Seit 2014 hat sich die Zahl der Zugfahrten fast verdoppelt

Braunschweig.  Klimaserie: Der Regionalverband Großraum Braunschweig hat deutlich mehr Geld für den Nahverkehr zur Verfügung. Das war auch dringend notwendig.

Pendler und Schüler drängeln sich am Bahnhof Schladen im Landkreis Wolfenbüttel.

Pendler und Schüler drängeln sich am Bahnhof Schladen im Landkreis Wolfenbüttel.

Foto: Frank Schildener

Die Oberbürgermeister von Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter kämpften 2015 gemeinsam um mehr Geld für unsere Region. Es ging Ulrich Markurth (SPD), Klaus Mohrs (SPD) und Frank Klingebiel (CDU) um den öffentlichen Nahverkehr, der vor allem im Vergleich zur Region Hannover fast schon als miserabel zu bezeichnen war. Das lag an der Expo 2000. Zur Weltausstellung bekam die Landeshauptstadt zum Beispiel ein neues S-Bahn-Netz. Den Ankündigungen der Landespolitik, dass unsere Region danach dran sei, folgte lange nichts.

Unsere Zeitung rechnete vor vier Jahren genau nach. Tatsächlich: Die Region Hannover bekam zwischen 1996 und 2014 satte 1,2 Milliarden Euro mehr als unser Raum zwischen Harz und Heide. Der öffentliche Druck zeigte Wirkung, die damalige rot-grüne Landesregierung änderte für unsere Region extra das Nahverkehrsgesetz. Statt 70 Millionen Euro im Jahr 2016 bekommt der zuständige Regionalverband Großraum Braunschweig im laufenden Jahr 91 Millionen. 2021 werden es schon knappe 100 Millionen Euro sein.

Das Geld steckt der Regionalverband mehr und mehr ins Netz. Das gilt für die Züge im Nahverkehr und auch für die Regio-Busse. Letztere kommen zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten überall dort zum Einsatz, wo keine Züge fahren. Bereits 2014 startete der Regionalverband seine Offensive. So richtig spürbar ist sie seit zwei, drei Jahren.

Den größten Zuwachs verzeichnete der Regionalverband Großraum Braunschweig bei den Nahverkehrszügen. Sprecherin Gisela Noske sagte: „Seit 2014 haben wir die Anzahl der Fahrten auf fast allen Strecken inzwischen so gut wie verdoppelt.“ Auf allen Strecken sind neue Fahrzeuge im Einsatz. Auf vielen Strecken gibt es WLAN.

Auf der Schiene sind mittlerweile 170 Züge im Einsatz. Sie fahren auf 19 Strecken. Regio-Busse sind etwa 700 auf den Straßen zwischen Harz und Heide unterwegs.

Inzwischen hat sich die Taktzahl auf der Schiene deutlich erhöht. Einen 30-Minuten-Takt gibt es seit etwa einem Jahr auf der wichtigen Strecke zwischen Braunschweig und Hannover. Hier hat die Westfalenbahn als Betreiber vom Regionalverband den Zuschlag bekommen. Auch zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel sowie zwischen Braunschweig und Salzgitter-Lebenstedt gibt es unter der Woche einen 30-Minuten-Takt.

Auf den meisten Strecken im Nahverkehr gibt es derzeit zumindest einen Stundentakt. Darunter zählt zum Beispiel die Zug-Verbindung zwischen Wolfsburg und Hannover. Das gilt auch für die Strecken zwischen Braunschweig und Goslar oder zwischen Wolfsburg und Magdeburg sowie zwischen den Städten Braunschweig und Hildesheim oder Braunschweig und Schöppenstedt.

Ein solcher Stundentakt gilt leider auch noch auf der so wichtigen Verbindung zwischen Braunschweig und Wolfsburg. Täglich pendeln mehr als 11.000 Menschen aus Braunschweig nach Wolfsburg und 3000 Menschen in die entgegengesetzte Richtung. Einige von ihnen würden bei einem 30-Minuten-Takt sicher das Auto stehen lassen. Doch der ist aufgrund der Eingleisigkeit der Weddeler Schleife noch nicht möglich. Täglich fahren 104 Nah-, Fern- und Güterzüge auf dem Bahn-Nadelöhr. Das Geld für den 30-Minuten-Takt im Nahverkehr hätte der Regionalverband. Läuft alles optimal, beginnt der Bau des zweiten Gleises 2021. 2023 könnten die Nahverkehrszüge dann alle 30 Minuten fahren.

Probleme mit der Infrastruktur gibt es auch zwischen Braunschweig und Gifhorn beziehungsweise weiter Richtung Uelzen. Es handelt sich um die noch einzige Zug-Strecke in unserer Region, in der bisher nur ein Zweistundentakt möglich ist. Der Grund: Für einen Stundentakt fehlt das zweite Gleis in Rötgesbüttel im Landkreis Gifhorn. Mit dem Bau des zweiten Gleises, dem sogenannten Kreuzungsgleis, wird es möglich, dass zwei Züge gleichzeitig in den Bahnhof einfahren und sich eben dort begegnen. Dies ist notwendig, um auf der eingleisigen Strecke den Stundentakt zu fahren.

Doch zuletzt gab es hier gute Nachrichten: Alle notwendigen Genehmigungen liegen vor, die Klagefristen sind abgelaufen. Dem zweiten Gleis am Bahnhof in Rötgesbüttel steht nichts mehr im Wege. Ab Dezember 2020 sollen die Züge dann auf der Strecke Braunschweig-Gifhorn-Uelzen im Stundentakt gefahren werden. Mittelfristig peilt der Regionalverband Großraum Braunschweig auch hier einen 30-Minuten-Takt an.

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