Kommentar

Handys sind wie Hunde

Nicht der Hund ist schlecht, sondern der Besitzer. So ist es auch beim Smartphone.

Beim gemeinsamen Essen das Smartphone zücken? Zwischendurch mal kurz etwas suchen oder auf eine Nachricht antworten? Kein Thema, findet zumindest rund die Hälfte der Befragten einer aktuellen Umfrage. Knapp die Hälfte findet das Gerät auch im Schlafzimmer okay – immerhin die knappe Mehrheit lehnt es ab.

Lässt sich daraus jetzt der Untergang des Abendlandes ableiten, weil wir alle nur noch auf den Bildschirm glotzen und gar nicht mehr interagieren? Mitnichten. Das Smartphone kann zwar durchaus ein Beziehungskiller sein, aber es kann eben auch bereichern. Wenn wir beim Essen sitzen und auf einmal dieses ganz bestimmte Lied hören wollen: Smartphone gezückt. Wenn wir die neuen Bilder des Nachwuchses zeigen wollen: Smartphone gezückt. Wenn wir uns uneinig sind, ob „seid“ oder „seit“ richtig ist: Smartphone gezückt. Natürlich würden wir nicht umkommen, wenn wir nicht Weltwissen, Fotoalbum und Musiksammlung in der Hosentasche hätten – aber da es schon mal da ist, kann man es auch zu nutzen.

Am Ende ist es wie mit Hunden, bei denen es immer heißt: „Nicht der Hund ist schlecht, sondern der Besitzer.“ So ist es auch beim Smartphone. Wer das Teil nutzt, um sich echten Kontakten zu entziehen, der würde bestimmt eine andere Methode finden, hätte er kein Gerät zur Hand. Wer im Theater mit dem Smartphone rumnervt, der würde ohne Handy sicher eine andere Möglichkeit finden. Nein, das Abendland ist nicht gefährdeter, als es das vor 100 Jahren war.

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