Zirkus in Wolfsburg

„Weil VW so dicht ist wie ein zerschossenes U-Boot, dringen die vergeblichen Versuche des Konzernchefs stets nach außen.“

Das ist auf geheimnisvolle Weise unerklärlich. Während es vielen Konzernen gelingt, ruhig ihre unternehmerischen Ziele zu erreichen, ist VW zwar nicht weniger erfolgreich. Der Autobauer wird aber seit Jahren begleitet von einer Art Zirkus. Ohne Spektakel, Theatralik und Action auf Nebenkriegsschauplätzen scheint etwas zu fehlen. Ganz aktuell nähert sich der VW-Zirkus wieder einmal einer kritischen Grenze. In Wolfsburg braut sich ein Unwetter zusammen, das sich eigentlich nur noch in einem gewaltigen Knall entladen kann. Dafür sorgt das Aufbrechen eines alten Konflikts zwischen Konzernchef Herbert Diess und dem Betriebsrat.

Diess will offensichtlich in einer Art Eilmarsch die Positionen Finanzen und Einkauf im Vorstand mit seinen Favoriten besetzen. Allerdings kommt Diess nicht im gewünschten Tempo ans Ziel, unter anderem weil der Betriebsrat mauert. Das gilt auch für die Vertragsverlängerung, die Diess anstrebt . Diess, der Macher, wird ausgebremst . Das ist das eine Problem. Das andere: Weil VW so dicht ist wie ein zerschossenes U-Boot, dringen die vergeblichen Versuche des Konzernchefs stets nach außen. So wird seine Position jedes Mal geschwächt. Das kann nicht gut gehen, es muss knallen.

Merkwürdig ist, dass genau in dieser kritischen Situation eine uralte Geschichte lanciert wird, die bei entsprechender Interpretation das Zeug hat, den Betriebsrat zu beschädigen. Es geht darum, dass nicht mehr jeder Arbeitnehmervertreter den Anspruch auf einen eigenen Dienstwagen hat. Komischer Zufall. Das gilt auch für das Ausscheiden des Markenvorstands Thomas Ulbrich , dem ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat nachgesagt wird. Einen anerkannten Experten für Elektro-Mobilität in dieser Phase des Umbaus nicht vom Bleiben zu überzeugen, ist schwer nachvollziehbar.

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