Die Maske ist in Niedersachsen Pflicht – Das sollten Sie wissen

Braunschweig.  Wer muss den Mund-Nasen-Schutz tragen?Und wo überhaupt? Wie halte ich die Maske sauber? Das ändert sich durch den „Corona“-Landeserlass.

Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. Seit Montag gilt in Niedersachsen Maskenpflicht beim Einkaufen und im Öffentlichen Nahverkehr.

Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. Seit Montag gilt in Niedersachsen Maskenpflicht beim Einkaufen und im Öffentlichen Nahverkehr.

Foto: Fabian Strauch / dpa

Der Streit darüber, ob Masken helfen, das Coronavirus einzudämmen, wurde seit Wochen in Deutschland intensiv geführt. Er ist in gewisser Form auch zu einer Glaubensfrage geworden, die nun von allen Bundesländern einheitlich beantwortet worden ist. In Niedersachsen gilt seit diesem Montag eine Maskenpflicht für Geschäfte und für Fahrgäste im Öffentlichen Personennahverkehr.

Befürworter einer Maskenpflicht hatten immer wieder darauf verwiesen, dass ein einfacher Mund- und Nasenschutz (MNS), eine genähte Maske oder ein umgebundener Schal zwar niemanden vor einer Infektion schütze, da der hochansteckende Covid-19-Erreger sich trotz Gesichtsbedeckung weiter verbreiten könnte. Personen, die das Virus in sich tragen, es aber noch nicht wissen, könnten mit der Maske ihrerseits andere schützen. Wenn alle sich schützen würden, erhöhe dies die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektionsrates sinke oder zumindest nicht wieder steige, so das ins Feld geführte Argument. Kritiker merkten an, dass die Schutzmaske dazu verleite, das Virus zu unterschätzen. So sei es weiter unerlässlich, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und die geltenden Kontaktbeschränkungen zu befolgen.

Doch es bleiben Fragen, auch viele Leser haben uns kontaktiert. Auf dieser Seite stellen wir noch einmal zusammen, was Sie über die Maske wissen sollten:

Wo genau müssen Masken getragen werden?

Für das Land Niedersachsen gilt die Maskenpflicht in sämtlichen Geschäften, auf dem Wochenmarkt und in Bussen, Bahnen und Taxis. Auch in den Zügen ( u. a. Enno, Erixx), die der Regionalverband Braunschweig betreibt, wird dieser Erlass umgesetzt. Das gelte laut Sprecherin Gisela Noske auch für den Bereich von Haltestellen und Bahnsteigen.

Im Fernverkehr der Deutschen Bahn will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) es den kommunalen Betreibern gleichtun und eine Maskenpflicht für Fahrgäste anordnen. Das soll noch in dieser Woche auf den Weg gebracht werden, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Scheuer wird mit den Worten zitiert: Es dürfe hier kein Flickenteppich entstehen.

Wo muss keine Maske getragen werden?

Ausdrücklich nicht getragen werden muss die Maske in Banken – wer mit einer Maske in ein Geldinstitut geht, wird sonst eventuell aus Versehen für einen Bankräuber gehalten. Auch wer Geld am Automaten abhebt, sollte sich an diese Vorschrift halten, auch um hier Missverständnissen vorzubeugen.

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Darf ich mit Maske Autofahren?

Die Landesregierung empfiehlt auch bei der Nutzung des privaten Pkw, sich zu schützen, sollte eine Person aus einem anderen Haushalt mitfahren. Ein Mund-Nasen-Schutz widerspreche nicht der Straßenverkehrsordnung, die besagt, dass das Gesicht beim Fahren eines Pkw oder Lkw nicht verhüllt werden darf, heißt es aus dem Landesgesundheitsministerium.

Müssen Verkäuferinnen und Verkäufer oder Busfahrer auch Masken tragen?

Nein, sie sind dazu nicht verpflichtet – es sei denn, ihr jeweiliger Arbeitgeber schreibt das vor. Aus Sicht des Landes ist es Beschäftigten eher schwer zuzumuten, acht Stunden am Stück eine Maske zu tragen. Kassiererinnen an den meisten Supermarktkassen sind inzwischen durch Plexiglasscheiben vor direktem Kontakt mit den Kunden geschützt. Für den regionalen Verkehrsverbund kündigt Verbandssprecherin Noske an, das man nach Vorbild der Stadtbus GmbH in Goslar, in allen Bussen nach und nach Schutzscheiben für die Fahrer einbauen werde. In den neuen Straßenbahnen trenne die Fahrerkabine den Fahrer schon heute von den Fahrgästen.

Für die Braunschweiger Verkehrs AG erklärt Sprecher Christopher Graffam die Regelung für die Angestellten: „Unsere Fahrer sind angehalten, beim Verlassen des Busses, wenn der Fahrerwechsel ansteht oder die Rampe für Rollstühle benötigt wird, eine Maske zu tragen. Diese stellen wir zur Verfügung. Während der Fahrt besteht keine Maskenpflicht.“ Graffam verweist auf die Absperrung der vorderen Plätze im Bus. Dadurch wäre genügend Abstand zwischen Fahrer und Kunden gewährleistet.

Was ist mit Kindern?

Ab dem Alter von 6 Jahren müssen Masken getragen werden, für kleinere Kinder gilt die Pflicht nicht. In Kitas gilt keine Maskenpflicht.

Gilt die Pflicht in den Schulen?

Nein, die Landesregierung schreibt in den Schulen keine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer vor. Mehr noch: Schulen dürfen so eine Pflicht auch nicht eigenverantwortlich anordnen. Im Schulbus muss aber eine Maske getragen werden. In den Klassen soll der vorgeschriebene räumliche Abstand das Verbreitungsrisiko mindern, unter anderem die Vorgabe, dass maximal 16 Schüler gleichzeitig in einen Klassenraum sein dürfen. In den Pausen kann zwar ein Mund-Nase-Schutz getragen werden, er muss aber nicht von der Schule gestellt werden, heißt es im Hygieneplan des Kultusministeriums.

Die Stadt Jena in Thüringen, die als erste Kommune schon seit Anfang April in Deutschland die Maskenpflicht eingeführt hatte und 14 Tage lang keine Corona-Neuinfektionen mehr gezählt hatte, geht auch hier einen Sonderweg. Sie hat die Maskenpflicht auch im Unterricht eingeführt. Das bestätigte eine Stadtsprecherin unserer Zeitung.

Leser Werner Schulz fragt: Was ist mit vorerkrankten Personen, die beispielsweise unter Atemproblemen leiden?

Personen, für die aufgrund von Vorerkrankungen, zum Beispiel schwerer Herz- oder Lungenerkrankungen, wegen des höheren Atemwiderstands das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung nicht zumutbar ist, sind von der Verpflichtung ausgenommen. Dies gilt beispielsweise auch in Fällen von schwererem Asthma, teilt eine Sprecherin des Ministeriums unserer Zeitung mit.

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Welche Maskenarten gibt es?

Zu unterscheiden ist zwischen der sogenannten Community-Maske (genähter Mund-Nasen-Schutz) und der industriell gefertigte, chirurgische Mund-Nasen-Schutz sowie FFP2- und FFP3-Masken. Für den Otto-Normalverbraucher vollkommen ausreichend ist laut Experten der selbstgenähte oder der chirurgische Mund-Nasen-Schutz. FFP-2 und FFP-3-Masken sind für medizinisches Personal vorzuhalten: Nicht nur, weil sie nur begrenzt verfügbar sind – ihre korrekte Anwendung setze auch fachspezifisches Wissen voraus. Bei fehlerhafter Anwendung könne dies zu gesundheitlichen Schäden führen.

Wenn man noch keine Maske hat – was soll man tun? Müssen professionelle Atemschutzmasken gekauft werden?

Nein, es ist ausdrücklich auch das Tragen eines Schals oder eines Tuchs vor Mund und Nase erlaubt, um die Ausbreitung des Virus durch Husten, Niesen und Sprechen zu verringern. Landesgesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) ruft sogar dazu auf, keine medizinischen Atemschutzmasken zu kaufen, um Versorgungsengpässe damit etwa in Kliniken zu vermeiden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das unter anderem für die Herstellungssicherheit und Produktzulassung zuständig ist, sagt aber auch: Je dichter der Stoff, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Tröpfchenauswurf in der Maske verfängt.

Was passiert, wenn man sich nicht an die Regeln hält?

Das Land setzt zunächst auf Einsicht. Bußgelder sollen in der ersten Woche noch nicht verhängt werden, ab dem 4. Mai wird dann scharfgestellt. Für die Einhaltung des landesweiten Erlasses sind die Ordnungsdienste der Kommunen und die Polizei zuständig. Geschäfte, aber auch Verkehrsunternehmen, können aber auch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und „Maskenlosen“ den Zutritt verwehren. In den Metronom-Zügen wird nach Angaben des Sprechers der Betreibergesellschaft, Björn Pamperin, streng geprüft, ob Fahrgäste Mundschutz tragen. Wer keinen dabei habe, werde auch nicht mitgenommen. #

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Wie trage ich die Maske richtig?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät, sich vor dem Anziehen der Maske die Hände gründlich mit Seife – empfohlen werden mindestens 30 Sekunden – zu waschen. Erreger, die man eventuell an den Händen trägt, könnten so nicht die Innenseite der Maske kontaminieren, erklären Experten wie Bianca Behnke, Hygienefachkraft im Braunschweiger Herzogin-Elisabeth-Hospital. Behnke hatte zuletzt in einem Artikel unserer Zeitung vor dem „parken“ einer Maske am Kinn gewarnt. Das hatte Irritationen bei einigen Lesern ausgelöst. Sie fragten sich, was damit gemeint sei. Leser Bernd Mundlos merkt an, dass er selbst „dutzendfach“ Zeuge eines solchen Vorgangs bei anderen Personen gewesen sei. Was die Hygienikerin Behnke anmahnt, wird auch vom niedersächsischen Gesundheitsministerium gestützt. Denn wer seine Maske am Kinn „parke“, erhöhe die Wahrscheinlichkeit, beim Wiederanziehen die möglicherweise kontaminierte Außenseite der Maske zu berühren. Eine Selbstinfektion könnte die Folge sein. Auch nach dem Ausziehen der Maske sei es ratsam, die Hände nochmals zu waschen.

Was ist noch zu beachten?

Die Maske sollte Mund und Nase abdecken und eng an den Wangen anliegen, damit möglichst wenig Luft an den Seiten eindringen kann. Wenn der Stoff durchfeuchtet ist, sollte die Maske abgesetzt oder ausgetauscht werden. Mund-Nasen-Masken aus Zellulose sollten nur einmal getragen und dann entsorgt werden. Das gilt auch, wenn das Tragen des Mundschutzes immer wieder im Tagesverlauf nur für kürzere Zeiträume geplant ist. Das wollte unter anderem Leserin Heidi Müssig wissen.

Wie mache ich die Maske richtig sauber?

Einfache Stoffmasken können in die Waschmaschine gesteckt werden. Ein Waschgang bei mindestens 60 Grad wird dringend empfohlen. Alternativ kann man die Maske auch mit einem heißen Bügeleisen bügeln, wenn das Material es verträgt. Beim einfachen MNS ist es nach Angaben des Ministeriums mit Blick auf „Festigkeit und Funktionalität“ der Maske ratsam, eventuelle Herstellerangaben zur maximalen Zyklusanzahl zu beachten.

Eine Leserin aus Braunschweig will wissen: Muss ich immer eine Waschmaschine anstellen, wenn ich Stoffmasken reinigen will?

Das Reinigen der Maske kann laut Ministerium auch auf dem Herd erfolgen. Wasser im Topf erhitzen, zum kochen bringen und dann die Maske mindestens fünf Minuten auskochen.

Was ist bei der Hygiene von Masken noch zu beachten?

Die Maske sollte nach dem Abnehmen in einem Beutel oder in einem ähnlichen Behältnis luftdicht verschlossen aufbewahrt werden oder sofort gewaschen werden. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, um vor allem Schimmelbildung zu vermeiden, empfiehlt das Gesundheitsministerium in Hannover.

Wie handhaben andere EU-Länder das Thema Maskenpflicht?

Innerhalb Europas gibt es keine einheitliche Regelung. So obliegt es der Verantwortung der jeweiligen nationalen Regierungen, selbst über Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu entscheiden. So sind die Restriktionen in Italien oder Spanien ganz andere als in Schweden, was nicht nur mit der Zahl Infizierter und Toter zu tun hat, sondern auch mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie umfassend Grundrechte der Bürger eingeschnitten werden dürfen. Rückschlüsse, welche Strategie die erfolgreichere ist, sind noch zu früh.

In Tschechien besteht seit vier Wochen eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum. Das Land hat zehn Millionen Einwohner und ist mit etwa 7500 nachgewiesen Infektionen und knapp 230 Toten erstaunlich gut durch die Corona-Krise gekommen. Mit 11,5 Millionen Einwohnern leben in Belgien nur unwesentlich mehr Menschen als in Tschechien. Das Land leidet jedoch unter einer ungleich höheren Todesrate. Zeitweise war diese, gerechnet auf die Fallzahlen pro 100.000 Einwohner, weltweit am höchsten. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität starben bis Dienstag (Stand 17 Uhr) mehr als 7300 Belgier an Covid-19, mehr als 47.300 haben sich mit dem Virus angesteckt. Eine Maskenpflicht gibt es bei Flamen und Wallonen noch nicht, sie soll, mit den ersten Lockerungen ab dem 4. Mai, in Bussen und Bahnen für Personen ab zwölf Jahren zur Pflicht werden.

Die unterschiedlich hohen Infektionszahlen in Belgien und Tschechien nur auf die Einführung der Maskenpflicht zu reduzieren, wäre viel zu einfach. So würde beispielsweise die geografische Lage innerhalb Europas vollkommen ignorieren. Als ein Indikator dafür, was die Corona-Entwicklung in einem Land beschleunigt oder bremst, muss die Maskenpflicht dennoch hinzugezogen werden.

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