Das Filmfest Braunschweig sucht in diesem Jahr Exil im Internet

Braunschweig.  Die 34. Auflage des Festivals läuft ab dem 2. November coronabedingt nur online – es gibt unter anderem 31 Deutschland-Premieren zu sehen.

In „Downstream to Kinshasa" kämpfen Kriegsversehrte in der Demokratischen Republik Kongo um Anerkennung des ihnen widerfahrenen Unrechts.

In „Downstream to Kinshasa" kämpfen Kriegsversehrte in der Demokratischen Republik Kongo um Anerkennung des ihnen widerfahrenen Unrechts.

Foto: Internationales Filmfest Braunschweig

83 Filme aus mehr als 30 Ländern, darunter 31 Deutschland-Premieren – das Internationale Filmfest Braunschweig bietet auch bei seiner 34. Auflage ein Programm, das sich sehen lassen kann.

Der Unterschied ist allerdings, dass die Werke dieses Mal coronabedingt nicht im Kino, sondern vom 2. bis 8. November lediglich online zu sehen sind. „In diesem Fall ist das Internet tatsächlich der Freund des Kinos“, sagte Frank Woesthoff aus der Unternehmenskommunikation des Festival-Hauptsponsors Volkswagen Financial Services am Donnerstag bei der Programm- und Konzeptpräsentation.

Filmfest Braunschweig: Neuer Direktor stellt Programm vor

Im Studiosaal des Kulturzentrums Brunsviga ebenfalls dabei: Thorsten Rinke, Vorsitzender des Filmfestvereins, sowie der neue Direktor Andreas Lewin, der erstmals für die künstlerische Leitung verantwortlich ist – und das gleich unter Ausnahmebedingungen. Der 51-Jährige, zuvor lange Zeit für das „Dokuarts“-Kunstfilmfestival in Berlin zuständig, stellte die verschiedenen Kategorien vor, die das Braunschweiger Filmfest auch in diesem Jahr ausmachen sollen.

An vorderster Front steht der Hauptwettbewerb unter dem Motto „Junges Kino“ – also Debüt- oder Zweitwerke von Regisseuren –, für den der Publikumspreis „Der Heinrich“ (per Online-Abstimmung) sowie der von einer dreiköpfigen Jury vergebene Volkswagen-Financial-Services-Filmpreis ausgelobt sind. Beide sind mit 10.000 Euro dotiert. Hier geht es in 2020 um „Ausnahmezustände“, wie Festivalleiter Lewin erklärte.

Filmprogramm 2020: Ausnahmezustände und wunderbar-absurde Freundschaften

Diese können sich etwa, so zu sehen in der Deutschland-Premiere „Mosquito“, im südostafrikanischen Mosambik des Jahres 1917 abspielen. Dort läuft der junge Rekrut Zacarias, der die portugiesische Kolonie gegen die Deutschen verteidigen will, ganz allein hunderte Kilometer durch die Wüste. Im skandinavischen Film „Charter“ geht es hingegen um die geschiedene Mutter Alice, die ihre beiden Kinder seit mehreren Monaten nicht mehr gesehen hat. Als ihr Sohn sie eines Nachts weinend anruft, entführt sie ihn und seine Schwester kurzerhand aus dem Haus des Ex-Mannes und flieht mit ihnen auf die Kanaren.

Verschiedene außereuropäische Filme kommen in der Kategorie „Neues internationales Kino“ zum Zuge, so etwa „Pureza“ aus Brasilien oder „Lunana: A Yak in the Classroom“ – einer der ersten Bhutanischen Spielfilme überhaupt, die in Deutschland zu sehen sind. Im US-Werk „The Planters“ leben Hannah Leder und Alexandra Kotcheff, die Töchter der Regisseure Mimi Leder und Ted Kotcheff, eine wunderbar-absurde Freundschaft in der kalifornischen Einöde.

In der Sparte der Dokumentarfilme findet sich „Downstream to Kinshasa“, in dem Versehrte des Zweiten Kongokrieges (1998-2003) bei der Regierung in der Hauptstadt um die Anerkennung des ihnen widerfahrenen Unrechts kämpfen. In der Reihe „Heimspiele“ mit Filmen von und mit Akteuren aus der Region ist etwa in „Lost in Face“ zu sehen, an dem der Braunschweiger Komponist Antimo Sorgente musikalisch mitgewirkt hat. Im Mittelpunkt steht Carlotta, die sich einfach keine Gesichter merken kann – nicht einmal ihr eigenes. Die Doku zeigt, wie sich die Frau schließlich über die Kunst einen Weg zurück in die Gesellschaft bahnt.

Online-Plattform noch im Aufbau – digitaler Ticketverkauf startet Mitte Oktober

Zu sehen sind diese Werke, zum größten Teil über den kompletten Festival-Zeitraum, über das Portal
www.online.filmfest-braunschweig.de
. Es ist derzeit noch im Entstehen. Dort können sich dann alle Interessierten anmelden und Online-Eintrittskarten lösen. Langfilme kosten sieben Euro, der Festivalpass für alle Filme 99 Euro. Kurzfilme werden kostenlos zu sehen sein. Zu jedem Film gibt es umfassende Infos, auch einführende Worte der Regisseure sind geplant.

Der Online-Verkauf startet am 15. Oktober. Am 24. Oktober soll es einen Preview-Tag geben, damit Filmfreunde sich bereits mit der Funktionsweise der Plattform vertraut machen können.

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