Leitartikel

Die Soli-App

„Masken tragen, Abstand halten – die neue Normalität.“

Viele Deutsche stehen vor einem Dilemma: Sie sorgen sich vor Corona. Aber sie sind auch ängstlich, wenn es um das Preisgeben ihrer Daten geht – vor allem bei sehr privaten und sensiblen Informationen. Beide Ängste sind berechtigt, und sie prallen jetzt im Kampf gegen die Pandemie aufeinander. Eine App für das Handy soll helfen, Infektionen mit dem Virus zu verhindern. Der Schlüssel zum Erfolg dieser Maßnahme: Je mehr Menschen ihre Daten preisgeben, desto besser könnte die Pandemie zurückgedrängt werden.

Die Daten sind der digitale Impfstoff der Gesellschaft. Wer die App nutzt, sendet nicht nur ein Signal an andere Handys, sondern auch ein Zeichen der Solidarität mit Risikogruppen, mit Älteren, mit Vorerkrankten. Sie zu schützen, muss höchstes Gut sein. Die Freiheit der Gesellschaft auf diesem Weg nicht zu verlieren – dabei kann die App helfen. Gefragt ist Schnelligkeit.

Und da beginnt das erste Pro­blem: Die Corona-App kommt viel zu spät. Seit März angekündigt, ist nun der nächste Startschuss: Mitte Juni. Pünktlich zur Öffnung der Grenzen für den Reiseverkehr. Wird dieser Zeitpunkt erneut gerissen, wäre im Kampf gegen die Pandemie wieder eine Schlacht verloren. Einige wichtige Weichen sind gestellt. Die Daten werden nicht auf staatlichen Servern gespeichert. Und noch etwas hilft: Mundschutzmasken sind vielerorten verteilt, Menschen tragen sie in Bussen und Bahnen, in Märkten, im Trubel der Einkaufsstraßen.

Masken tragen, Abstand halten – die neue Normalität. Nutzen möglichst viele Menschen auch noch moderne Handy-Technik, um sich zu schützen und andere – dann ist in dieser neuen Normalität wieder viel möglich: shoppen, reisen, verabreden, Essen gehen. Das alles fast ohne Angst. Vielleicht ist das Dilemma doch schnell gelöst – und Corona besiegt.

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