Klimaserie: Wer regional einkauft, schont die Umwelt

Braunschweig.  Verbraucherschützer warnen jedoch: Händler tricksen häufig mit der Angabe „aus der Region“. Klare Regeln gibt es nicht.

Wer Äpfel aus regionalem Anbau etwa auf dem Wochenmarkt kauft, leistet einen gute Beitrag für die Umwelt.

Wer Äpfel aus regionalem Anbau etwa auf dem Wochenmarkt kauft, leistet einen gute Beitrag für die Umwelt.

Foto: Foto: Andreas Arnold / picture alliance/dpa

Müssen wir wirklich Äpfel aus Neuseeland essen, wenn die heimischen doch genauso knackig sind? Und was ist mit Tomaten, die im Winter in beheizten Gewächshäusern reifen und anschließend mit dem Flugzeug nach Deutschland transportiert werden?

Was wir essen, wie wir einkaufen hat einen erheblichen Einfluss auf unser Klima. Lebensmittel führen zu Treibhausgasemissionen – diese entstehen in der Landwirtschaft, bei Verarbeitung und Vertrieb, im Einzelhandel, in privaten Haushalten und der Gastronomie. Doch allein durch ein bewussteres Einkaufen können wir einiges dafür tun, das Klima zu schonen. So raten Verbraucher- und Umweltschützer, auf regionale und saisonale Produkte zu achten, um etwa Kühlzeiten und lange Transportwege zu vermeiden. Auch die Anbaumethode wirkt sich auf die CO2-Bilanz aus: Produkte aus ökologischem Anbau verursachen weniger Treibhausgase als Produkte aus konventioneller Erzeugung. Doch nicht immer ist es einfach, die Herkunft von Lebensmitteln zu erkennen. Wir haben die wichtigesten Fragen zusammengestellt.

Ist es grundsätzlich schlechter für die Umwelt, wenn ich im Supermarkt Äpfel aus Neuseeland kaufe statt heimisches Obst?

Nicht unbedingt. Grundsätzlich verursachen Nahrungsmittel, die aus Übersee nach Deutschland importiert werden, hohe Emissionen – vor allem bei Transporten mit dem Flugzeug. Doch wer im Juni einen Apfel aus Deutschland kauft, muss davon ausgehen, dass dieser aus der vorjährigen Herbsternte stammt. Er musste also gekühlt gelagert werden, um frisch zu bleiben. Bei der Kühlung wird viel Energie verbraucht und damit verbunden sind hohe Emissionen. Ein frischer Apfel aus Neuseeland, der zwar einen wesentlich weiteren Transport mit dem Schiff hinter sich hat, kann möglicherweise also trotzdem die bessere Ökobilanz vorweisen, heißt es beim Bundesumweltamt.

Sollte man beim Kauf von Obst und Gemüse auf die Jahreszeit achten?

Ja. Wer klimafreundlich einkaufen will, sollte das auf jeden Fall tun. Äpfel kauft man am besten im Herbst. Ein anderes Beispiel: In Deutschland reifen Tomaten im Freiland nur von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Außerhalb der Saison werden sie importiert, und teilweise in beheizten Gewächshäusern angebaut. Laut Bundesumweltamt werden bei einem Kilogramm Tomaten, das unter solchen Bedingungen im Winter gewachsen ist, zehnmal so viel klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt wie bei einem Anbau in der Region während der Saison.

Wie kann ich grundsätzlich vermeiden, dass ich Lebensmittel kaufe, die weite Transportwege zurückgelegt haben?

„Für die meisten Obst- und Gemüsearten ist die Kennzeichnung des Ursprungslandes verpflichtend“, sagt Janina Willers, Referentin für Ernährung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen „Darauf sollten Verbraucher achten.“ Regionale Lebensmittel seien im Supermarkt beispielsweise an der konkreten Angabe des Erzeugers oder einer klar abgrenzbaren Region zu erkennen: Bei unverarbeiteten Lebensmitteln wie etwa Kartoffeln, Spargel oder Äpfeln sollte der Erzeuger mit seiner Adresse oder zumindest dem Ort oder eine konkrete Region wie Lüneburger Heide, Braunschweiger Land oder Altes Land genannt sein. Die Angabe „hergestellt für ...“ oder die Herstelleradresse auf verpackten Lebensmitteln biete dagegen keine Orientierung, warnt die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Dies sei keine Aussage über die Herkunft der Rohstoffe.

Wo kann ich regionale Produkte kaufen?

Regionale Lebensmittel gibt es in nahezu allen Handelsketten, Supermärkten und Discountern. „Allerdings ist der Begriff Regionalität rechtlich nicht geschützt und wird von Händlern zum Teil unterschiedlich interpretiert“, sagt Janina Willers. So sei nicht klar, ob eine Region einen Umkreis von 50, 200 oder 500 Kilometern umfasst oder auch für die Region „Norddeutschland“ oder „Gesamtdeutschland“ gilt. Auch könnten Verbraucher die unterschiedlichen Siegel und Bezeichnungen nicht immer nachvollziehen. Kommen nur die Zutaten aus der Region oder ist nur der Hersteller dort angesiedelt? Willers sieht hier wenig Transparenz: „Die Kriterien hat jeder Händler für sich festgelegt; diese erfahren Verbraucher meist jedoch nicht.“

Gibt es eine verlässliche Kennzeichnung von regionalen Produkten?

Einige Gütezeichen garantieren die Herkunft aus einem bestimmten geografischen Gebiet. In Europa gelten zum Beispiel. die Gütezeichen „geschützte Ursprungsbezeichnung“ und „geschützte geografische Angabe“. Produkte mit der geschützten Ursprungsbezeichnung werden nur in einem abgegrenzten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erzeugt, verarbeitet und hergestellt. Beispiele sind Allgäuer Emmentaler oder Lüneburger Heidschnucke. Bei der geschützten geografischen Angabe muss mindestens ein Produktionsschritt (Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung) im genannten Gebiet erfolgt sein. Die Herkunft der Rohstoffe bleibt unklar. Beispiele: Lübecker Marzipan, Spreewälder Gurken, Thüringer Rostbratwurst oder Schwarzwälder Schinken – hier findet die Herstellung des Schinkens im Schwarzwald statt, die Schweinehaltung und Schlachtung kann dagegen auch in anderen Regionen erfolgen.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen weist zudem darauf hin, dass immer mehr unverarbeitete Lebensmittel das „Regionalfenster“ tragen. Das Regionalfenster sei aber kein Gütesiegel, sondern eine einfache Herkunftsangabe. Es gebe Auskunft über Region, Ort der Verarbeitung, Anteil der verwendeten regionalen Zutaten sowie die Kontrollstelle. Produkte mit Regionalfenster können allerdings deutschlandweit vermarktet werden.

Gehe ich beim Einkauf auf Nummer sicher, wenn ich direkt zum Landwirt oder auf den Wochenmarkt gehe?

„Die Direktvermarktung beim Landwirt hilft auch beim regionalen Einkauf“, sagt Janina Willers. Beispiele seien Hofläden, Verkaufsstände auf dem Wochenmarkt, Bauernläden in der Stadt oder eine Abo-Gemüse-Kiste. In der Anbausaison stammten viele Produkte auch tatsächlich direkt vom Hof. Zusätzlich könnten Landwirte oder Händler Auskunft geben, wie die Produkte angebaut werden. „Allerdings werden auch auf Wochenmärkten, in Hofläden oder in den Gemüsekisten nicht nur selbst angebaute Lebensmittel angeboten, sondern für ein vollständiges Sortiment auch vom Großmarkt zugekaufte Produkte.“

Wie tricksen möglicherweise Händler, um Produkte als „regional“ anzupreisen?

Laut Janina Willers gibt es viele Möglichkeiten, dem Verbraucher Nähe vorzugaukeln. „Da es keine klare Definition für regional gibt, wird mit ebenso unspezifischen Begriffen wie Heimat, von hier, aus der Region, Regio oder nah geworben.“ Einige Händler priesen Obst und Gemüse als regional an, obwohl nur die verpflichtende Herkunftsangabe Deutschland zu finden sei. Teilweise hätten die Lebensmittel erhebliche Entfernungen zurückgelegt. Auch Markennamen mit Regionalbezug seien kein Garant für ein tatsächlich regionales Produkt. Beispiele seien „Mark Brandenburg“, „Müritzer“, „Sylter Salatsoße“ oder „Küstengold“. Willers: „Für die regionale Herkunft der Rohstoffe beziehungsweise Zutaten oder die regionale Verarbeitung sind im Markengesetz keine Regelungen vorgeschrieben.“

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