Testpflicht an Schulen

Eltern und Lehrer erwarten Rückkehr zu täglichen Coronatests

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Montags, mittwochs, freitags: Bisher müssen sich die ungeimpften Schüler und Schulmitarbeiter drei Mal pro Woche auf Corona testen lassen. Nun stehen die Zeichen wieder auf tägliche Tests.

Montags, mittwochs, freitags: Bisher müssen sich die ungeimpften Schüler und Schulmitarbeiter drei Mal pro Woche auf Corona testen lassen. Nun stehen die Zeichen wieder auf tägliche Tests.

Foto: Marijan Murat / dpa

Braunschweig.  Landeselternrat-Vertreter Guder zweifelt an der lückenlosen Umsetzung der Testpflicht bei Ungeimpften – und wünscht sich „mehr Konsequenz“.

Angesichts täglich steigender Inzidentwerte deutet an Niedersachsens Schulen alles wieder auf tägliche Tests der Ungeimpften hin – wie es sie bereits in der ersten Woche nach den Herbstferien Anfang November gab. Derzeit müssen sich die ungeimpften Schüler und Schulmitarbeiter noch drei Mal pro Woche auf Corona testen lassen. „Wir rechnen aber fest damit, dass in Niedersachsen wieder zu täglichen Testungen kommt“, sagte Michael Guder, Vorsitzender des Landeselternrats, am Montagabend unserer Zeitung.

Er begrüße es ausdrücklich, wenn demnächst wieder weitreichendere Maßnahmen gelten, sagte Guder. Ähnlich äußerte sich am Montagnachmittag Christian Hoffmann, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen, im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das Ministerium erwägt ja wieder tägliche Tests. Wir halten das für eine sinnvolle Überlegung und werden uns dem nicht verschließen.“

Elternvertreter: Noch genauer hinschauen!

Am Mittwoch tritt das neue Infektionsschutzgesetz des Bundes in Kraft. An heutigen Dienstag wird auch Niedersachsen seine überarbeitete Corona-Verordnung vorstellen. Elternvertreter Guder erwartet, dass es in diesem Zuge auch zu einer noch konsequenteren Umsetzung der Infektionsschutzregeln kommt. Mit Blick auf mögliche Testverweigerer sagte er: „Dort, wo man noch genauer hinschauen kann, muss man das auch tun.“ Dadurch werde das „System Schule“ sicherer und vertrauenswürdiger.

Laut dem Kultusministerium gibt es „nur sehr vereinzelt Hinweise auf Testverweigerer“, heißt es in einer Antwort des Hauses auf unsere Anfrage. „Das Verfahren hat sich in den Schulen – und nach unseren Informationen auch in den Elternhäusern – gut eingespielt“, schreibt ein Ministeriumssprecher. Die Schüler werden zu Hause getestet. Die Eltern bestätigen das Negativergebnis schriftlich, und dies wird in der Schule kontrolliert. „Haben Schülerinnen und Schüler den Test zu Hause einmal vergessen, können sie in der Schule nachtesten, wenn es die Kapazitäten dort erlauben.“ Das Verfahren, so das Fazit des Ministeriums, habe sich – in Kombination mit weiteren Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht, Abstand halten, regelmäßigem Lüften und Hygienevorschriften – bewährt. „Mögliche Eintritte des Virus in die Schulen konnten und können so weitgehend verhindert werden.“

Wie zuverlässig sind die Schnelltests?

Hoffmann, der als GEW-Sprecher verschiedene Gruppen von Schulbediensteten vertritt, bewertet die bisherige Teststrategie an Schulen insgesamt ähnlich positiv wie die Landesregierung. Grundsätzlich tut das auch Elternvertreter Guder. Er hat aber „ein etwas ungutes Gefühl“. Wer sich in einschlägigen Sozialen Medien umhöre, so Guder, bekomme eine Vorstellung davon, dass die Testpflicht löchrig sei und in Einzelfällen wohl umgangen werde. Zwar sei er überzeugt, dass „die Testverweigerer keine riesige Gruppe“ seien, dennoch brauche es eine „noch konsequentere Umsetzung“ der Testpflicht.

Mehr als die Gestaltung und Umsetzung der Testpflicht warf zuletzt die Zuverlässigkeit der Corona-Selbsttests Fragen auf. Eine Auswertung der Corona-Tests an den Schulen in der ersten Woche nach dem Ende der Herbstferien, als sowohl ungeimpfte Schüler wie Lehrer sich täglich testen mussten, ergab laut Kultusministerium 2090 positive Selbsttests bei Schülerinnen und Schülern. Bei der Nachtestung mit dem zuverlässigeren PCR-Verfahren bestätigten sich davon 1233 Corona-Infektionen. In rund 40 Prozent der Fälle hatten die Schnelltests somit falschgelegen. Gleichwohl, kommentierte Kulturminister Grant Hendrik Tonne (SPD), habe sich „das Testen als Teil unseres Sicherheitsnetzes als wirksame Maßnahme bewährt“. Wie Tonne damals, werten auch der Elternvertreter Guder und der Gewerkschafter Hoffmann diese Zahlen keineswegs als Argument gegen die Schnelltests – im Gegenteil. „Auch wenn es bei einzelnen Chargen von Corona-Testkits vermehrt zu falsch-positiven Ergebnissen gekommen ist, sorgen spätestens die PCR-Tests für Klarheit“, so Hoffmann. Guder berichtet, auch für die Eltern sei die Unsicherheit der Schnelltests „kein Thema“ gewesen. „Das ist nun mal nicht zu ändern und wird auch hingenommen“, sagte er.

GEW: Tieferliegende Probleme endlich angehen

Nicht hinzunehmen ist aus Sicht der Gewerkschaft GEW dagegen, dass „tieferliegende Probleme“ nicht gelöst werden. Hoffmann meint damit vor allem: zu große Klassenverbände, zu wenig Personal und zu kleine Räume. Ein ärgerliches Versäumnis sei, dass es auf Landesebene keinen Überblick über die Beschaffenheit der Gebäude und Klassenräume gebe. „Wir wissen etwa immer noch nicht, wo Luftfilter sinnvoll oder wo sie bereits installiert sind. Aus meiner Sicht ist das völlig unverständlich.“

Guder sieht das ähnlich. Die Klassenzimmer seien immer noch nicht krisensicher, beklagt er. Das Corona-Management an den Schulen müsse zudem „klare Perspektiven“ aufzeigen. „Die bisher verfolgte Salamitaktik und das Fahren auf Sicht führen bei der Elternschaft zu einem Gefühl ständiger Ratlosigkeit und Unsicherheit.“

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