Gastkommentar

Deutschland summt

Wenn die Blüte der ersten Frühlingsboten wie Winterling, Schneeglöckchen, Gartenkrokus und Salweide beginnt, fliegen die Honigbienen wieder emsig aus, um Pollen und Nektar einzutragen. Überall, wo es blüht, treffen wir die emsigen Sammlerinnen an, das ist gut so, denn flächendeckende Bestäubung sichert den Erhalt der Natur. Längst hat sich aber rumgesprochen, dass Bienenvölker ohne die Pflege des Menschen heute nicht mehr überleben können. Eine der ältesten Zünfte überhaupt ist die der Imker. Sie kümmern sich seit Jahrhunderten ums Wohlergehen der Honigbienen.

Bienenvölker gehören ins Landschaftsbild und wohl jeder kennt eine Imkerei in der Nähe. Aus der Aktion „Berlin summt“ entwickelte sich die bundesweite Aktion „Deutschland summt“. Das Interesse der Bevölkerung an der Bienenhaltung bei vielen Menschen ist nun geweckt. Die Stadtimkerei ist immer mehr im Kommen. Dort ist das Kleinklima besser als auf dem Lande und die Ernährung der summenden Insekten in der Vegetationszeit immer gesichert. Dazu tragen Schrebergärtner, Kommunen und Hausbesitzer gleichermaßen bei.

Fassadengrün und Balkonkästen sind bienenfreundlich gestaltet. Seltene Stilblüten, die die Bienenhaltung einschränken gibt es immer wieder. Die Baubehörden der Städte Celle und Salzgitter meinen, ein Bienenkasten sei ein Bauwerk und müsse sich mit entsprechenden Prüfungen und Genehmigungen auseinandersetzen. Sogar ein „Rückbau“ sprich die Einstellung der Imkerei wird da gefordert.

Die Stadt Celle kriegte vor kurzem gerade noch die Kurve, nachdem eine Imkerin in langjährigem Rechtsstreit auch den Weg zum OVG Lüneburg nicht scheute, um ihre Bienenhaltung weiterführen zu können. Die Stadt Salzgitter steht im Augenblick nicht auf der Freundesliste der Imkerzunft. Auch dort hat ein Jungimker mit seinen Bienenkästen mit dem Bauamt zu tun. Gelobt seien da Städte wie Berlin und Hannover, die sich nicht vor den Karren spannen lassen und die Imkerei auf Dächern und im öffentliche Grün unterstützen. Doch was ist auf dem Lande los? Bienenstände sind hier weit verbreitet und die Wertschöpfung ist besonders groß. Ertragssteigerungen in Landwirtschaft und Gartenbau in Qualität und Quantität ist die weitgehende Leistung der Bienen. Doch kurzes Blühen im Frühjahr allein reicht nicht aus, um die Ernährung von Bienenvölkern insbesondere mit Pollen ganzjährig zu sichern. Die Verbesserung der Bienenweide hat auch hier mittlerweile große Priorität. Jedes Jahr entstehen mehr blühende Felder und die Politik unterstützt diese Maßnahmen.

Verankert ist die Verbesserung der Bienenweide im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen. Im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot in Berlin ist die Weiterführung des Deutschen Bienenmonitorings niedergeschrieben. Die Forschung um den Sozialstaat Bienenvolk wird weitergeführt, das ist gut so. Viele Vorhaben sind davor erst von der EU in Brüssel abzusegnen. Hoffentlich versiegen sie nicht auf dem Weg dorthin.

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