Kommentar

Kampf den Spannern

Die „Upskirting“-Vorstellung ist widerwärtig und beängstigend. Und trotzdem passiert es einigen Frauen.

Stellen Sie sich vor, es ist Sommer, furchtbar heiß. Sie sind leichter bekleidet, laufen durch ein Einkaufszentrum und müssen Rolltreppe fahren. Würden Sie annehmen, dass jemand hinter Ihnen aus Jux und Dollerei heimlich sein Smartphone unter Ihren Rock hält und fotografiert? Und dass er das einfach so darf? Beim besten Willen – ich nicht. Upskirting nennt man das heimliche, voyeuristische Fotografieren. Bin ich zu blauäugig, zu gutgläubig? Kann ich froh sein, dass es mich noch nicht getroffen hat – wobei, woher bin ich mir da überhaupt so sicher? Die Vorstellung ist widerwärtig und beängstigend. Und trotzdem passiert es Frauen. Wer Glück hat, bekommt es mit – und kann den Täter zum Löschen der Aufnahmen bewegen. Wie Ida Marie Sassenberg und Hanna Seidel aus Hannover und Salzgitter, die eine Anti-Upskirting-Kampagne im Internet gestartet haben, sagen, müssten sich Betroffene von den Ertappten sogar noch Sprüche anhören wie „Dann zieh doch keinen Rock an, Du provozierst es ja!“ Die beiden Frauen setzen sich für etwas ein, das selbstverständlich sein sollte: Das Recht auf Privat- und Intimsphäre, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, denn nichts anderes verletzen Menschen durch diese Form der Übergriffigkeit. Frauen sind keine Objekte, an denen man sich nach Belieben bedient. Möge sich dieses Thema wie ein Lauffeuer verbreiten. In der Politik scheint es langsam anzukommen: In Nordrhein-Westfalen hat sich bereits der Landtag damit befasst.

Das kann nur ein Anfang sein.

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