Leitartikel

Der kleinste Nenner

„Für den Weltsport wäre es schon ein Fortschritt, wenn der Strafenkatalog wirklich rigoros umgesetzt würde.“

Ute Berndt

Die Welt-Antidoping-Agentur ist also im kleinen Rahmen standhaft geblieben und hat Russlands Sport die Rote Karte für internationale Großereignisse gezeigt. Alles andere wäre auch ein Skandal gewesen angesichts der erdrückenden Beweislast. Die Russen gerieren sich nun wieder als Bauernopfer des Anti-Doping-Kampfes. Zu Unrecht. Klar wird auch anderswo betrogen. Aber eben nicht von (demokratischen) Staats wegen im großen Stil. Und nicht mit dieser kaum vorstellbaren Unverfrorenheit, kriminellen Energie und Arroganz, mit der die Russen weiterhin gefälscht und manipuliert haben, obwohl sie unter Beobachtung standen und Auflagen erfüllen mussten. Immerhin zeigt ihr Aufschrei, dass sie sich getroffen fühlen.

Dabei gibt es gute Gründe, die verhängte angebliche Höchststrafe eben nicht ausreichend zu finden. Denn es spielen ja trotzdem wieder reichlich russische Athleten bei den Großereignissen mit und repräsentieren ihr Land – wie bei den Winterspielen 2018. Als das deutsche Team im Eishockey-Finale den russischen „olympischen Athleten“ unterlag, demonstrierten deren Fans in Landesfarben und sangesfreudige Spieler, wie leicht man den Flaggen- und Hymnen-Bann umgeht. Vier Jahre ganz ohne russische Beteiligung am Weltsport wären angesichts der ungebrochenen Skrupellosigkeit der Täter eine sympathischere Strafvariante gewesen – aber vielleicht juristisch nicht haltbar.

Für den Weltsport wäre es immerhin schon ein Fortschritt, wenn der jetzt beschlossene Katalog am Ende wirklich rigoros umgesetzt würde. Wenn der internationale Sportgerichtshof ihn zügig absegnet, wenn Athleten mit manipulierten Daten wirklich gesperrt werden und Russland Großveranstaltungen zurückgeben muss. Und wenn nicht wieder irgendwelche Verbände mit faulen Kompromissen vor Väterchen Russland und seinen Sponsoren einknicken.

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