erste wurde im Herbst 2013 in Oldenburg eingerichtet. Zuvor waren in Papenburg bei einem Brand zwei rumänische Arbeiter in ihrer Unterkunft ums Leben gekommen, das hatte eine landesweite Diskussion ausgelöst. Danach wurden auch in Hannover, Braunschweig und zuletzt Lüneburg entsprechende Beratungsangebote geschaffen. Träger ist der Verein Arbeit und Leben. „Nach Papenburg hat sich viel getan“, sagte Lies der Deutschen Presse-Agentur. „So wurden Mindeststandards bei der Unterbringung geschaffen, dass Lohnniveau wurde angehoben.“

Die Fleisch- und Zerlegebranche habe sich auf Druck der Landesregierung dazu verpflichtet, die Zahl der Werkvertragsbeschäftigten zu reduzieren, sagte Lies. Das Verhältnis von so Beschäftigten und Stammbeschäftigten liege vielerorts bei 80:20, das müsse schrittweise umgekehrt werden, forderte er. „Hier gibt es einige positive Einzelfälle, in die von uns gewünschte Richtung“, so Lies. „Aber wir sind noch nicht am Ziel.“ Er warte nun darauf, dass der in Berlin dazu vorliegende Gesetzentwurf verabschiedet werde und erhoffe sich dadurch weitere Verbesserungen.

Niedersachsen habe als erstes Bundesland derartige Beratungsstellen eingerichtet, betonte Lies. Vor allem Beschäftigte aus der Transport- und Logistikbranche sowie der Fleischindustrie würden sich melden, aber auch etwa Erntehelfer aus der Land- und Forstwirtschaft, sowie im Pflegebereich und dem Baugewerbe Beschäftigte.

Allein in Hannover wurden mittlerweile mehr als 1400 Menschen beraten, sagte Ministeriumssprecherin Sabine Schlemmer-Kaune. In Oldenburg waren es rund 1600, in Braunschweig etwa 350. In Lüneburg seien seit der Eröffnung im vergangenen April allein bis Ende Juni 35 Menschen beraten worden. Nicht jeder der Beratungsfälle sei auch ein Missbrauchsfall, hieß es vom Ministerium, andererseits hätten die Ratsuchenden schon ihre Gründe und Sorgen. Angeboten werde die Hilfe überwiegend in der Muttersprache der Betroffenen. Bis auf Hannover haben die Stellen einen Bus, der als mobiles Büro eingesetzt wird.

Nach einer Umfrage der IG Metall vom Mai werden in Niedersachsen in rund 70 Prozent der Unternehmen Aufgaben über Werkverträge ausgelagert. In drei Viertel dieser Fälle würden die Beschäftigten der Werkvertragsfirma dabei schlechter bezahlt als ihre Kollegen, schätzte der DGB. Allein in der Fleischbranche waren nach einem Bericht der „Neue Osnabrücker Zeitung“ Anfang des Jahres rund 10 000 überwiegend ausländische Arbeiter per Werkvertrag beschäftigt.

„Die Bedeutung der Beratungsstellen ist nicht zu unterschätzen“, meinte Lies, der Dienstag das Büro in Lüneburg besuchen wollte. „Werkvertragsbeschäftigte erhalten hier nicht nur wichtige Informationen und Unterstützung, sondern bekommen auch ein Sprachrohr, schwarze Schafe laufen Gefahr, schneller aufzufliegen.“ Missstände könnten so schneller öffentlich gemacht werden. „Allein schon die Existenz der Beratungsstellen zahlt sich aus.“ dpa

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