Wie zehn Millionen Euro Niedersachsens Kultur beleben sollen

Hannover.  Mit einem neuen Hilfsprogramm will das Kulturministerium Künstlern wieder Auftritte verschaffen. Wir fragten nach, wie das funktionieren soll.

Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU) will mit einem neuen Programm die Kulturszene „unbürokratisch revitalisieren“.

Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU) will mit einem neuen Programm die Kulturszene „unbürokratisch revitalisieren“.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Freischaffende Künstler, die in der Corona-Krise kaum Auftrittsmöglichkeiten und damit Einnahmen haben, werden vom Land Niedersachsen nicht direkt unterstützt, sondern müssen Grundsicherung beantragen. Mit einem neuen Förderprogramm will Kulturminister Björn Thümler (CDU) ihnen jetzt aber wieder zu Engagements verhelfen. Wie das funktionieren soll, erläutert seine Sprecherin Katharina Graef.

Wegen der coronabedingten Reduzierung von Platzkapazitäten rechnen sich viele Veranstaltungen für Kulturvereine und andere Organisatoren derzeit nicht. Die möglichen Einnahmen decken die Kosten nicht. Zielt das Programm darauf, diese Lücke zu schließen?

Ja. Das Förderprogramm soll Kulturschaffende dabei unterstützen, wieder zu Auftritten und Engagements zu kommen. Gleichzeitig ermöglicht es Veranstaltern, trotz aktuell begrenzter Besucherzahlen Engagements mit Soloselbstständigen abschließen zu können.

Wer muss den Förderantrag stellen? Der Veranstalter oder der oder die Künstlerin?

Das Programm setzt sich aus vier Förderlinien zusammen. Für die Linie A und B können Veranstalter aus dem kulturellen Bereich (A) und der kulturellen Bildung (B) Förderanträge bei den Trägern der regionalen Kulturförderung – in Braunschweig die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz – bzw. der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung stellen. Mit der Linie C unterstützt das Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) innovative neue Projekte und Produktionen, an denen Soloselbstständige, zum Beispiel Künstler und Kulturvermittler, beteiligt sind. Projektanträge können von Kultureinrichtungen und Solo-Selbstständigen bzw. Zusammenschlüssen wie freien Theaterensembles eingereicht werden. Förderlinie D richtet sich besonders an Soloselbstständige, die im nicht-öffentlichen Bereich tätig sind wie Hochzeitsmusiker. Diese Projektanträge werden von den Soloselbstständigen selbst beim MWK eingereicht.

Das Ministerium will „unbürokratisch“ fördern

Kulturminister Thümler verspricht „ein möglichst unbürokratisches Verfahren“. Was muss alles angegeben werden? Reichen grundsätzlich die erwarteten Einnahmen und die Honorarkosten der Künstler und Techniker?

Für die Förderlinie A und B reicht die Kultureinrichtung ein Antragsformular sowie die Entwürfe der Verträge mit den Soloselbstständigen ein. Weiter ist eine Projektbeschreibung, ein Kosten- und Finanzierungsplan sowie eine Erklärung des Soloselbstständigen vorzulegen. Im Falle einer Förderzusage wird ein einfacher Verwendungsnachweis zugelassen. Die Fördergelder sollen also in voller Höhe bei den Künstlern ankommen.

Auf der Internetseite des MWK lesen sich die Förderrichtlinien doch etwas komplizierter. Gibt es Ansprechpartner, die beim Ausfüllen der Anträge helfen können?

Bei Fragen stehen die Mitarbeiter der Kulturabteilung des MWK sowie die jeweiligen Ansprechpartner der Träger der regionalen Kulturförderung gerne zur Verfügung. Die für die Förderlinie A und B zuständigen regionalen Kulturträger werden voraussichtlich in der kommenden Woche die Antragsformulare und weitere Informationen auf ihrer Homepage bereitstellen. Die Bearbeitungszeit ist davon abhängig wie viele Anträge gestellt werden und wie flexibel die Kultureinrichtungen Veranstaltungen einplanen und durchführen können.

Passen Förderung und Grundsicherung zusammen? Die Frage bleibt vorerst offen

Viele Künstler leben aufgrund mangelnder Auftrittsmöglichkeiten und Einnahmen derzeit von der Grundsicherung/Hartz IV. Müssen sie diese wieder verlassen, wenn sie nun durch das neue Förderprogramm gelegentlich wieder Auftrittsmöglichkeiten bekommen?

Das Programm verfolgt das kulturpolitische Ziel einer Vitalisierung der gesamten Szene. Es sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, ganze Reihen von Veranstaltungen zu beantragen. Die Vitalisierung durch die Förderung von Kulturveranstaltungen beinhaltet naturgemäß auch die Möglichkeit, dass Soloselbstständige bei verschiedenen Veranstaltungen auftreten und damit mehrfach von der Förderung profitieren können.

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